LANDWIRTSCHAFT: Luzerner Bauern ignorieren Baugesetz

Im ganzen Kanton stehen alte Bauernhäuser, die längst hätten abgebrochen werden müssen. Jetzt drohen die Gemeinden mit Zwangsabrissen.

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Nicht jeder Bauer reisst sein altes Haus ab, nachdem er ein neues gebaut hat. (Karikatur Jals)

Nicht jeder Bauer reisst sein altes Haus ab, nachdem er ein neues gebaut hat. (Karikatur Jals)

Zwei Scheunen sind besser als eine – zwei Wohnhäuser erst recht. Das denkt sich der eine oder andere Landwirt im Kanton Luzern: Unter dem Vorwand, veraltete Bauten zu ersetzen, wurden neue Scheunen oder Wohnhäuser gebaut. Die alten hätten dafür laut Bauvorlage abgerissen werden müssen – was die Bauern aber nicht taten. Im Gegenteil: Manche erweiterten den Haushalt auf beide Gebäude, andere vermieteten die Zweitwohnung an Dritte oder schrieben sie als Ferienwohnung aus.

Nachdem die Behörden in Entlebuch auf einen Fall aufmerksam geworden wären, sei man über die Bücher gegangen, sagt Gemeindeammann Robert Vogel. Man durchforstete sämtliche Baugesuche der letzten 20 Jahre und suchte nach solchen, die sich auf Neu- und Ersatzbauten von Gebäuden in der Landwirtschaftszone bezogen. In sieben Fällen stellte man fest, dass den Bauauflagen nicht nachgekommen worden ist und die Altbauten nach dem Bezug der neuen Räumlichkeiten nicht abgerissen wurden.

Fälle im ganzen Kanton
Mario Conca, Abteilungsleiter der kantonalen Bewilligungs- und Koordinationszentrale beim Amt für Raumplanung, bestätigt die Fälle. «In den letzten zwei bis drei Jahren sind wir im ganzen Kanton vermehrt auf solche Vorfälle aufmerksam geworden», sagt er.

Gnadenfrist bis Ende 2011
Die fehlbaren Bauern in Entlebuch wurden nun persönlich kontaktiert. In Gesprächen mit den Grundeigentümern stellt die Gemeinde den Besitzern eine Gnadenfrist in Aussicht, innerhalb der sie selbst den nötigen Rückbau vornehmen können. Ansonsten müsse mit einem behördlich beauftragten Abriss zu Lasten des Betreibers gerechnet werden. «Bis Ende 2011 sollte alles erledigt sein», sagt der Entlebucher Gemeindeammann Robert Vogel.

Ismail Osman

Den ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden Sie in der «Neuen Luzerner Zeitung» vom 19. Oktober 2010.