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Kolumne

«Landauf Landab»: Jagdtage gestohlen

Alt CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger gibt in unserer Landkolumne «Landauf Landab» eine Anekdote über den ehemaligen Gemeindeschreiber zum Besten.
Ruedi Lustenberger.(Bild: Eveline Beerkircher)

Ruedi Lustenberger.
(Bild: Eveline Beerkircher)

In unserer Gemeindekanzlei hängt ein Portrait zu Ehren des alten Kanzlers Josef Müller. Gemalt vom Künstler Christoph Aerni, blickt er authentisch und markant von der Wand. Jedes Mal, wenn ich das Bild betrachte, werden köstliche Reminiszenzen und lustige Episoden mit und über ihn wach. Es gäbe ein ganzes Büchlein her.

Ein halbes Jahrhundert lang war er Gemeindeschreiber, AHV-Stellenleiter, Steuer- und Zivilstandbeamter, Sektionschef und Notar. Land und Leute hat er gekannt wie kein Zweiter und dabei sein Wissen und seine Meinung nie versteckt. Diplomatie war seine Sache nicht, die Art, sich auszudrücken, furchtlos und direkt; das Gegenteil einer Krämerseele, grosszügig zu den Schulkindern und den Schwachen, strenger mit jenen, die nicht lupenrein in seinem Büchlein waren.

Im Herbst blieb die Kanzlei ab und zu geschlossen. Alle wissen, der Schryber ist jetzt auf der Jagd. Mehr noch als das Hundegeläut liebt er die Geselligkeit am Abend in der Jägerhütte im Enziloch. Seine Trinkfestigkeit ist bis heute legendär, die pointierten Sprüche immer noch präsent.

Fast sechzig Jahre sind es nun schon her – es war Oktober. Da musste ihn der Gemeindepräsident zur Raison mahnen. Der Kanton verlangte von den Gemeinden eine umfassende Statistik. Nur, der Zeitpunkt dazu ist denkbar schlecht. Dem Befehl des Präsidenten gehorchend, macht er sich widerwillig an die versäumte Arbeit. Das Zusammentragen der Daten beansprucht viel Zeit und Geduld, und so verpasst er bei schönstem Herbstwetter seine Passion. Den Unmut darüber hat er dann in grossen Lettern auf der Frontseite der Statistik wortgewaltig nach Luzern kundgetan: «Viel Geschrei, schaut wenig heraus, Jagdtage gestohlen!»

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