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LANDWIRTSCHAFT: Jungbauern suchen Nischen

Schlafen im Stroh, Erlebnisferien bei seltenen Tieren oder hauseigene Glace produzieren: Luzerns Bauern erfinden sich immer öfters neu.
Ismail Osman
Selbst gemacht schmeckts am besten: Corinne Zemp und Tochter Salome kosten die hauseigenen Glacekreationen. (Bild Corinne Glanzmann)

Selbst gemacht schmeckts am besten: Corinne Zemp und Tochter Salome kosten die hauseigenen Glacekreationen. (Bild Corinne Glanzmann)

Keine Frage, es ist Glace-Saison. Wahrscheinlich weiss dies kaum jemand besser als die Familie Zemp. Auf ihrem Hof Schintbühl bei Ebnet im Entlebuch produziert die Familie ihre eigenen Glace-Kreationen. Diese tragen viel versprechende Namen wie «Bärgspitz», «Zimt-Zwetschgen», «Milch-Chriesi» oder «Chinder-Troum». Über 30 Sorten sind es insgesamt – hinzu kommen noch Eistorten und andere kühle Spezialitäten. Die Milch dafür stammt von den über zwanzig hofeigenen Jersey-Kühen. Die kleinen Kühe liefern besonders gehaltvolle Milch, welche für die Milchverarbeitung und Herstellung von Glace bestens geeignet ist. Heute produzieren Zemps unter dem Namen «Schintbühl Glace» 40 000 bis 45 000 Liter Glace pro Jahr.

Von der Landi bis zur Hochzeit

Die Inspiration dafür fand Martin Zemp (33) während seiner Ausbildung zum Meisterlandwirt. Der Hof wurde damals noch von seinen Eltern geführt. «Er suchte nach einem Weg, um auf dem Hof arbeiten zu können und nicht auswärts», erzählt Ehefrau Corinne (30), die über eine kaufmännische Ausbildung sowie über den Abschluss Bäuerin mit eidgenössischem Fachausweis verfügt. Auf einem Hof in Deutschland entdeckte er die Glace-Produktion. Bald tüftelte er an seinen eigenen Glace-Sorten.

Mittlerweile sind 10 Jahre vergangen – und die von den Zemps produzierten Glace-Sorten haben sich weit über das Entlebuch hinweg herumgesprochen. So beliefert man, neben Landis, Bäckereien und Spar-Supermärkten, auch diverse Restaurants. Zusätzlich sind Zemps auch an Hochzeiten und Familienfesten mit ihrem Glace-Wagen gerne gesehen. «Die Glace-Produktion schafft einen wichtigen Mehrwert des Betriebes», sagt Corinne Zemp. Und dieser ist nicht nur als erfreulicher Nebenverdienst zu betrachten, sondern als wichtiger finanzieller Pfeiler: «Ein Hof in der Innerschweiz muss heute über eine beträchtliche Grösse verfügen, um alleine von der traditionellen Landwirtschaft, etwa der Milchproduktion, leben zu können», erklärt Zemp. «Entweder man überlegt sich, was man daneben noch machen kann, oder einer der Ehepartner muss auswärts arbeiten gehen.»

Neue Generation

Der Schinthof der Zemps steht exemplarisch für eine Generation von Bauern und Bäuerinnen, die durch innovative Geschäftsideen eine Nische für sich selbst finden. Es handle sich dabei nicht um einen kurzlebigen Trend, sondern um eine durchaus logische Entwicklung, sagt Theresia Marbach-Jund, Marketingleiterin des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands (LBV). «Die Preise unterliegen starken Schwankungen und tendenziell tiefer – im Kanton Luzern speziell bei den Schweinen und der Milch. Da ist es logisch, dass die Betriebe sich nach neuen Möglichkeiten umschauen, um ihren Hof profitabel zu halten.»

Die Facetten, in denen dies umgesetzt wird, scheint unerschöpflich: Von der Spezialitätenwurst, die im Direktverkauf angeboten wird, über den Kräuteranbau für Hustenbonbon-Hersteller wie Ricola, bis hin zu Höfen, die Erlebnisaufenthalte und Schlafen im Stroh anbieten – oder eben ihre eigenen Glace-Kreationen vertreiben. «Was wir derzeit beobachten, dies ist das Wirken einer neuen Generation, die nicht einfach nur den Hof der Eltern übernehmen, sondern sich darin auch selbst verwirklichen will», sagt Marbach-Jund.

Beratung können sich interessierte Landwirte bei den regionalen Berufsbildungszentren für Natur und Ernährung in Schüpfheim und Hohenrain holen – dies wird vom LBV auch empfohlen: «So kann evaluiert werden, welche Möglichkeiten sich anbieten», erklärt Marbach-Jund. «Zudem kann die betriebswirtschaftliche Machbarkeit geprüft werden.» Auch dies sei ein Muss, da es keine direkte Förderung für solche betriebliche Weiterentwicklungen gebe – das Risiko tragen die Betriebe selbst.

Innovationen in der Landwirtschaft seien aber nicht alleine den Jungen vorbehalten, betont Marbach-Jund. Überhaupt sei essenziell, dass die ältere Generation in die Pläne mit eingebunden wird und diese auch hinter den Plänen stehen. «Ohne die Unterstützung der Familie sind gerade Ideen in Direktvermarktung und Agrotourismus längerfristig kaum umsetzbar», weiss Marbach-Jund.

Familie muss dahinterstehen

Das gilt auch bei den Zemps. «Meine Schwiegereltern unterstützten die Idee und brachten sich von Beginn weg auch in diese ein», sagt Corinne Zemp. Sie führt den Glace-Betrieb, während Martin Zemp für den landwirtschaftlichen Teil des Hofes zuständig ist. Nach 10 Jahren ist für beide klar, dass sie die Glace-Produktion weiterführen möchten. «Die Herausforderung, einen Hof, diesen zweiten Betriebszweig sowie die Familie mir drei Kindern unter einen Hut zu bringen, ist gross – aber es macht immer noch Spass», sagt Corinne Zemp. Und so viel steht fest: Die nächste Glace-Saison kommt bestimmt.

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