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LANDWIRTSCHAFT: Guter Alpsommer geht zu Ende

Letztes Jahr war der Alpsommer sehr nass, heuer heiss und trocken. Dennoch sind die Älpler zufrieden – auch wenn das Wasser zeitweise knapp war.
Reto und Silvia Theiler mit ihren Kindern Nick (auf Traktor), Melina und Baby Katia, fotografiert am Donnerstag auf der Alp Äbnistetten bei Hasle. Tochter Lisa fehlt (im Kindergarten). (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Reto und Silvia Theiler mit ihren Kindern Nick (auf Traktor), Melina und Baby Katia, fotografiert am Donnerstag auf der Alp Äbnistetten bei Hasle. Tochter Lisa fehlt (im Kindergarten). (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

In gut drei Wochen ist es wieder soweit. Dann kommen die Älpler mit ihren Tieren von den Alpen zurück ins Tal. Wie jedes Jahr wird die Entlebucher Alpabfahrt – heuer am 26. September – ausgiebig gefeiert (siehe Kasten).

Für den grossen Tag beginnen die sieben daran beteiligten Älplerfamilien bereits jetzt mit den Vorbereitungen. Ein guter Zeitpunkt, um auf den Alpsommer 2015 zurückzublicken. Dieser war das komplette Kontrastprogramm zum letztjährigen Sommer. Herrschten vor einem Jahr fast durchgehend äusserst nasse Bedingungen, die einige Landwirte zu einem früheren Alpabzug zwangen, mussten sich die Älpler und Tiere dieses Jahr mit Hitze und Trockenheit arrangieren.

Tanklastwagen brachten Wasser

«Die grösste Herausforderung war es, Wasser zu sparen, denn es war zeitweise schon ziemlich knapp», sagt Silvia Theiler-Steger (36). Mit ihrem Mann Reto (38) und ihren vier Kindern im Alter zwischen sieben Monaten und sechs Jahren verbringt sie den Sommer jeweils auf 1250 Metern Höhe auf der malerischen Alp Äbnistetten auf dem Gemeindegebiet von Hasle. «Da wir zum Käsen viel Wasser brauchen, mussten wir anderweitig damit sehr sparsam umgehen», erklärt die Bäuerin. Das bedeutete, dass nicht an mehreren Orten gleichzeitig Wasser verbraucht werden durfte. «Man musste genau überlegen, wie man alles, was Wasser braucht, aneinander vorbeibringt», so Silvia Theiler. Dennoch habe man auf der Alp Äbnistetten diesbezüglich Glück gehabt. «Auf Nachbaralpen musste teilweise Wasser mit dem Tanklastwagen zugeführt werden.»

In der 2011 neu erbauten Alphütte mit Alpsennerei stellen die Theilers aus der Milch von 40 Kühen Alpkäse, Butter und Rahm her. Zum Tierbestand zählen neben Kühen, Rindern und Kälbern auch Schweine, Gänse, Hühner, Enten, Katzen, zwei Hunde, Meerschweinchen, Kaninchen, ein Pony und ein Esel.

Für Silvia Theiler ist es mittlerweile der siebte Alpsommer hier und «für mich bisher der trockenste und heisseste, den ich erlebt habe».

Kühe gaben sogar mehr Milch

Die Hitze und Trockenheit hatte zur Folge, dass das Gras nicht mehr so schnell wuchs. «Die Kühe haben anders gefressen als sonst, sie waren überwiegend in der Nacht aktiv und weniger tagsüber. Weil die Tiere durchgängig trocken gewachsenes Gras fressen konnten, gaben sie sogar mehr Milch als im Vorjahr», erklärt Silvia Theiler. Das warme Wetter habe also auch Vorteile. «Man steht am Morgen lieber auf, als wenn es regnet, und man kann sich die Arbeit gut einteilen, weil man es mit dem Heuen viel ruhiger nehmen kann, als wenn es viel regnet.» Und auch für die Tiere sei das warme, schöne Wetter angenehmer als Dauerregen, ist sie überzeugt. Zudem gebe es weniger Trittschäden im Gelände. Mit der Menge an Gras habe es trotz wenig Regen gereicht.

Auch auf der Alp Schlacht ob Sörenberg konnte man sich mit dem heissen Sommer gut arrangieren. Niklaus Epp (65) käst seit 1969 und betreibt mit seiner Frau Martha (61) neben einer Schaukäserei die älteste Alpkäserei im Kanton Luzern, die bereits im 14. Jahrhundert erwähnt wurde. Epps bestossen die Alp mit 40 Kühen und 30 Rindern.

«Wir sind glücklicherweise in einem Gebiet, wo es öfters einen Platzregen gibt, daher war es hier mit der Trockenheit nicht so schlimm», sagt Niklaus Epp. Auch werde die Alp von einer sehr guten Quelle gespeist. «Damit waren wir mit Wasser im Vergleich zu anderen Gebieten relativ gut bedient.» Zwar räumt er ein, dass bei lange andauernder Trockenheit weniger Gras wachse. «Dafür hat es aber einen höheren Nährstoffgehalt, was sich auf die Milch wieder positiv auswirkt.» Darum sei heuer die Ausbeute nicht schlecht. «Ich habe selber gestaunt, wie gut es ging», sagt Epp. Weil es zudem oft heiss, aber nicht schwülwarm und feucht war, gab es laut Epp auch nicht so viel Ungeziefer, sprich Fliegen und Bremsen, die das Vieh plagten. «Die Tiere können sich den klimatischen Bedingungen sehr gut anpassen. In der grössten Hitze sind sie jeweils im Stall und in der Nacht draussen.»

«Beobachten und anpassen»

Epp käst seit 1969, die Alpkäserei Schlacht wird aber bereits im 14. Jahrhundert erwähnt. Ob das Wetter nun lang anhaltend kühl und nass oder heiss und trocken sei: «Die Alpwirtschaft ist eine Sache der Beobachtung und Anpassung. Man muss es immer so nehmen, wie es kommt.»

Alpabfahrt mit 250 Tieren

Programmred. Die Entlebucher Alpabfahrt findet am Samstag, 26. September, statt. Sieben Älpler-Familien brechen frühmorgens mit über 250 blumengeschmückten Tieren für einen mehrstündigen Fussmarsch in ihre Talliegenschaften auf. Um 7.30 Uhr startet der Alpabzug in Sörenberg, um 9.30 Uhr ab Äbnistetten, Hasle. Um 10 Uhr ist der Durchmarsch in Flühli geplant. Zur selben Zeit beginnen der Käse- und Regionalproduktenmarkt und die Eröffnung der Beizli in Schüpfheim. Ab 11 Uhr wird der Einzug der Älplerfamilien in Schüpfheim erwartet.

Um zirka 12.30 Uhr treten der grosse Gesamtchor der Jodler und Jodlerinnen sowie Alphornbläser auf dem Dorfschulhausplatz auf. Um 16.30 Uhr endet der Käse- und Regionalproduktenmarkt. Die Älplerchilbi dauert von 10.30 bis 19 Uhr.

Erstmals verkehrsfreies Zentrum

Erstmals ist das Zentrum von Schüpfheim von 10.45 bis 16.30 Uhr für den Verkehr gesperrt. Die Organisatoren empfehlen, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen. Die Anzahl Parkplätze ist beschränkt.

Hinweis www.alpabfahrt.ch

Susanne Balli

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