Kolumne

«Landauf, Landab»: Beim Kundenbindungsprogramm der Grossverteiler gibt es kein Entrinnen

Cumuluskarte? Supercard? Märkli? Robert Bossard hat hehre Prinzipien – bis vor kurzem.

Robert Bossart Journalist, Altwis
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Robert Bossart

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Bild: PD

Liebe Verkäuferinnen und Verkäufer, die ihr hinter Masken und mit von Desinfektionsmitteln geröteten Händen Überstunden leistet: Bitte nehmt mir folgende Zeilen nicht übel, ihr könnt nichts dafür. Schuld bin eigentlich ich. Weil ich nicht mitmache. Gemeint ist das «Kundenbindungsprogramm» der grossen Lebensmittelketten. Plastikkarten, die mit Wörtern wie «Cumulus» oder «Super» bezeichnet darauf hindeuten, dass wir da etwas umsonst bekommen und damit viele Sachen kumulieren, also anhäufen können.

Als im Jahr 2000 die Supercard eingeführt wurde, war ich skeptisch. So einfach lasse ich mich doch nicht einfangen, wozu haben wir im Geschichtsunterricht Karl Marx gelesen? Jahrelang sagte ich wie ein Sünder im Beichtstuhl «Nein», wenn die immer gleiche Frage an der Kasse gestellt wurde: Supercard? Irgendwann brach ich ein – ich will ja nicht ein notorischer Nein-Sager sein – und streckte brav die Karte hin an der Kasse.

Was blieb, ist die Märkli-Frage, die auch zum Mantra der Kassiererinnen gehört. Wenn schon einmal Nein sagen, warum nicht gleich zweimal? Also schmiss ich die Karte weg und kehrte zurück zu meinen hehren Prinzipien. Kürzlich wagte ich es sogar, bevor ich die Waren aufs Rollband legte, zu sagen, dass ich keine Karte hätte und ich keine Marken möchte. Die Dame nahm dies kommentarlos entgegen. Man sah aber in ihren Augen, dass die Sache damit nicht erledigt ist. So im Sinne von: «So einfach kommst du mir nicht davon, Bürschchen.» Und so fügte sie, bevor sie mir einen schönen Abend wünschte, hinzu: «Wänd Sie Märkli?»

Hinweis: Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem freigewählten Thema.