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«Landauf, Landab»: Fremdsein für immer

In der aktuellen Kolumne «Landauf, landab» schreibt der Journalist Robert Bossart über sein Leben als Städter im Luzerner Seetal.
Robert Bossart
Robert Bossart

Robert Bossart

Dass es zuweilen nicht so rasch geht mit der «mikroterritorialen» Integration, weiss ich. Als ich vor 20 Jahren am Sempachersee meine Zelte aufschlug, merkte ich, was ich eigentlich bin: ein Städter. Noch dazu einer aus der unbeliebtesten Metropole in der Deutschschweiz. Die Bemerkungen zur Herkunft waren zwar fast durchwegs liebevoll gemeint, aber trotzdem: Dauernd bekam ich zu spüren, dass ich nicht von «hier» bin.

Sticheleien, Sprüche – und Witze, die ich mir anzuhören hatte, gehörten zur Tagesordnung. Zugegeben, einiges ist, obwohl manchmal an der Grenze zum «innerföderalistischen Rassismus», echt witzig. Etwa: Wissen Sie, wie sich ein Zürcher ins Bett legt? Er platziert zuerst sein Mundwerk und schaut dann, was noch Platz hat. Ist in meinem Fall übrigens nicht völlig aus der Luft gegriffen. Finden zumindest meine Sprösslinge, die keine Gelegenheit auslassen, mir die Herkunft unter die Nase zu reiben.

Nun wohnen wir im Luzerner Seetal. Dorfbewohner hatten Wetten abgeschlossen, wie lange wir es aushalten würden. Offenbar traute man uns nicht zu, dass wir an so einem ländlich abgelegenen Ort glücklich werden könnten. Längst sind wir hier sesshaft geworden und durften viele sympathische Menschen kennen lernen. Gefühlt leben wir bereits eine Ewigkeit hier, sodass ich mich – die Alteingesessenen mögen es mir verzeihen – als Einheimischen bezeichnen würde.

Tja, wie man sich täuschen kann. Als wir auf einem Spaziergang wieder einmal eine herzensgute, ältere Dorfbewohnerin trafen, sagte sie: Es sei schön, solche netten Neuzuzüger im Dorf zu haben. Im Oktober vor zehn Jahren sind wir hierhergezogen.

Hinweis: In dieser Kolumne äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

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