Kolumne
«Landauf, landab»: Der Phönix aus der Asche

In unserer Kolumne «Landauf, landab» schreibt Journalist Robert Bossart über die Ähnlichkeiten von Altwis und der «Weltstadt» Zürich.

Robert Bossart, Journalist, Altwis
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Journalist Robert Bossart aus Altwis.

Journalist Robert Bossart aus Altwis.

Bild: PD

Entweder man wohnt in einer Weltstadt – oder in einem Dörfchen. Alles andere ist Agglo-Suppe, Vorstadt-Tristesse, Zersiedelungsbrei. Ist natürlich zugespitzt. Aber die Zeiten stehen gut für solche Denkweisen. Dies beweisen uns der Herr mit orangen Haaren ennet dem Teich und das illustre Grüppchen der Empörten, welches das Maskentragen als Quasi-Folter hinaufstilisiert.

Aber lassen wir die Kirche im Dorf stehen und kehren zurück zur Gegenüberstellung. Altwis, wo ich seit über zehn Jahren daheim bin, hat zwar keine Kirche, dafür eine Kapelle. Und Zürich, wo ich herkam, wird nur von den Zürchern als Weltstadt bezeichnet. Trotzdem besitzen beide Wohnorte grosse Vorteile – das Gewusel an Menschen und Ideen auf der einen und das authentisch-geerdete auf der anderen Seite. Zürich bleibt Zürich. Altwis hingegen verschwindet von der Landkarte. Die 400 Seelen gehören ab 1 Januar zu Hitzkirch.

Das Wehgeschrei war noch vor wenigen Jahren gross, als über diese Fusion diskutiert wurde. Viele befürchteten den Verlust der Heimat und Identität. Die finanzielle Realität hat nun unter anderem dazu geführt, dass eine breite Mehrheit auf «ihr» Dorf verzichtet. Und siehe da: Wie der Phönix aus der Asche bäumte sich Altwis kurz vor dem Lichterlöschen nochmals auf. In Rekordzeit hat eine Gruppe einen Begegnungsplatz aus dem Boden gestampft. Und damit gesagt: Das Dorf sind wir. Herzstück ist ein Pétanque-Platz, eigentlich ein Symbol von lässig-mediterranem Grosstadt-Lebensstil. Hier wird nun eifrig gespielt, nicht selten mit einem Gläschen Pastis dazu. So lebt das Dorf weiter. Und kann sich dazu noch wie eine Weltstadt fühlen