LANDWIRTSCHAFT: Bauern brauchen nach Frost Nothilfe

Etliche Bauernbetriebe rechnen nach dem Kälteeinbruch vom April mit Ernteausfällen und dadurch auch mit erheblichen finanziellen Einbussen. Der Kanton Luzern steht Betroffenen mit Sofortmassnahmen zur Seite.

Roger Rüegger
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Ein Landwirt zeigt die Frostschäden an seinen Reben. (Bild: Reto Martin)

Ein Landwirt zeigt die Frostschäden an seinen Reben. (Bild: Reto Martin)

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Nach einem sonnigen Start in den Frühling mit einer herrlichen Blütenpracht, sieht die Zukunft für einige Obst- und Weinbauern im Kanton Luzern düster aus. Der verheerende Frost im April bringt einige Bauern in eine finanzielle Notsituation.

Laut der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern (Lawa) ist jetzt schon klar, dass einige Betriebe so stark betroffen sind, dass sie vor Liquiditätsengpässen stehen werden. «Der Bund prüft aktuell diverse Massnahmen zur Milderung der auf einzelnen Betrieben entstandenen Notsituationen», teilte das Lawa gestern mit.

Auswirkungen sind erst im Herbst absehbar

Der Kanton Luzern steht den betroffenen Betrieben nun mit Sofortmassnahmen zur Seite. Dies geschieht durch die Landwirtschaftliche Kreditkasse. Im Vordergrund stehen dabei das Aussetzen für ein Jahr der Tilgung von Investitionskrediten und die Gewährung von zinslosen Betriebshilfedarlehen. Wie viel Nothilfe benötigt wird, ist laut Thomas Meyer, Leiter Abteilung Landwirtschaft beim Lawa, zur Zeit schwer abschätzbar. «Die effektiven Auswirkungen der Ernteausfälle sind erst im Herbst bezifferbar. Die bisherigen Kontakte mit den Betroffenen zeigen, dass diese mit der Stundung der Abzahlung der Investitionskredite vorerst zufrieden sind und die unbürokratische Abwicklung sehr schätzen.»

Bis Ende Mai seien fünf Gesuche für Stundung der Abzahlung der Investitionskredite eingegangen. Gesuche für Betriebshilfedarlehen seien noch keine gestellt worden. Die geschätzten Frostschäden und der Ernteausfall im Kanton Luzern sind je nach Spezialkultur verschieden. Am stärksten betroffen ist das Brennobst mit einem Ausfall von 80 Prozent. Ebenfalls eine hohe Einbusse verzeichnen die Produzenten von Äpfeln und Kirschen mit 75 Prozent. Bei den Birnen schlägt der Schaden mit 70 Prozent zu Buche. Bei den Reben und Mostobst schätzt man einen Ausfall von 50 Prozent und bei Beeren rechnet man mit 20 Prozent.

Der Ertragsausfall liegt zwischen 15 und 20 Millionen Franken. Die Schäden haben unterschiedliche Gesichter. «Bei den Reben sind die ausgetriebenen Knospen erfroren. Erst nach der Blüte, ab Ende Juni, zeigt sich genauer, wie die Situation im Rebbau aussieht», so Meyer. Bei den übrigen Kulturen seien die Blüten oder bereits schon die jungen Früchte erfroren.

Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes (LBV), spricht von einer aussergewöhnlichen Situation. Er räumt jedoch ein, dass man solche klimatischen Bedingungen im Bereich Obst- und Rebbau ein Stück weit einplanen müsse. «Wie sehr sich die Schäden insgesamt auswirken, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig abzuschätzen. Es zeichnet sich erst im Sommer und gegen Herbst bei der Ernte ab, wie sehr die einzelnen Betriebe davon betroffen sind», so Lütolf. Die kursierenden Zahlen von den Schäden seien nur Durchschnittswerte.

Dass durch Frostschäden und daraus entstehende Ernteausfälle Betriebe in ihrer Existenz bedroht seien, glaubt Lütolf nicht. Er könne sich aber vorstellen, dass besonders für jüngere Betriebsleiter ein solches Ereignis wie in diesem Frühling finanziell schwieriger zu überstehen sei als für Betriebsleiter, die zehn und mehr Jahre im Bereich Spezialkulturen erfolgreich tätig sind.

Hoffnung, mit einem blauen Auge davonzukommen

Es zeichne sich bei einigen Obstbauern sogar ab, dass die Lage weniger bedrohlich ist, als ursprünglich angenommen, und man trage die Hoffnung, mit einem blauen Auge davonzukommen. Der Umfang der Nothilfe ist laut Meyer abhängig von den finanziellen Reserven der betroffenen Betriebe. Für die Obstbauern werden die finanziellen Einbussen im laufenden Jahr sichtbar. Für die Rebbauern im nächsten oder im übernächsten Jahr. Die zinslosen Betriebshilfedarlehen der Landwirtschaftlichen Kreditkasse können unabhängig vom fehlenden Budget des Kantons ausgerichtet werden.