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LANDWIRTSCHAFT: Grösse der Luzerner Schafpopulation ist unklar

Gemäss den Zahlen des Bundes nimmt die Schafpopulation in der Schweiz rapide ab. Ein Blick auf den Kanton Luzern zeichnet jedoch ein anderes Bild. Der Bund soll nun Klarheit schaffen.
Ismail Osman
Luzerns Schafpopulation hat im vergangenen Jahr zugenommen. Blick in den Stall des Sörenberger Schafhalters Werner Wicki. (Bild: Pius Amrein (Flühli, 25. Februar 2018))

Luzerns Schafpopulation hat im vergangenen Jahr zugenommen. Blick in den Stall des Sörenberger Schafhalters Werner Wicki. (Bild: Pius Amrein (Flühli, 25. Februar 2018))

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Auf den ersten Blick sprechen die Zahlen eine klare Sprache: In der Schweiz gibt es immer weniger Schafe. Das Bundesamt für Statistik (BFS) registrierte vergangenes Jahr noch 311'044 Schafe – eine Abnahme von rund 10,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2015. Auch auf kantonaler Ebene zeigen die Zahlen des Bundes bei der Entwicklung der Schafbestände einen Trend gegen unten auf.

Wer nun nach den Gründen für die schwindende Schafpopulation sucht, stösst nicht auf ­einfache Antworten wie etwa «fehlende Wirtschaftlichkeit», «Angst vor dem Wolf» oder ähnlich Griffiges. Stattdessen muss die Aussagekraft der Zahlen aus Bern hinterfragt werden.

Gemäss der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) des Kantons Luzern hängt ein Teil der Abnahme auch mit Änderungen bei der Erfassungsmethode zusammen. «Zudem werden vom BFS nicht alle Schafe erfasst, weil ein Stichtagsprinzip angewendet wird. Stichtag ist der 1. Januar. Dadurch werden Lämmer, welche im Frühling geboren und bereits nach dem Sommer geschlachtet werden, nicht in der Statistik erfasst», sagt Heinrich Wachter, Fachbearbeiter Direktzahlungen beim Lawa.

Längst nicht alle Schafe werden vom Bund registriert

Der Blick auf die Erhebungsnormen des Bundes zeigt zudem, dass das BFS nur Schafe erfasst, die sich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb befinden. Um als landwirtschaftlicher Betrieb zu gelten, müssen gewisse Kriterien in Bezug auf Grösse und Produktion erfüllt sein. Dies führt dazu, dass längst nicht alle Schafe in der Bundesstatistik registriert werden, welche vom Kanton erhoben werden. Darunter etwa Tiere der Hobbybetriebe und aus Kleintierhaltungen.

Zur Illustration: 2016 betrug die Zahl aller vom Kanton Luzern registrierter Schafe 17'555. Bereinigt nach den Erhebungskriterien des Bundes, waren es noch 15'106 Schafe – also über 2400 Tiere weniger. Im vergangenen Jahr ist die Zahl aller im Kanton Luzern registrierten Schafe sogar auf 18'253 gestiegen. Bei solchen Diskrepanzen stellt sich die Frage nach der Aussagekraft und dem Sinn der BFS-Zahlen. Das Bundesamt für Landwirtschaft kommentiert die BFS-Zahlen auf Anfrage jedenfalls nicht.

Der Sörenberger Werner Wicki ist Geschäftsführer des Produzentenverbandes Zentralschweizer Lamm und zudem im Schweizerischen Schafzuchtverband aktiv. Auch er hinterfragt die vermeintlich negative Entwicklung bei den Bestandszahlen. «Gerade in unserer Branche wäre Transparenz bei den Zahlen wichtig – insbesondere in Bezug auf die Herkunft der Tiere.» Gemäss Wicki sind rund 65 Prozent des in der Schweiz erhältlichen Lammfleisches importiert (rund 6500 Tonnen).

«Mehr denn je will der Konsument heute aber wissen, von wo sein Fleisch stammt und welche Qualitätsansprüche damit verbunden sind», sagt Wicki. «Mit der Digitalisierung kommen sich Landwirt und Konsument immer näher. Mit der Rückverfolgbarkeit der Produkte können wir uns von der ausländischen Billigware abheben.» Die Lösung ist für Wicki klar: Anlog zum Rind müssten auch Schafe konsequent in der Tierverkehrsdatenbank registriert werden. Konkret: Alle Geburten, Standortwechsel und Schlachtungen müssten eingetragen werden. Bei Schafen ist heute lediglich die Identität registriert.

Kanton ist gegen Ausbau von Datenbank

Wickis Wunsch könnte sich bald erfüllen: Auf Bundesebene hat Andreas Aebi (SVP, Bern) den Ball aufgenommen und hat den Bundesrat per Motion aufgefordert, die Vorgaben für Schafe in der Tierverkehrsdatenbank entsprechend anzupassen. Aebis Motion wurde vom Bundesrat und in der Folge auch Nationalrat gutgeheissen. Das Geschäft muss nun noch vom Ständerat pro forma behandelt werden.

Interessant: Der Veterinärsdienst des Kantons Luzern ist gegen den Ausbau der Tierverkehrskontrolle für Schafe und Ziegen. Dies ist seiner Stellungnahme zu einer Vernehmlassung des Bundes vom vergangenen Jahr zu entnehmen. Diese betraf Änderungen von Verordnungen im Veterinärbereich, welche unter anderem auch den Ausbau der Tierverkehrskontrolle für Schafe vorsah.

In der Luzerner Stellungnahme heisst es auch: «Den Tierhaltenden und insbesondere auch den Vollzugsbehörden werden wegen der Hobbybetriebe im administrativen Bereich erhebliche neue Aufwände beschert.» Es sei zudem zwingend eine strategische Überarbeitung des gesamten Systems bezüglich des Tierverkehrs notwendig.

Schafswolle schon lange nicht mehr wirtschaftlich

Ungeachtet der Widersprüche bei den Zahlen: Werner Wicki sagt unumwunden, dass die Schafhaltung eine harte Branche ist. «Diese Tiere sind mit viel Arbeit verbunden. Wir kämpfen etwa seit vielen Jahren gegen die Ausbreitung der Grossraubtiere und die importierte Krankheit Moderhinke.» Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte und hochansteckende Erkrankung der Klauen. «Die Krankheit ist weit verbreitet, was Resistenzen zur Folge hat.» Hinzu kommt, dass die Schafswolle schon lange nicht mehr profitabel ist. «Das Kilo Wolle bringt 80 Rappen, der Scherer kostet aber 7 bis 8 Franken pro Schaf.»

Trotzdem sieht Werner Wicki, der rund 300 Schafe hält, der Zukunft des Nutztieres Schaf positiv gegenüber: «Der Lammfleischkonsum hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt», sagt Wicki. Dies auch dank einer gewachsenen muslimischen Bevölkerung, deren Küche mehr Lammfleisch beinhaltet.»

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