LANDKINO: Kinobesitzer in Willisau: Auf Wunsch lässt er die Pause weg

Beat Bossert zeigt in seiner Cinebar in Willisau seit 18 Jahren Schweizer Filme und anspruchsvollen Kommerz. Der 52-Jährige besitzt ein Kino – ausgestattet mit vier Reihen und 61 Sitzplätzen.

Roger Rüegger
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Das Kino hat er von seinem Vater übernommen: Beat Bossert in seiner Cinebar in Willisau. (Bild: Roger Grütter (15. Mai 2017))

Das Kino hat er von seinem Vater übernommen: Beat Bossert in seiner Cinebar in Willisau. (Bild: Roger Grütter (15. Mai 2017))

Beat Bossert, wer in der Cinebar anruft, hört ab Band eine von Ihnen gemütlich vorgetragene Programmvorschau. Ist Ihr Job tatsächlich so entspannt?

Die Besucherzahl in Kinosälen hat abgenommen. 2016 wurden in der Schweiz pro Einwohner 1,6 Eintritte verkauft. Bei mir geht’s aber seit 18 Jahren stetig obsi. Das entspannt schon etwas.

Andere Kinos haben Mühe, Sie hingegen sind erfolgreich?

Beklagen kann ich mich nicht. Vor drei Jahren musste ich sogar regelmässig Leute nach Hause schicken, weil kein Platz frei war.

Bei nur 61 Sitzen in vier Reihen ist das gut möglich. Trotzdem: Was machen Sie besser als die Konkurrenz?

Die richtigen Filme zeigen.

Und welche sind das?

Mein Publikum will keine Blockbuster. Action wie «The Fast And The Furious» laufen nicht bei mir.

Das sind doch absolute Hits?

Die jungen Leute wollen diese Filme in grossen Multiplexkinos sehen. Hier funktioniert’s nicht. «Die Kinder vom Napf» waren bei mir während Wochen ein Renner. Die Nähe von Willisau zum Geschehen war entscheidend.

«Das Mädchen vom Änziloch»?

Klar! Diesen Film wollten die Leute sehen! Und derzeit läuft in der 13. Woche «Die göttliche Ordnung».

Nicht jede Woche kommt ein neuer Schweizer Film heraus. Wie füllen Sie Ihr Kino sonst?

Mit anspruchsvollem Kommerz. Derzeit läuft «Die Hütte» erstaunlich gut. Zwingend füllen muss ich den Saal nicht. Ein Dutzend Besucher pro Vorstellung reichen, damit die Unkosten gedeckt sind. Ein neuer James Bond oder Filme wie «Herr der Ringe» sind auch auf dem Land beliebt.

Was tun Sie, wenn nur ein Besucher ins Kino kommt?

Dasselbe, wie wenn der Saal voll ist. Gespielt wird immer. Ich bin ja da. Ich frage den Besucher, ob er eine Pause wünscht oder ob der Film durchlaufen soll. Wir haben auch einen kleinen Barbetrieb für Stammgäste.

Ihr Lieblingsfilm?

Aktuell bin ich auf «King Arthur» von Regisseur Guy Ritchie gespannt. Die Hauptfigur und der Zauberer Merlin interessierten mich schon immer, und den Regisseur mag ich ohnehin. Wie auch Filme der Gebrüder Coen.

Dann kann man sich «King Arthur» und Coen-Filme bei Ihnen ansehen?

Nein, das funktioniert nicht. Obwohl ich diese Produktionen liebe, nehme ich die nicht ins Programm. Es würden zu wenig Leute kommen.

Ein Dutzend? Das ist doch keine Sache.

Bringen Sie mir die Leute?

Also ist es doch nicht so einfach! Hören Sie zu 100 Prozent auf Ihr Publikum?

Nicht unbedingt. Ich muss hinter den Produktionen stehen, die ich aufführe. Einen Schrottfilm, der mir nicht passt, bringe ich nicht. Selbst wenn er rentieren könnte.

Wie rechnet sich das Kinogeschäft eigentlich?

Dem Filmverleih bezahle ich für den Film rund 200 Franken.

Das ist keine grosse Summe.

Von den Eintritten der ersten zwei Wochen bekommt der Verleiher weitere 50 Prozent. Zudem bezahlen Kinobetreiber Suisa-Gebühren, und hier in Willisau gibt es auch die Billettsteuer.

Sie haben das Kino Mohren, die heutige Cinebar, 1999 von Ihrem Vater übernommen, obwohl es nicht rentabel war. Warum?

Ich war immer gerne im Kino und habe als Jugendlicher in den Pausen Glace verkauft. Anfangs arbeitete ich in der Pflege und führte gleichzeitig das Kino. Später habe ich Kinderspielgeräte montiert. Erst 2012 stellte ich auf Digitaltechnik um, seither bin ich nur noch Kinobetreiber.

Was gab Ihnen den Impuls, sich ganz dem Kino zu widmen?

Im Jahr 2011 wurde mir der mit 10 000 Franken dotierte Lebensraum-Preis für kreative Kulturschaffende auf dem Land verliehen. Dadurch öffneten sich Türen. Es kamen Institutionen auf mich zu, die mir die Umstellung ermöglichten. Zuvor fragte ich an diversen Stellen um kulturelle Beiträge an. Es hiess immer, ein Landkino sei zu wenig Kultur.

In Landkinos ging man früher zur Nachtvorstellung – in der Hoffnung, unerkannt zu bleiben. Hab ich gehört. Gab’s bei Ihnen Nocturne-Filme?

Sie meinen Füdlifilme? Nein, die hatte ich nie im Programm.

Was macht ein Landkinobetreiber den ganzen Tag?

Stellen Sie sich vor, wie der Raum nach einer Kindervorstellung aussieht. Ich verkaufe viel Popcorn. Im Saal ist nach einer Vorstellung tiefster Winter, das ganze Jahr hindurch schneit es. Zudem stelle ich das Programm zusammen, mache Buchhaltung, bestelle Essen und Getränke, Glace, Gummibärchen und ...

... schon gut. War nur Spass. Was mich ärgert, sind Leute, die während des Films an ihren Handys herumdrücken. Gibt’s das auch bei Ihnen?

Habe ich schon beobachtet. Etwa Eltern bei der Kindervorstellung.

Könnte man einen Störsender anbringen, sodass die Handys keinen Empfang haben.

Das wollte ich. Das ist aber nicht erlaubt. Der Empfang im Kinosaal muss gewährleistet sein.

Welches war der erste Kinofilm, den Sie gesehen haben?

«Ben Hur», als kleiner Knirps. Die Handlung habe ich nicht begriffen, aber ich weiss noch, dass ich Sanagol gegessen habe und dass mein Hintern schmerzte ...

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch