«Landauf, Landab»
Veri und das geschlossene Bauernhof-Kiöskli

In unserer Kolumne «Landauf, landab» schreibt Komiker Veri über ein Winterspaziergang mit Hindernissen.

Federico Gagliano
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Thomas Lötscher alias Veri.

Thomas Lötscher alias Veri.

Bild: PD

Sonne, Pulverschnee, Hirschwurst, meine Aussicht übers Entlebuch atemberaubend, die Ruhe himmlisch. Bis der angebrauste Familienpanzer am hart gefrorenen Schneewalm knirschend aufschlägt. Ein blondes Pippi-Zöpfli kullert auf die Eisblaatere und stolpert zum Bauernhof-­Kiöskli. Das Crash-Mami schreit «d’Chappe aleggä» hinterher und vom Beifahrerinnensitz prophezeit eine Wahrsagerin – offensichtlich das Grosi – die schlimmste Erkältung seit Menschen­gedenken, falls Söffeli dies nicht tue.

Wie sie beim Kiöskli mit der Nase an der Scheibe klebt und alles abtäplet, ist ein Schnupfen wohl nicht das Schlimmste, das Söffeli sich holen könnte. Und da meine ich jetzt nicht Coci und Chips. Das Kiöskli ist nämlich zugekettet. Wegen Corona, behauptet Mami, während sie ihre Sofia – «Söffeli» auf Städtisch – mit Desinfektionsmittel abspült. Solid gezimmert, mit Spanngurten festgezurrt. Das winzige Virüssli schafft, was keinem Sturm gelingt: Kiöskli unbrauchbar. Wäre auch schwierig, so eineinhalb Meter Abstand. In «richtigen» Verkaufsläden sind sogar zehn Quadratmeter Platz pro Person vorgeschrieben. In Seilbahnen reicht ein Drittel. Also ein Drittel vom Quadratmeter. Pro Person so viel Platz wie sechs A4-Blätter.

Söffeli versucht, die Wiedereröffnung zu erzwingen. S’Mami findet weggesperrtes Coci super, s’Grosi meine Idee: Einfach das Kiöskli an ein Wildheuerseil hängen, Seilbahn ist erlaubt. Der zufällig vorbeitraktorende Bauer klärt lachend auf: Wegen der Kälte sei es verrammelt, niemand kauft Coci-Glace in Flaschen. Logisch. Die Kälte. Oder hätten Sie diesen Kiöskli-Lockdown geglaubt? Echt?

Hinweis: Hier äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem freigewählten Thema.