Kolumne
Landauf, landab: Ranggifödle aus Sargans

Redaktorin Livia Fischer schreibt in der Kolumne «Landauf, landab» über die Sprachbarrieren als Neuling in Luzern.

Livia Fischer
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«Gemeinden Kanton Luzern», tippte ich im Februar letzten Jahres in die Suchmaschine ein; wenige Tage, bevor ich meinen neuen Job hier antrat. Als Google ausspuckte, dass es deren 80 gibt, wurde ich schon ein bisschen nervös. Als gebürtige Sarganserin hatte ich mit der Zentralschweiz bis dato nichts am Hut – verzweifelt frage ich mich, wie ich mir diese vielen neuen Orte innert kurzer Zeit bloss einprägen soll.

Rückblickend kann ich darüber nur lachen. Die wirkliche Herausforderung war nämlich nicht, die Gemeinden auf Papier zu lernen – das Gspüri dafür, wo was in etwa ist, hatte ich ziemlich schnell. Die Herausforderung war, zu verstehen, wie die Ortschaften ausgesprochen werden. Als ich in der ersten Woche nach «Eibu» geschickt wurde, verstand ich nur Bahnhof. Verwirrt schaute ich auf der Karte nach, wo dieses «Eibu» denn nur liegt. Erfolglos – so musste ich peinlich berührt meinen Chef um Hilfe bitten.

Wie aus Inwil «Eibu» wird, ist mir noch immer ein Rätsel; dass man zu Schüpfheim «Schöpfe», zu Ruswil «Rusmu» und Hochdorf «Hofdere» sagt, macht da schon mehr Sinn. Um mich bei Gesprächspartnern nicht sofort als Auswärtige zu outen, gebe ich mir grösste Mühe, die Ortschaften so auszusprechen. Trotzdem werde ich ständig darauf angesprochen, dass ich «wohl nicht von hier komme».

Auch wenn ich wohl nie als Lozärnerin durchgehen werde: Dialekttechnisch dazugelernt habe ich in diesem Jahr sehr wohl. So weiss ich jetzt etwa, was es bedeutet, wenn jemand «heepet» oder was «guene» ist – und dass ich ein «Ranggifödle» bin. Mein früheres Ich würde da nur die Stirn runzeln.

Hinweis: An dieser Stelle äussern sich Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.