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LANDWIRTSCHAFT: Im Laden purzeln die Preise für Schweinefleisch

Ein Grossverteiler macht derzeit mit extrem günstigem Schweinefleisch von sich reden. Was bei Konsumenten gut ankommt, ist für Bauern eine heikle Gratwanderung.
Evelyne Fischer
Susanne Betschert ist Betriebsleiterin auf dem Wiggerhof in Altishofen. Bild: Corinne Glanzmann (Altishofen, 6. Oktober 2016)

Susanne Betschert ist Betriebsleiterin auf dem Wiggerhof in Altishofen. Bild: Corinne Glanzmann (Altishofen, 6. Oktober 2016)

35 Kilogramm Schweinefleisch, grob zerlegt, für 6.95 Franken das Kilo: Derzeit wirbt Coop mit dem «Metzger-Hit». Die Schweinehälften mit Stotzen, Schulter, Speckseite, Hals und Carré gibts auch portioniert – für 8.50 Franken das Kilo. «Gerade in Zeiten mit tiefen Preisen für Schweinefleisch bieten wir solche Aktionen an», sagt Mediensprecherin Andrea Bergmann. «Mit dem Absatz sind wir zufrieden. Konkrete Zahlen kommunizieren wir nicht.»

In den letzten Monaten kam es in dieser Sparte zu einem regelrechten Preissturz: Ende Juli erhielten Bauern für 1 Kilo Schlachtfleisch 4.30 Franken, eine Woche später 20 Rappen weniger. Dann sank der Erlös innert dreier Wochen auf 3.60 Franken. Auf diesem Niveau stagniert er nun seit Ende August. Die Grossverteiler reagierten: Coop gab die Preissenkungen «wöchentlich» an die Konsumenten weiter. Auch die Migros-Kundschaft profitierte vom Preisvorteil. Migros Luzern bietet ebenfalls Schweinehälften an – 35 Kilogramm, für 8.50 Franken das Kilo. Das ganze Jahr über.

Ende der Grillsaison drückt auf die Preise

Luzern ist ein Schweinekanton: Mit rund 431 400 Tieren hat er national die Nase vorn. Über ein Drittel des Schweizer Schweinebestands lebt in Luzerner Ställen. Dass sich im Herbst deren Fleisch in der Kühltheke stapelt, sei für Bauern keine Überraschung, sagt Meinrad Pfister, Zentralpräsident des Branchenverbands Suisseporcs und Besitzer eines Schweinezuchtbetriebs in Altishofen. «Meist purzeln die Preise, wenn die Grillsaison endet.» Im Herbst seien durch die saisonalen Fruchtbarkeitsschwankungen der Sauen mehr schlachtreife Schweine auf dem Markt. «Das sorgt zusätzlich für ein grösseres Fleischangebot.» Konkurrenz erhalte das Schwein derzeit auch vom Wild.

Es sei begrüssenswert, dass der Absatz von Schweinefleisch nun über Aktionen angekurbelt werde. «Der Kunde ist sehr preissensibel. Solche Aktivitäten verhindern, dass sich auf der Angebotsseite Stau bildet.» Grossverteiler und Produzenten müssten hier am gleichen Strick ziehen. «Wir bieten Hand für Preisabschläge, fordern als Gegenleistung aber Aktionen.» Erfreulicherweise seien die Preisabschläge «relativ schnell» weitergegeben worden. «Doch es ist eine Gratwanderung. Können wir den Kunden nur noch mit tiefen Preisen locken, ist dies für das Image nicht förderlich.»

Die Durststrecke ist für Bauern hart: «Mit 3.60 Franken können Schweinezüchter nicht kostendeckend arbeiten», sagt Pfister. «Langfristig fehlt das Geld für Investitionen. Zukunftsgerichteten Betrieben schlägt dies auf die Motivation. Das gibt mir zu denken. Denn werfen diese das Handtuch, hören die falschen auf.» An der misslichen Situation dürfte sich vorerst nichts ändern. Bei einem Selbstversorgungsgrad von aktuell 96 Prozent sei das Angebot zu gross und die Produzentenpreise tief. Und trotzdem ist die Produktionsbereitschaft bei Schweinehaltern gross. «Wohl auch mangels Alternativen.» Doch erst wenn der Wert wieder unter 94 Prozent sinke, erziele man kostendeckende Preise.

Auch Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bauernverbands, beobachtet die Entwicklung. «Der Schweinezyklus dauerte früher drei Jahre. Nun spielt er sich während 365 Tagen ab.» Dennoch höre er Landwirte nicht jammern. «Dank dem Grenzschutz spielt hier der Markt. Das ist in der Hochpreisinsel Schweiz ein zentrales Argument für die Schweineproduktion.» Dass man daran festhalte, sei auch darin begründet, dass viele Schweinehalter in den letzten Jahren «stark investiert» hätten. Die Anzahl Betriebe schweizweit sank zwar – von 7045 im Jahr 2014 auf 6865 im Jahr 2015. Mit knapp 1,5 Millionen Schweinen blieb die Anzahl Tiere allerdings konstant. Für Lütolf ist klar: «Kurzfristig können Aktionen den Absatz fördern. Mittel- und längerfristig muss Schweinefleisch aber schlicht attraktiver werden. Hier braucht es kreative Ansätze bei der Vermarktung.»

Schweinefleisch-Konsum geht konstant zurück

Dessen ist sich Suisseporcs bewusst. «Wir arbeiten an der Imageverbesserung und Absatzförderung. Der Konsum ist konstant leicht rückläufig», sagt Meinrad Pfister. Über die Hälfte des Schweizer Schweinefleisches stamme von Tieren aus Label-Produktion und besonders tierfreundlicher Haltung. «Dies müssen wir stärker ins Bewusstsein der Konsumenten rücken.»

Evelyne Fischer

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