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40 Tote in der Landwirtschaft: Das Jahr der schweren Unfälle

Die Zahl der tödlichen Unfälle in der Landwirtschaft ist 2018 drastisch angestiegen. Teilweise lässt sich dies durch den sehr trockenen Sommer erklären. Auffällig ist: Viele der Verunfallten waren Senioren, die sich überschätzt haben.
Ismail Osman
In Grosswangen brannte im Juni ein Traktor vollständig aus. Der Fahrer konnte sich grade noch retten. (Bild: PD)

In Grosswangen brannte im Juni ein Traktor vollständig aus. Der Fahrer konnte sich grade noch retten. (Bild: PD)

Das Jahr ist noch nicht ganz zu Ende, doch die Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) sind mehr als deutlich: 40 tödliche Unfälle bei Arbeiten in der Landwirtschaft ereigneten sich 2018. Auch in der Zentralschweiz ereigneten sich mehrere schwere Unfälle. Drei Beispiele:

Grosswangen, 6. Juni: Während der Fahrt gerät ein Traktor plötzlich in Brand. Der Bauer rettet sich im letzten Moment: Er schafft es gerade noch das Fahrzeug anzuhalten und den Anhänger zu entfernen. Trotz eines Grossaufgebots der Feuerwehr brennt der Traktor komplett aus.

Rigi Kulm, 7. August: Bei Bauarbeiten gerät ein landwirtschaftliches Fahrzeug beim Rückwärtsfahren von der Strasse, fährt über steiles Wiesland und fällt zirka 60 Meter in die Tiefe. Das Fahrzeug überschlägt sich mehrmals. Der 56-jährige Fahrer wird dabei im Fahrzeug eingeklemmt, schwer verletzt und verstirbt kurze Zeit später.

Altdorf (Eggberge), 8. November: Ein Mann fährt mit einem mit Holz beladenen Fahrzeug über ein steiles Wiesenbord. Das Fahrzeug kippt zu Seite und klemmt den Lenker ein, der dabei tödlich verletzt wird.

Schweizweit gesehen birgt 2018 eine bemerkenswerte Zunahme von tödlichen Unfällen in der Landwirtschaft. Zum Vergleich: Im Vorjahr registrierte die BUL 23 tödliche Unfälle.

Trockene Böden lässt Reifen nicht greifen

«Wir gehen von mehreren Faktoren aus, die zu diesem Anstieg führten», sagt Dominique Thiévent, Sicherheitsingenieurin bei der BUL. «Vermutlich steht ein Teil dieser Unfälle in Zusammenhang mit der aussergewöhnlich trockenen Witterung im Sommer. Bei sehr trockenen Böden greifen die Reifen nicht mehr ideal. Es kann dann – insbesondere in steilen Lagen – schneller zum Rutschen und zu Abstürzen kommen.»

Unfälle mit Motorfahrzeugen machen fast die Hälfte aller tödlichen Vorfälle aus, welche die BUL dieses Jahr registriert hat. Zu einer Häufung von Unfällen kam es auch im Bereich von Stürze aus der Höhe und Vorfällen mit landwirtschaftlichen Maschinen.

Die Tatsache, dass bei einem Grossteil der tödlichen Unfälle Motorfahrzeuge wie Traktoren involviert sind, veranlasst die BUL zum Handeln. «Ein Schwerpunkt unserer Arbeit 2019 wird die Sensibilisierung für die Nutzung von Sicherheitsgurten sein», sagt Thiévent. «Sicherheitsgurte sind nur auf neuen landwirtschaftlichen Fahrzeugen mit über 40 Stundenkilometern vorgeschrieben, aber auf allen anderen dringend empfohlen», so Thiévent. «Die Gefahr vom sich überschlagenden Traktor zerquetscht zu werden, könnte wesentlich reduziert werden.» Man sei sich aber bewusst, dass die Sensibilisierung eine Herausforderung sein wird. «Vor über 10 Jahren lancierte die Beratungsstelle für Unfallverhütung die Kampagne ‹Ein Band fürs Leben› für Personenwagen. In diese Richtung muss es auch bei den landwirtschaftlichen Fahrzeugen gehen», ist Thiévent überzeugt.

Schwierige Gespräche in der Familie

Noch eine weitere Beobachtung beschäftigt die BUL: Bei vielen der tödlich verunglückten Landwirte handelt es sich um Senioren. Die Beratungsstelle appelliert deshalb an die Landwirte, sich ihrer eigenen Grenzen und denjenigen ihrer älteren Verwandten bewusst zu sein. Senioren sollten keine gefährlichen Arbeiten auf dem Hof erledigen.

Verständlicherweise ist dies leichter gesagt als getan. «Dem Vater, der den Hof früher führte und immer noch mithilft, sagen zu müssen, dass man ihn nicht mehr auf einer Maschine sehen wolle, ist schwer. Oft wird dieses notwendige Gespräch zu lange hinausgezögert», weiss Thiévent. «Solche Generationenkonflikte sind auch bei Institutionen wie dem bäuerlichen Sorgentelefon immer wieder ein Thema.»

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