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Lässt die Stadt Luzern ihre Gebäude verlottern?

Die Stadt Luzern investiert immer weniger Geld in den Unterhalt ihrer Gebäude. Letztes Jahr wendete sie nur noch einen Bruchteil des empfohlenen Betrags auf. Parlamentarier sind alarmiert.
Robert Knobel
Die Villa Auf Musegg 1 in Luzern, welche dieses Frühjahr besetzt wurde. Bild: Luzerner Zeitung (18. April 2018)

Die Villa Auf Musegg 1 in Luzern, welche dieses Frühjahr besetzt wurde. Bild: Luzerner Zeitung (18. April 2018)

Die Stadt Luzern ist «Grossgrundbesitzerin». Allein das Verwaltungsvermögen hat aktuell einen Neuwert von 837 Millionen Franken. Unter Verwaltungsvermögen versteht man all diejenigen Gebäude, welche die Stadt für die Aufrechterhaltung ihrer Aufgaben und Dienstleistungen benötigt – also beispielsweise Schulhäuser oder andere öffentliche Gebäude. Es versteht sich von selbst, dass ein so grosser Immobilienbesitz auch entsprechend hohe Unterhaltskosten verursacht. Doch hier knausert die Stadt. Das zumindest werfen ihr FDP und Grüne vor. In einer Motion, die sie im Stadtparlament eingereicht haben, rechnen sie vor, wie die Stadt die Unterhaltskosten in den letzten Jahren massiv reduziert hat.

Tatsächlich: Wurden in der Jahresrechnung 2015 noch fast 12 Millionen Franken für werterhaltende Massnahmen ausgewiesen, waren es 2017 nur noch halb soviel. In relativen Zahlen ausgedrückt: Im letzten Jahr wurden lediglich 0,71 Prozent des Gebäudeversicherungswerts für den Unterhalt aufgewendet. Der Richtwert liegt hingegen bei 2,75 Prozent, wie die städtische Baudirektion in den Jahresberichten jeweils selber festhält. Das Ziel von 2,75 Prozent, das von einer ETH-Studie empfohlen wird, konnte in den letzten Jahren nie erreicht werden. 2013 – damals gehörten auch die Betagtenzentren noch zum Verwaltungsvermögen – wurden 2,1 Prozent der Gebäudeversicherungssumme in den Unterhalt investiert. Seither zeigt die Tendenz deutlich nach unten.

Angst vor Schäden und Wertverlust

Für Rieska Dommann (FDP) und Korintha Bärtsch (Grüne) ist das «beunruhigend», wie sie in ihrer Motion schreiben. Mittelfristig führe der vernachlässigte Unterhalt zu einem Wertverlust der Gebäude, schlimmstenfalls sogar zu Schäden. Am Ende könnten die Sanierungsarbeiten sogar höher ausfallen als die eingesparten Unterhaltskosten. «Man spart auf Kosten von später», kritisiert Korintha Bärtsch.

Der Stadtrat nimmt aufgrund der hängigen Motion keine Stellung zu den Vorwürfen von FDP und Grünen. Immerhin: Im Budget 2018 ist die Unterhaltssumme mit rund 12 Millionen Franken veranschlagt – also etwa doppelt so hoch wie letztes Jahr. Ob dieser Betrag dann auch tatsächlich ausgegeben wird, ist eine andere Frage. Denn schon im Budget 2017 lagen die veranschlagten Unterhaltskosten um mehrere Millionen höher als die tatsächlich getätigten Zahlungen.

In ihrer Motion fordern FDP und Grüne Antworten vom Stadtrat. In einem Bericht soll er aufzeigen, welche Folgen der geringe Unterhalt auf den Zustand der Gebäude hat. Weiter fragen die Motionäre, was passieren würde, wenn sich der Unterhaltsstau weiter vergrössern würde. Schliesslich soll der Stadtrat auch aufzeigen, wie er einen nachhaltigen Gebäudeunterhalt längerfristig sicherstellen will.

Villa Auf Musegg 1: Raum nicht vermietbar

Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadt für den Unterhalt ihrer Gebäude kritisiert wird. Als vor einigen Wochen die städtische Liegenschaft Auf Musegg 1 besetzt wurde, musste sich der Stadtrat nicht nur wegen seines Umgangs mit den Besetzern Kritik anhören. Auch die Tatsache, dass die Villa in einem sehr schlechten Zustand ist, wurde mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Der besetzte Raum war nämlich von Schimmel befallen, zudem fehlten Küche und Bad – wodurch der Raum seit längerem nicht mehr vermietet werden konnte.

Der Stadtrat schreibt in seiner Antwort auf eine Interpellation der Grünen, er plane eine Gesamtsanierung der Villa. Wann genau, ist noch offen. Ausserdem heisst es in dieser Stadtrats-Antwort zum Thema Unterhalt: «Die städtischen Gebäude werden im Rahmen der zur Verfügung stehenden jährlichen Unterhaltsbudgets baulich unterhalten, grösserer Sanierungsbedarf wird im Rahmen der Investitionsrechnung behandelt. Infolge zum Teil knapper Finanzmittel wird nach Instandsetzungs-/Sanierungsbedarf priorisiert.» Um die Objektbewirtschaftung zu optimieren, werde zudem bald ein Objektstrategie-Tool eingeführt.

Für Schlagzeilen sorgte auch der Fall des Am-Rhyn-Hauses in der Altstadt. Dort zögerte die Stadt die Sanierung so lange hinaus, bis das Gebäude einzustürzen drohte. Es blieb nichts anderes übrig, als Sofortmassnahmen zu ergreifen, um das Haus zu retten. Inzwischen ist ein Sanierungsprojekt aufgegleist.

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