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LANDWIRTSCHAFT: Immer mehr Luzerner Bauern setzen auf Bio

Seit 25 Jahren organisieren sich die Luzerner Biobauern in einem Verein. Dessen erster Präsident war Josef Meierhans. Damals kämpften er und seine Mitstreiter noch um Akzeptanz. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert.
Roseline Troxler
Josef Meierhans, der erste Präsident von Bio Luzern, auf seinem ehemaligen Bauernbetrieb. (Bild: Pius Amrein (Eschenbach, 31. März 2017))

Josef Meierhans, der erste Präsident von Bio Luzern, auf seinem ehemaligen Bauernbetrieb. (Bild: Pius Amrein (Eschenbach, 31. März 2017))

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Josef Meierhans war erst 25-jährig, frisch verheiratet und neuer Pächter, als er sich dafür entschied, seinen Bauernbetrieb in Eschenbach umzustellen. «Ich war ein Exot, damals gab es im Kanton nur gerade sieben Bio­betriebe», sagt Meierhans rückblickend. Seither ist ein halbes Jahrhundert vergangen, und im Kanton Luzern setzen bald 8 Prozent der Landwirte auf Biolandbau (siehe Grafik).

Der heute 75-Jährige bereut seinen damaligen Entscheid nicht. Zu den Gründen sagt er: «Meine Mutter ist schuld, dass ich mich für Bio entschieden habe.» Sie habe den Gemüsegarten nach biologischen Kriterien bewirtschaftet. So hat sich Meierhans in jungen Jahren mehr und mehr für diese Anbauart interessiert und sich schliesslich dafür begeistern lassen.

Geeignete Maschinen waren Mangelware

Die ersten Jahre waren nicht einfach. Es gab viele offene Fragen, die Arbeit war beschwerlich, weil es an geeigneten Maschinen fehlte. «Wir mussten damals so einige ‹Lehrblätz› machen», sagt Meierhans im Rückblick. So sei es zu Beginn schwierig gewesen, des Unkrauts Herr zu werden. Umso wichtiger war da der Austausch mit anderen Biobauern. «Einmal im Monat haben wir uns auf einem ­Betrieb getroffen und Erfahrungen ausgetauscht.» Später habe man auch Maschinengenossenschaften gegründet. «Maschinen zu teilen, war zwar aufgrund der Distanzen mühsam, doch ein einzelner Biobauer konnte kaum überleben.»

Als Landwirt, der auf Bio setzte, musste man sich in den 60er-Jahren oft erklären und seine Positionen verteidigen. «Das war mit ein Grund, warum der Zusammenhalt unter den Biobauern so wichtig war», sagt der Eschenbacher. Da die Gruppe der Biobauern stetig wuchs, wurde schliesslich der Verein Bio Luzern gegründet. Dieser kann heuer sein 25-Jahr-Jubiläum feiern. Er zählt derzeit 408 Mitglieder. Der Grossteil sind Bauernbetriebe (351), hinzu kommen 46 Private und 11 Firmen.

Josef Meierhans hat den Verein in den Anfängen präsidiert. Damals sass er häufig am Verhandlungstisch. 1993 konnte der Verein Coop als Grossverteiler für Bioprodukte gewinnen, ein Jahr später stieg Emmi bei der Biomilch ein. «Die Folge war eine grosse Umstellungswelle bei den Luzerner Landwirten.» Zu Beginn sei der Einstieg für Emmi ein aufwendiges Wagnis gewesen, erzählt Meierhans. «Die Transportwege waren aufgrund der Distanzen zwischen den Biobetrieben weit.» Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte war laut Meierhans auch eine Sonderausstellung an der Luga in den 90er-Jahren. Diese habe die Akzeptanz bei den Luzernern weiter erhöht.

336 Luzerner Betriebe setzen auf Bio

Trotz Schwierigkeiten und Ungewissheit fanden mehr und mehr Landwirte Gefallen am Biolandbau. Laut den neusten Zahlen von Bio Suisse, dem Dachverband der Schweizer Biobetriebe, gibt es im Kanton Luzern derzeit 336 Landwirtschaftsbetriebe, die nach den Kriterien des Verbands produzieren. Schweizweit sind es 6148 Betriebe.

Josef Meierhans glaubt, dass sich der Anteil im Kanton Luzern bei rund 10 Prozent einpendeln wird. «Der Landwirt muss mit Herzblut dabei sein, damit sich ein Umstieg lohnt», unterstreicht er. Dennoch sei eine Umstellung heute viel einfacher als noch vor fünfzig Jahren, da es mehrere Beratungsstellen gebe, sagt der Landwirt, der den eigenen Betrieb mittlerweile an seinen Sohn übergeben hat.

Der Kanton Luzern hinkt trotz einer Steigerung noch immer hinter den anderen Zentralschweizer Kantonen hinterher. Spitzenreiter ist der Kanton Obwalden mit knapp 31 Prozent. Den Grund, dass Luzern zurückliegt, sieht der frühere Präsident in der Vielseitigkeit der Betriebe. «Ein reiner Futterbaubetrieb, der sich im Berggebiet befindet, ist viel einfacher umzustellen als ein Bauernhof, der neben Futterbau noch Acker-, Gemüse- oder Obstbau betreibt», erklärt Meierhans. Ähnlich sieht dies auch der amtierende Präsident Josef Bircher. «Die Luzerner Landwirtschaft hatte sich während Jahrzehnten auf die Tierproduktion mit Milch und Schweinen ausgerichtet. Für diese Betriebe ist ein Umstieg mit hohen Kosten verbunden.»

Trotzdem würden aufgrund der schlechten Preise in der konventionellen Landwirtschaft immer mehr Bauern Alternativen suchen. «Das Wachstum wird zu einem grösseren Angebot führen, wir sind bestrebt, die Qualität in allen Bereichen der Produktion weiter zu verbessern», sagt Bircher. Als Beispiele nennt er die Bodenbearbeitung, die Energiebilanzen, aber auch soziale Anforderungen auf den Höfen.

Die Biobetriebe legen auch schweizweit zu. Gestern hat Bio Suisse die Zahlen des vergangenen Jahres präsentiert. Im vergangenen Jahr meldeten sich 386 Betriebe neu bei Bio Suisse an. Das sind so viele wie seit den 90er-Jahren nicht mehr.

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