LANDWIRTSCHAFT: In Littau steht der Bauernhof der Zukunft

Auf dem Mooshof auf dem Littauerberg flitzen Tag und Nacht Roboter durch den Stall. Der Bauer wird dadurch enorm entlastet. Doch er schaut seinen «Angestellten» genau auf die Finger.

Stephan Santschi
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Essenszeit für die 65 Kühe: Roboter Vector holt das Futter und verteilt es anschliessend im Stall. Danach fährt er wieder zur Abfüllanlage zurück. Dies macht er zehnmal pro Tag. (Bild Pius Amrein)

Essenszeit für die 65 Kühe: Roboter Vector holt das Futter und verteilt es anschliessend im Stall. Danach fährt er wieder zur Abfüllanlage zurück. Dies macht er zehnmal pro Tag. (Bild Pius Amrein)

Stephan Santschi

Ein Anruf aufs Handy mitten in der Nacht. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Vector. Er hat ein Problem, das Gras sei ausgegangen und die Fütterung der Kühe nicht mehr gewährleistet. Silvan Bucher begibt sich hinüber in den Stall, füllt Gras nach. Dann gehts zurück ins Bett, alles nimmt wieder seinen normalen Lauf. Vector ist der Fütterungsroboter im Mooshof auf dem Littauerberg. Silvan Bucher, 20-jährig, ist zuständig für die Technik und damit vor Vater Niklaus (57) und Mutter Irma (49) die Nummer eins auf Vectors Telefonliste.

Seit dem letzten September stehen sie hier im Einsatz, die Roboter des holländischen Landmaschinenherstellers Lely, seither werden Routinearbeiten in der ebenfalls neu erstellten Scheune automatisch ausgeführt. Zwischenfälle, wie eingangs geschildert, sind sehr selten, «gewöhnlich funktioniert der Betrieb reibungslos. Das ist eine grosse Erleichterung und die Zukunft der Milchwirtschaft», versichert Bucher. Zeitgleich mit der technischen Installation habe man die Anzahl der Kühe auf 65 verdoppeln und trotzdem den Arbeitsaufwand verringern können.

Der 20-jährige Landwirt Silvan Bucher mit dem Tablet, womit der Roboter im Hintergrund mit Daten versorgt werden kann. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
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Der Futterroboter auf eigenständiger Fahrt. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der 20-jährige Landwirt Silvan Bucher mit dem Tablet, womit der Roboter im Hintergrund mit Daten versorgt werden kann. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der  Bauer Silvan Bucher im Büro/Kontrollraum mit direktem Blick auf den Laufstall. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der Melkroboter bei der Arbeit. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der Melkroboter. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der Futterroboter auf eigenständiger Fahrt. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der Futterroboter auf eigenständiger Fahrt. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der Futterroboter auf eigenständiger Fahrt. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der Futterroboter, wie er automatisch für seine Versorgungfahrt gerüstet wird. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Der 20-jährige Landwirt Silvan Bucher. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))
Auf dem Bild zu sehen ist der Futterroboter auf eigenständiger Fahrt. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))

Der 20-jährige Landwirt Silvan Bucher mit dem Tablet, womit der Roboter im Hintergrund mit Daten versorgt werden kann. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))

Roboter mischt das Futter selber

In 24 Stunden macht sich Vector zehn Mal auf den Weg zur Fressachse, um die Mahlzeiten auszustossen. «Den Bedarf ermittelt die Maschine über einen Laser.» Auch die Mischung des Futters erfolgt automatisch, ein Kran bedient sich aus den verschiedenen Behältern mit Heu, Emd, Gras und Mais entsprechend der Programmierung.

In Sichtweite zu Vector verrichtet Astronaut A4 seine Arbeit. Ihm obliegt es, die Kühe zu melken. Und zwar rund um die Uhr. Im Moment macht er sich am Euter von Kuh Nummer 32 zu schaffen, hinter ihr wartet schon die nächste Dame auf Erleichterung. Angelockt werden sie mit einem Spezialfutter, einem «Dessert», wie Bucher sagt. «Der Computer erkennt anhand einer Respondernummer, um welche Kuh es sich handelt. Sind keine sechs Stunden seit dem letzten Melken vergangen, gibt es kein Futter. Und die Kuh macht wieder Platz.» Auf der Lauffläche im Stall ist währenddessen Hilfskraft Discovery im Einsatz. Er ist ein Spaltenreinigungsroboter oder kurz: die Putzkraft. Komplettiert werden die Gerätschaften durch «Grazeway», ein Tor, das den Weidegang der Kühe regelt.

Was bleibt da für den Landwirt noch zu tun? «Einfach ins Wochenende verabschieden können wir uns nicht», sagt Silvan Bucher und schmunzelt. Schliesslich müssen die Vorgänge überwacht und Notfälle behoben werden. Im Büro kann er auf einem Bildschirm alle möglichen Daten abrufen. Dort erfährt er beispielsweise, wie lange welche Kuh kaut. Bei Nummer 46 tut sich in dieser Hinsicht offensichtlich nicht viel. «Sie ist krank und wird aktuell behandelt.»

Teure Investitionen

Vector, Astronaut A4, Discovery – die Namen deuten es an. Im Mooshof tut sich Futuristisches. Dazu passt die Fotovoltaikanlage auf dem Dach, dank der man ausser in den Wintermonaten den eigenen Strombedarf decken kann. Genaue Zahlen nennen die Buchers nicht, doch dass sich die Gesamtinvestition im siebenstelligen Bereich bewegt, steht ausser Frage. Leisten kann man sich die Innovation nur dank Reserven. Und dank der Technikaffinität von Silvan, der bald die Ausbildung zum Agro-Techniker beginnen wird und den Hof dereinst übernehmen soll. So recht bezahlt macht sich die Installation bisher indes noch nicht. Grund hierfür ist der tiefe Milchpreis. «Im Moment kommen wir finanziell gerade so durch», sagt Bucher. «Deshalb hören wir aber nicht auf. Man sollte tun, was einem Freude macht.» Dann nimmt man auch Anrufe eines Roboters in der Nacht in Kauf.

Weitere Bilder vom Mooshof finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder