Kolumne

Landauf, landab: Demut

In unserer Kolumne «landauf, landab» schreibt alt Nationalrat Ruedi Lustenberger über Dankbarkeit und Demut in der aktuell schwierigen Lage.

Ruedi Lustenberger, alt Nationalrat, Romoos
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Ruedi Lustenberger.

Ruedi Lustenberger.

Bild: Eveline Beerkircher 

Es ist Dienstagmorgen. Ich brauche eine Verwaltungsauskunft und greife zum Telefon. «Demut», begrüsst mich eine freundliche Frauenstimme. «Sie haben einen schönen Namen», erwidere ich, «er passt so gut in die aktuelle Zeit.» Ich kenne die Frau nicht, gleichwohl ergibt sich ein kurzes Gespräch über die aktuelle Situation auf unserem Planeten. Wir sind uns schnell einig: Die Menschheit – mindestens ein Teil davon – ist innert Monatsfrist demütiger geworden.

Selber bin ich, wie viele andere auch, momentan in einer privilegierten Lage. Ich wohne auf dem Land, abseits der grossen Heeresstrassen. Das, was ab und zu etwas abschätzig als «hinter dem Mond» und «dort, wo Hase und Fuchs sich gute Nacht wünschen» betitelt wird, ist plötzlich begehrt. Quasi eine wieder entdeckte Lebensqualität. Ob diese neue Wertschätzung gegenüber der peripheren Landschaft und der intakten Natur von Dauer ist? Zu wünschen wäre es.

Gut zwei Wochen sind vergangen, seit dem Telefongespräch. Es geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich begegne Menschen, die tatsächlich einen inneren Wandel vollzogen haben. Zur neu erlangten Demut gesellt sich Dankbarkeit. Dankbar für das eigene Wohlbefinden und für den gedeckten Tisch, dankbar gegenüber allen, die sich um unsere alltäglichen Bedürfnisse sorgen und jenen, die politische Verantwortung übernehmen und uns durch diese schwierige Zeit führen.

Nächste Woche erwarte ich Post. Von Frau Demut, mit «h». Ich werde sie dann angerufen, um danke zu sagen. Für die Dokumente und die Inspiration für diese Kolumne.

Hinweis: Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.