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LANDWIRTSCHAFT: Kanton verschärft Gülle-Regeln

Luzern weist so hohe Ammoniak-Werte auf wie kaum ein anderer Kanton. Um dies zu ändern, soll es strengere Richtlinien geben. Davon hält der Bauernverband wenig.
Niels Jost
Ein Traktor verteilt Gülle. (Bild: Pius Amrein/LZ)

Ein Traktor verteilt Gülle. (Bild: Pius Amrein/LZ)

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Die landwirtschaftlich genutzten Böden im Kanton Luzern sind zu sauer. Sie enthalten bis zu 7 Mikrogramm Ammoniak pro Kubikmeter – nur in der Ostschweiz gibt es ähnlich hohe Werte. Das stickstoffhaltige Gas entsteht in Gülle und Mist und kann durch die Luft oder den Regen verbreitet werden. Dadurch werden die Böden überdüngt, was der Biodiversität schadet.

Das Problem ist längst bekannt. 2007 wurde ein ganzer Massnahmenplan erarbeitet; seit 2011 sind die Bauern beispielsweise verpflichtet, bei einem Um- oder Neubau ihres Stalls die Ammoniakemissionen zu vermindern. Dabei werden die Emissionen vor und nach dem Bauprojekt berechnet. Bei Ställen in der Landwirtschaftszone ist eine Reduktion um 20 Prozent nötig.

Jetzt soll sich der Vollzug ändern, wie die «Bauernzeitung» berichtet. Das bestätigt Thomas Buchmann, Departementssekretär des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements, auf Anfrage. Zwar wird die vorgegebene Reduktion von 20 respektive 70 Prozent nicht verändert. «Es werden jedoch weniger Ausnahmen zugelassen und gleichzeitig einzelne Parameter bei der Berechnung angepasst», führt Buchmann aus.

Dies soll per Anfang 2018 der Fall sein. Die Beurteilungen sollen «insgesamt vereinfacht» und auf das Merkblatt «Ammoniak­reduktion bei Stallbauten» abgestützt werden. Buchmann: «Der Vollzug wird straffer, klar nachvollziehbar, für Projekte in Zusammenhang mit Schweine- und Geflügelanlagen insgesamt strenger.» Welche konkreten Änderungen auf die Bauern zukommen, sagt Buchmann nicht. Klar ist derzeit einzig, dass für eine zusätzlich bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche weniger Stickstoffemissionen geduldet werden. Diese sogenannte Stickstoff-Gutschrift lag bisher bei 100 Kilogramm Ammoniak pro Hektare, künftig soll diese um zwei Drittel auf nurmehr 30 Kilogramm gekürzt werden.

Die Änderungen sollen aber auch positive Folgen haben, wie Buchmann verspricht: «Die effektiven Leistungen für Ammoniakreduktion sollen besser abgegolten werden.»

«Die Massnahmen bringen wenig»

Mit seinen Plänen stösst der Kanton bei den Bauern auf we­-nig Gegenliebe. Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands, sagt: «Es ist eine sehr unbefriedigende Situation für uns. Wir sind mit den geplanten Massnahmen des Kantons überhaupt nicht einverstanden.» Laut Heller sind diese nur teilweise zielführend. Der Grund: «Die Forschung arbeitet noch daran, welche Massnahmen wirklich eine gute Wirkung bringen», sagt Heller und nennt ein Beispiel: «Ich kann doch einem Bauern nicht vorschlagen, er solle in einen Abluftwäscher investieren, der die Schadstoffe herausfiltern soll, wenn wenig später bekannt wird, dass dieser gar nicht die gewünschte Wirkung erzielt.» Der Umgang mit Stickstoff sei «sehr komplex», so Heller. «Hierfür gibt es keine einfachen Lösungen.» Er fordert deshalb bessere Informationen für die Bauern. Und: «Es wäre jetzt klüger, zwei Schritte zurück zu treten, alles von Grund auf richtig zu evaluieren und dann die entsprechenden Massnahmen koordiniert über die ganze Schweiz daraus abzuleiten. Denn wir sind uns der Problematik durchaus bewusst – aber einen weiteren Schnellschuss wie den Massnahmenplan von 2007 unterstützen wir nicht mehr.»

Ziel dieses Massnahmenplans war es, die Ammoniakemissionen bis ins Jahr 2030 um 30 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2010 zu reduzieren. Heller hält dies angesichts der grossen Komplexität und weil selbst in der Forschung Unklarheit darüber herrsche, welche Massnahmen wirklich Sinn machen, für illusorisch. Tatsächlich: «Dieses Ziel wird bis 2030 nicht erreicht», bestätigt Thomas Buchmann. «Aus diesem Grund werden der geltende Teilplan Ammoniak überarbeitet und zusätzliche Massnahmen evaluiert», sagt er.

Zielkonflikt: Tierwohl führt zu Emissionen

Dass Luzern überdurchschnittlich hohe Ammoniakwerte aufweist, ist auf die hohe Tierdichte zurückzuführen, heisst es im Massnahmenbericht des Kantons. Dem hält Stefan Heller entgegen, dass nicht die Schweinehaltung, in welcher der Kanton Luzern führend ist, die Hauptursache ist, sondern die Emissionen zu fast 80 Prozent von der Rindviehhaltung stammen. Zudem haben viele Landwirte seit der Jahrtausendwende vom Anbind- zum Laufstall gewechselt. Da die Tiere dadurch in den Auslauf gelassen werden, führt dies ebenso zu einer höheren Ammoniakemission.

Gerade darin sieht Heller einen Zielkonflikt: Einerseits fordert die Gesellschaft mehr Freilauf für Tiere. Und die Nachfrage nach Poulet- und Schweinefleisch ist gross. Andererseits wird eine emissionsfreie Landwirtschaft gefordert – «beides kann man nicht haben.»

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