Kolumne

«Landauf, landab»: Brüedere

Kabarettist Veri schreibt, wie er seine Auszeit auf der Brüedere Alp verbringen würde und, was dies in Coronazeiten heisst.

Thomas Lötscher alias Veri, Malters
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Thomas Lötscher alias Veri.

Thomas Lötscher alias Veri.

PD

Ich hatte mir meine Auszeit immer anders vorgestellt. Weniger zwangsweise wegen Virus, mehr so freiwillig. Mit Alp, Sennenhund und Hüttenbänkli: «Mini Seel ä chli la bambälä la» halt. Einfach mal weg. Wie Bruder Klaus, der Erfinder des Social Distancing, der ohne Handy und Netflix in die Ranftschlucht-Quarantäne ging. Ich würde die Brüedere Alp wählen, auf Entlebucher Seite des Glaubenbergs. Bessere Aussicht. Auch da lebten im 15. Jahrhundert bereits Eremiten, Brüedere eben. Ein herrliches Fläckli, da juchzte der Herrgott wohl lachend, als er diesen landschaftlichen Nidletupf an die Risete setzte.

Damit Chäppeli und WC-Hüsli am Samstag von Städtern, die vor Demos fliehen, nicht überschwemmt werden – touristisch, meine ich – die ganze Wahrheit: Das kreisende Vieh an der Fluh ist kein Adler, nur ein hundsgewöhnlicher Bartgeier, der Wasserfall plätschert furchtbar laut und die übertrieben bunten Alpenblumen stinken penetrant nach frischem Gras.

Bruder Ruedi übrigens ist geschichtlich nicht belegt, Bieri Ruedi, der Komponist von «Mini Seel …», hingegen schon. Seiner Familie gehört die Brüedere Alp seit 1723. Seit 297 Jahren! Und ausgerechnet jetzt, wo er Brüedere Alp Konzerte mit seinen «Bieri Froue plus» plant, kommt dieser «neuartige» Virus. Bruder Virus ist kein Eremit, ganz gesellig mischt er sich unters Volk, das Fest wird ein Jahr verschoben.

Die Konzert-CD gibt’s schon: «Läbe näbenand». So könnten die Demo-Brüeder und -Schwestern, während sie die Welt retten, diesen passenden Titel auch ins Ohr stöpseln. Oder aufs Kartonschild schreiben: «Läbe näbenand!»

Hinweis: Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.