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Gastkommentar

Landschaftsbau statt Städtebau: Unser Gastbeitrag zur Stadtentwicklung

Warum Stadt und Land eigentlich Städtebaulich zum gleichen System gehören. Ein Gastbeitrag zur Stadtentwicklung.
Dieter Geissbühler
Die Stadtentwicklung sollte auch die Umgebung miteinbeziehen. (Bild: Roger Grütter, Luzern, 30. April 2019)

Die Stadtentwicklung sollte auch die Umgebung miteinbeziehen. (Bild: Roger Grütter, Luzern, 30. April 2019)

Dieter Geissbühler Bild: PD

Dieter Geissbühler Bild: PD

Immer wieder wird er in der politischen Diskussion hervorgehoben, der Graben zwischen Stadt und Land. Erstaunlicherweise scheint er bis heute kaum an Bedeutung verloren zu haben und wirkt sich auch auf die Diskussion um das Bauen aus: Die Vorstellung ist weit verbreitet, dass dieses entweder städtisch oder dörflich sei, dass sich Bauten also deutlich darin unterscheiden, ob sie dem Dorf (oder gar einer Nichtbauzone) zugehören oder der Stadt.

Es ist eine Tatsache, dass heute die Mehrheit der Bevölkerung in Städten lebt und diese Entwicklung weiter anhalten wird. Rein quantitativ dominiert deshalb auch beim Bauen das Städtische. Es hindert uns als Gesellschaft aber an einer wirklich nachhaltigen Auseinandersetzung mit den aktuell brennenden Themen, wenn hier nicht eine Ausgewogenheit gefunden werden kann. Denn in dieser Sichtweise schliesst die Stadt das Land aus, sie bleibt weiterhin in zu vielen Denkmustern unserer Gesellschaft vom Bollwerk der Stadtbefestigung umschlossen, wenn auch physisch die meisten Stadtmauern entfernt worden sind.

Notwendig ist aber eine Erweiterung der Perspektive: Stadt und Land sind Teil desselben Systems. Darin stehen Städte in permanenter Interaktion mit der umgebenden Landschaft. Gerade Luzern als Region ist ein Paradebeispiel der immensen Bedeutung der Interaktion von Stadt und Land. Was wäre die Stadt ohne den Vierwaldstättersee, ohne Rigi, Pilatus und alle weiteren Hausberge entlang dem See. Luzern, aber auch die meisten anderen Siedlungen am Vierwaldstättersee, bieten sozusagen die Zuschauertribünen für Bewohner wie Besucherinnen.

In diesem Sinne hätte ein stärker landschaftsorientiertes Denken der Hilflosigkeit im Umgang mit den Freiräumen in den Verdichtungsgebieten Abhilfe schaffen können, so zum Beispiel beim Mattenhof oder beim Schweighof in Luzern Süd, allenfalls sogar mit dem Einbezug privater Aussenräume an Hochhäusern wie dem neuen Turm im Zentrum von Horw.

Andererseits wäre es durchaus wünschenswert, wenn eher städtisches Denken bei der Platzierung und der Gestaltung der neuen, riesigen Laufställe eines modernen Bauernbetriebes miteinbezogen würde.

Städtebau ist ein Fachbegriff der Planer und Architekten und meint eigentlich die wohlbedachte Planung beim Bau von Besiedlungen. Das heisst, es müsste wohl ab zwei Häusern davon die Rede sein – allenfalls schon bei einzelnen Bauwerken. Vielleicht ist dies jedoch der falsche Begriff, denn so dominiert weiterhin die Stadt. Was hier geplant wird, ist jedoch die Qualität unseres Lebensraumes. Ich schlage deshalb vor, diese Tätigkeit Landschaftbau zu nennen, denn die Stadt bleibt ohne die Landschaft ziemlich einsam.

Hinweis. Dieter Geissbühler ist Dozent am Kompetenzzentrum Typologie und Planung in Architektur der Hochschule Luzern. Einmal im Monat äussern sich Professoren des Departements zu städtebaulichen Themen des Kantons Luzern Ihre Ansichten müssen nicht jener der Redaktion entsprechen.

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