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LADENSCHLUSS: Längere Öffnungszeiten – die Dorfläden machen nicht mit

Kein Ladenschlussgesetz? Diese Situation kennt Nidwalden seit Jahren. Ein Augenschein im Kantonshauptort Stans.
Florian Weingartner
Der Innenbereich des Einkaufszentrums Länderpark in Stans am letzten Mittwochabend um 19.30 Uhr. (Bild: Manuela Jans / LZ)

Der Innenbereich des Einkaufszentrums Länderpark in Stans am letzten Mittwochabend um 19.30 Uhr. (Bild: Manuela Jans / LZ)

Wunderschön eingebettet zwischen zwei imposanten Gipfeln, Pilatus und Stanserhorn, liegt Stans. Knapp 8000 Einwohner, ein historischer Dorfkern – und ein grosses, schmuckes Einkaufszentrum, der Länderpark. Dieser hat werktags jeweils von 9 bis 20 Uhr durchgehend geöffnet. Am Samstag von 8 bis 18 Uhr. Im Kanton Nidwalden gibt es kein Ladenschlussgesetz.

Länger zu öffnen, lohnt sich nicht

Die Läden sind nur an das Arbeitsgesetz gebunden, welches Arbeitseinsätze von Angestellten zwischen 6 und 23 Uhr bewilligungsfrei erlaubt. Noch längere Öffnungszeiten würden sich für den Länderpark aber nicht lohnen, sagt Rahel Probst, Mediensprecherin der Zentrumsbetreiberin Migros Genossenschaft Luzern. «Wir richten uns in der Gestaltung unserer Öffnungszeiten nach dem Kundenbedürfnis. Uns geht es nicht darum, die maximal zulässigen Öffnungszeiten auszureizen», sagt Probst. So habe man nach der Wiedereröffnung im Herbst 2010 ein halbes Jahr lang am Freitag bis 21 Uhr geöffnet gehabt. Mangels Bedürfnis sei man von dieser Praxis wieder abgekommen.

Das direkt an der Autobahnausfahrt Stans-Nord gelegene Einkaufszentrum zieht auch Luzerner an. Via Autobahn ist es von der Stadt aus in knapp acht Minuten zu erreichen. Was also liegt näher als ein kurzer Ausflug nach Stans, wenn in Luzern die Läden um 18.30 Uhr schliessen? 52 Geschäfte locken mit ihren Angeboten. Und ein Augenschein vor Ort am Mittwochabend gegen 19 Uhr zeigt: Es lässt sich relativ ungestört einkaufen um diese Zeit. In den meisten Läden befinden sich nur wenige oder gar keine Kunden. Anders in der Migros. Dort stehen die Leute an den Kassen sogar Schlange. Auch im Denner ist noch etwas los. Und im Sportgeschäft der Migros, dem SportXX.

Luzerner kaufen in Stans ein

Ein Stadtluzerner, der an diesem Mittwochabend den Weg nach Stans gefunden hat, sagt, er komme regelmässig. Der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, begründet dies mit seinen Arbeitszeiten. Er arbeite jeweils bis spät. In Luzern seien zu dieser Zeit die Läden bereits geschlossen. Ob er am 9. Juni zur Initiative der Jungfreisinnigen Ja sagen wird, weiss er aber noch nicht. Auf der einen Seite wäre es für ihn zwar bequem, wie er sagt. Doch eine 24-Stunden-Gesellschaft wolle er auch nicht. Er würde sich aber Öffnungszeiten bis 20 Uhr auch für Luzern wünschen.

Zufrieden mit der aktuellen Situation in Luzern ist ein Paar aus Kriens, das ebenfalls anonym bleiben möchte. Sie kämen nur zwischendurch mal hierher in den Länderpark. Normalerweise würden sie es aber zu den in Luzern gegebenen Öffnungszeiten schaffen, ihre Besorgungen zu erledigen.

Die Migros macht auch in Luzern Werbung für den Länderpark, und zwar explizit mit dem Argument der längeren Öffnungszeiten. Rahel Probst, Mediensprecherin der Migros Genossenschaft Luzern, sagt: «An den Abenden ab 19 Uhr und am Samstag von 16 bis 18 Uhr ist der Länderpark sehr gut frequentiert, gerade auch von Kunden aus dem Kanton Luzern.» Genaue Zahlen, auch zum nach 18.30 Uhr generierten Umsatz, wolle man aber keine nennen.

Herausforderung Einsatzplan

Urs Näpflin ist Mitinhaber eines der mittelgrossen Geschäfte im Länderpark, der Impuls Apotheke und Drogerie. Für ein mittelgrosses Geschäft wie das seine sei die Planung der Einsätze der Angestellten sicher schwieriger als für die Grossen, sagt Näpflin. «Man muss schauen, dass die Angestellten nicht zweimal hintereinander einen Spätdienst leisten müssen.» Und natürlich seien die Angestellten nicht besonders erpicht auf diese Spätdienste. Ab 18.30 Uhr seien in seinem Geschäft deshalb nur noch drei bis vier Angestellte im Einsatz. Alle Geschäfte im Zentrum müssen die allgemeinen Öffnungszeiten einhalten. Auf die Frage, ob er mit dieser Bestimmung glücklich sei, antwortet Näpflin: «Klar würde man gerne mal Zeiten herauspicken, um den Kundenströmen Rechnung zu tragen. Aber unterschiedliche Öffnungszeiten würden es den Kunden schwierig machen, ihre Einkäufe zu planen.» Im Grunde sei er mit der jetzigen Situation zufrieden.

Die Migros und ihre Fachmärkte arbeiten im Schichtbetrieb, zudem werden Teilzeitmitarbeiter eingesetzt, wie Rahel Probst erklärt. Man benötige insgesamt zur Abdeckung der Öffnungszeiten mehr Personal als etwa in Luzern.

Angestellte beklagen «lange Tage»

Mehrere Angestellte von Geschäften im Länderpark, welche nicht namentlich in Erscheinung treten möchten, beklagen sich über die «langen Tage», die sie regelmässig leisten müssen. Eine Angestellte sagt, sie verstehe, dass das Zentrum etwa am Freitag länger offen habe. Aber «die ganze Woche bis 20 Uhr, das ist schon ein wenig extrem». Zwar müssten sie keine Überstunden leisten. Mehrere Pausen pro Tag sorgten für die Einhaltung der Arbeitszeiten. Doch in diesen Pausen könne man wenig anderes tun als essen und rauchen. Unter dem späten Feierabend leide auch das Privatleben. Sie schaue sich deswegen nach einer anderen Stelle um, sagt eine Angestellte.

Eine gewisse Flexibilität bei den Arbeitszeiten gehöre für die Mitarbeiter wie in anderen Dienstleistungsbranchen dazu, sagt Rahel Probst.

Urs Gander, Sekretär der Gewerkschaft Syna, meint dagegen, die Nidwaldner Gesetzgebung sei derzeit zu liberal. «Mehr Umsatz wird mit längeren Öffnungszeiten nicht gemacht, und am Schluss leiden die Angestellten.»

Im Dorf ist um 18.30 Uhr Schluss

Im Dorfkern schliessen die Läden spätestens um 18.30 Uhr. Die Ausnahme, eine Coop-Filiale, bestätigt die Regel. In den Geschäften ist zu hören, dass die Akzeptanz der Kunden für dieses Vorgehen gross sei. Es würde sich für die kleineren Geschäfte schlicht nicht lohnen, länger geöffnet zu haben. Auch hier hört man: Mehr Umsatz mache man dadurch kaum.

«Eine Ausweitung der Öffnungszeiten ist kein Thema», sagt etwa Christoph Blaettler, Inhaber der Schuhgeschäfte Blaettler. Das sei vom Personalaufwand her nicht machbar, denn dann müsste man in Schichten zu arbeiten beginnen. Dass er den Umsatz in seinem Geschäft dennoch konstant halten kann, führt Blaettler darauf zurück, dass viele seiner Kunden den persönlichen Kontakt und die Beratung schätzen würden. «Wir dürfen nicht jammern, aber wir müssen jeden Tag Vollgas geben, um bestehen zu können.»

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