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LANDWIRTSCHAFT: Bauern kommen zusehends ans Limit

Immer weniger Bauernhöfe: Der Trend geht weiter. Die einzelnen Beriebe werden im Durchschnitt grösser. Familienunternehmen sind zunehmend schwieriger zu bewirtschaften.
Es gibt immer weniger Bauernhöfe (Symbolbild). (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Es gibt immer weniger Bauernhöfe (Symbolbild). (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Mitte August wird es wieder so weit sein. Das Bundesamt für Statistik publiziert dann die jüngsten Zahlen der Bauernbetriebe in der Schweiz, aufgeteilt nach Kantonen und Regionen. Gemäss einem Bundesstatistiker zeichnet sich fürs Jahr 2014 keine Trendwende ab. Es ist also davon auszugehen, dass der Rückgang wie in den vergangenen Jahren bei rund 1,5 Prozent liegt. Für die Zentralschweiz bedeutet dies, dass im Vergleich zum Vorjahr rund 130 Landwirtschaftsbetriebe vom Markt verschwanden. Seit 2005 liegt der Verlust sogar bei 1165 Höfen.

Hängt ein Bauer seinen Beruf an den Nagel, wird Land frei. Benachbarte Unternehmer pachten oder kaufen danach in der Regel diese frei gewordenen Flächen und vergrössern damit ihren eigenen Betrieb. Diese Entwicklung zeigt je länger je mehr ihre Schattenseiten. André Rüttimann, Geschäftsführer des Zuger Bauernverbandes, äussert sich kritisch: «Je grösser der Hof, desto stärker nimmt die Arbeitsbelastung zu. Bauern, die ihren Betrieb oft allein oder zusammen mit der Familie bewirtschaften, stossen an ihre Grenzen. Immer mehr geht auf die Dauer nicht.»

Isolierte Alleinbewirtschafter

Kapital ersetzt Arbeit, Maschinen die Handarbeit. Das führt auch in der Landwirtschaft zwar zu einer Steigerung der Produktivität. Sandra Helfenstein, Leiterin Kommunikation beim Schweizer Bauernverband, sieht darin nicht nur Vorteile: «Je grösser die Fläche ist, welche ein Bauer bewirtschaftet, desto weniger kann er Rücksicht nehmen auf die Feinheiten der örtlichen Begebenheiten auf seinem Hof.» Das betrifft zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit oder die Topografie.

Stefan Heller ist Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes. Durch das Wachsen der Betriebsgrössen steige, so Heller, der Druck auf viele Betriebsleiter. «Vielerorts schmeisst ein Bauer seine Liegenschaft im Alleingang. Das führt auch zusehends zur Isolation.» So fuhren die Landwirte früher ihre Milch ein- bis zweimal pro Tag in die Käserei und konnten sich dabei kurz mit Berufskollegen austauschen. Diese sozialen Kontakte entfallen heute vielerorts. Der Gang in die Molkerei wird durch Tanklastwagen ersetzt, die die Milch direkt auf den Höfen abholen.

Schwieriger Trend

Auch in den Bergregionen geht der Trend hin zu immer grösseren Betrieben. Im steilen Terrain können Maschinen die Handarbeit nur bedingt ersetzen. Gemäss Alois Brand, Präsident des Urner Bauernverbandes und in Spiringen selber als Berglandwirt tätig, ist die Arbeitslast auf Höfen mit 30 oder 40 Hektaren im stotzigen Gelände der Alpen und Voralpen für Familienbetriebe kaum mehr zu bewältigen. Dieser Meinung schliesst sich Hansueli Keiser, Präsident des Nidwaldner Bauernverbandes, an. Er sagt: «Die Landwirte kommen an ihre Leistungsgrenze.» Von diesem Trend könnte die nachfolgende Generation abgeschreckt werden, was dazu führen könnte, dass sie sich von der Landwirtschaft zunehmend abwendet. Die Folgen wären gravierend. Bauernbetriebe blieben verwaist. Das Land vergandet, wird von Büschen und Bäumen überwachsen. Alois Brand sagt: «Solche Gebiete sind dereinst für den Tourismus nicht mehr interessant.» Und führe generell zum Verlust von Kulturland, wie Christoph Bamert, Präsident der Bauernvereinigung des Kantons Schwyz, anfügt.

Sinkende Preise

Ist der Rückgang der Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz zu bremsen oder gar zu stoppen? Dies hängt nach Meinung von Bamert auch damit zusammen, wie die Agrarpolitik in Zukunft gestaltet wird. Aber auch der Markt spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Die Zentralschweizer Landwirtschaft ist traditionell stark auf die Milchproduktion ausgerichtet. Dieses Geschäft bereitet der Branche aber derzeit grosses Kopfzerbrechen. Denn die Milchpreise kennen derzeit nur eine Richtung – jene nach unten.

Gemäss Carol Aschwanden, Leiterin Kommunikation der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten, lag der letzte offiziell erhobene Durchschnittspreis pro Kilo Milch im Einzugsgebiet bei 56,2 Rappen. Und das für einen Betrieb, der im Jahresdurchschnitt 180 000 Kilo produziert. Zum Vergleich: Letztes Jahr stand dieser Wert noch bei 65,7 Rappen. Im Jahr 2005 waren es sogar 70,5 Rappen.

Massive Auswirkungen

Angesichts dieser Entwicklung überlegen sich viele Milchbauern aus diesem Markt auszusteigen und zum Beispiel auf Mutterkuhhaltung umzustellen. Das ist aber einfacher geschrieben, als in der Praxis umgesetzt. Jede Art von Landwirtschaft ist mit teils enormen Investitionen verbunden. Knall auf Fall von einem Segment ins andere zu wechseln, ist für die meisten Bauern daher keine Option. Aschwanden hegt Befürchtungen: «Bleiben die Milchpreise noch lang so tief, wird das massive Auswirkungen haben.» Sprich, das sogenannte Bauernsterben dürfte sich beschleunigen. Noch hegt Aschwanden aber Hoffnung: «Dieses Jahr werden die Bauern noch durchhalten.» Dies dank Reserven, die aufgrund des guten Marktpreises letztes Jahr vielerorts gebildet werden konnten.

Thomas Heer

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