LANDWIRTSCHAFT: Luzerner bezahlen am meisten

Luzerner Bauern bezahlen für die Pacht von Nutzflächen die höchsten Zinsen. Ursachen sind der knappe Boden und zu hohe Gewinnerwartungen.

Alexander von Däniken
Drucken
Teilen
Viele Landwirte vergrössern ihren Betrieb, indem sie zusätzliches Land pachten. (Bild: Keystone / Sigi Tischler)

Viele Landwirte vergrössern ihren Betrieb, indem sie zusätzliches Land pachten. (Bild: Keystone / Sigi Tischler)

Alexander von Däniken

Um knapp 33 Hektaren Land oder 45 Fussballfelder ist die Landwirtschaftsfläche im Kanton Luzern in den letzten 24 Jahren geschrumpft. Dies vor allem zu Lasten der Siedlungsfläche (Ausgabe vom 27. Juli). Der Rückgang des verfügbaren Bodens sorgt bei den Bauern für einen verschärften Flächenwettbewerb. Viele Landwirte vergrössern ihren Betrieb, indem sie zusätzliches Land pachten. Rund 34 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen werden im Kanton Luzern gepachtet. Und das teils zu einem sehr hohen Preis, wie die «Bauernzeitung» kürzlich berichtete. Für sie hat die eidgenössische Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Agroscope, einen nicht representativen Vergleich von Buchhaltungszahlen erstellt. Demnach sind die Pachtzinsen in der Talzone im Kanton Luzern 198 Franken höher als im Schweizer Durchschnitt. Präzise Statistiken führen weder Agroscope noch das Bundesamt für Statistik (BFS). Dennoch lässt eine weitere Annäherung unserer Zeitung den Schluss zu, dass in Luzern die wohl höchsten Pachtzinsen gezahlt werden.

Pachtvolumen: 18 Millionen Franken

Gemäss «Regionaler Landwirtschaftlicher Gesamtrechnung» des BFS wurden 2010 im Kanton Luzern 17,95 Millionen Franken für Pachten bezahlt. Das entspricht pro gepachtete Hektare 754,60 Franken. In der Gesamtrechnung sind allerdings auch die Sömmerungsweiden eingerechnet, die in der Statistik über die gepachteten Flächen nicht berücksichtigt sind. Trotzdem: Mit 684,80 Franken folgt der Kanton Thurgau mit Abstand auf dem zweiten Platz, Nidwalden mit 527,60 Franken auf dem dritten. Die anderen Zentralschweizer Kantone sind im Mittelfeld, während die Bündner Bauern mit 263,50 Franken am wenigsten für die Pacht zahlen.

Für Ivo Wolfisberg, Interessenvertreter beim Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband, ist der Flächenwettbewerb nur ein Grund für die rekordhohen Pachtzinsen. «Vor allem für das Wachstum in der Tierproduktion braucht es zusätzliche Flächen. Viele Bauern pachten darum zusätzliches, angrenzendes Land. Und das oft zu einem Zins, welcher die Mehreinnahmen aus der erweiterten Produktion wieder verschlingt.» Beat Ineichen, Geschäftsführer der landwirtschaftlichen Kreditkasse Kanton Luzern, bestätigte gegenüber der «Bauernzeitung»: «Der Irrglaube, dass mehr Fläche auch mehr Einkommen bedeutet, ist weit verbreitet.» Die Frage, Pachtland auch zu übersetzten Preisen zu übernehmen, werde oft über den Bauch statt über betriebswirtschaftliche Berechnungen entschieden.

Nicht-Bauern heizen Wettbewerb an

Laut Wolfisberg wird das Problem auch durch einen regelrechten Wettbewerb verschärft, wonach der Eigentümer das Land an den meistbietenden Bauern verpachtet. «Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Landeigentümer zwar selbst Bauer war, der Besitz dann aber an die Kinder übergeht, welche sich nicht mehr mit der Landwirtschaft identifi zieren.» Das komme öfter vor, seit lukrative Umzonungen in Wohnzonen nicht mehr ohne weiteres möglich sind, die Landbesitzer aber dennoch gute Nebeneinkünfte erzielen wollen.

Genau dieser Trend bereitet Ruedi Streit Sorgen. Er ist Fachverantwortlicher Umwelt und Entschädigung bei Agriexpert, einer Treuhandabteilung des Schweizer Bauernverbands. «Es ist störend, wenn Geld aus der Landwirtschaft an Eigentümer abfliesst und so nicht mehr für die produzierenden Betriebe zur Verfügung steht.» Streit beobachtet die Tendenz, dass die Pachtzinsen für Landwirtschaftsland weit höher liegen, als der Betrag, den der Eigentümer für die Deckung der Kosten benötigt. Das sei in Luzern oft der Fall, aber auch in der ganzen Zentralschweiz. In der Gesetzgebung sei zwar vorgesehen, dass der Pachtzins kontrolliert werden muss. Gegen zu hohe Pachtzinse für einzelne Grundstücke könne der Kanton oder eine von ihm bezeichnete Behörde Einsprache erheben. «Allerdings ist diese Kontrolle nicht feststellbar. Würden die Pachtzinse die Kosten nur knapp übersteigen, würden wohl auch mehr Eigentümer ihr Land an die Landwirte verkaufen.»

«Bürokratisches Monster»

Die Agrarexperten wollen die Lösung nicht in der Politik suchen. «Das liesse ein bürokratisches Monster entstehen», sagt Ivo Wolfisberg. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Bauern, die wirtschaftliche Schmerzgrenze zu erkennen. Ruedi Streit erklärt: «Die Alternative zur Zupacht einer Landwirtschaftsfläche ist deren Kauf. Der Kauf des Landes sichert am besten die wertvollste Produktionsgrundlage für den Landwirtschaftsbetrieb. Die aktuellen Landpreise stellen aber eine grosse finanzielle Belastung dar, die in der Regel durch den zusätzlichen Ertrag nicht gedeckt wird.»