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LANDWIRTSCHAFT: Luzerner testet neue Hühnerrasse

Einer Hühnerrasse, die Eier legt und Poulet liefert, soll die Zukunft gehören. Das Projekt nimmt Fahrt auf auch dank des Landwirts David Bründler.
Stephan Santschi
Testet seit einem Jahr Dualhühner. David Bründler in seinem Stall auf dem Rooterberg. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Testet seit einem Jahr Dualhühner. David Bründler in seinem Stall auf dem Rooterberg. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Stephan Santschi

Es ist etwas los im Stall von Landwirt David Bründler. Die Tiere mit dem weissen Federkleid und dem roten Kamm auf dem Kopf rennen durch die grosszügig angelegte Scheune auf dem Biohof und gackern um die Wette. 2000 Hühner hält der 31-Jährige hier am Rooterberg auf rund 750 Metern Höhe. Damit ist er Teil eines Projekts, das Coop im Januar 2014 lanciert hat. Seine Tiere entstammen nämlich einer neuen Rasse von Zweinutzungs- oder Dualhühnern. Während sich Bründlers Legehennen der Eierproduktion widmen, dienten ihre Brüder auf einem anderen Schweizer Hof der Pouletmast.

Tod männlicher Küken als Auslöser

Eine solche Allrounder-Rasse gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr, weil die Geflügelzuchtfirmen separate Hochleistungs-Hühnerrassen für die Produktion von Eiern und Poulet züchten. Die Spezialisierung führt allerdings zum Problem, dass für die männlichen Küken von Legehennen kein Bedarf mehr vorhanden ist. Deshalb werden in der Schweiz jährlich über zwei Millionen dieser Tiere unmittelbar nach dem Schlüpfen getötet. «Ethisch ist das bedenklich. Als wir von dieser neu gezüchteten Dualrasse hörten, war für uns klar: Das müssen wir probieren», sagt Coop-Projektleiter Basil Mörikofer.

Eine Rasse, deren Hennen viele Eier legen und deren Hähne viel Fleisch ansetzen, ist aus genetischen Gründen nicht möglich. «Lohmann Dual» nennt sich die neue Hühnerrasse, welche nun durch Kreuzung aber die Vorzüge beider Zuchtrichtungen bestmöglich zu vereinigen versucht. Entwickelt hat sie die Lohmann Tierzucht GmbH aus dem deutschen Cuxhaven.

Weniger Fleisch auf der Brust

Vor etwas mehr als einem Jahr startete Coop das Projekt mit einer Serie von 2500 weiblichen und 2500 männlichen Tieren. Die Hähne werden seither auf ausgewählten Betrieben nach den strengen Standards der Knospe von Bio Suisse in Freilandhaltung gemästet. In der nächsten Osterwoche (siehe Kasten) werden bereits die Poulets der dritten Serie in die Läden kommen. «Mit dem Absatz haben wir überhaupt kein Problem. Die Qualität ist gleich gut wie jene von herkömmlichen Bio-Poulets», sagt Mörikofer. Allerdings verkaufe man die Dualhühner bisher nur als ganze Poulets, weil sie im Vergleich zu spezialisierten Masthühnern ausgerechnet auf der bei den Konsumenten sehr beliebten Brust etwas weniger Fleisch vorzuweisen hätten. Den Mehraufwand in der Produktion kompensiere man mit einem kleinen Preisaufschlag ein Bio-Poulet im Coop kostet aktuell 19.50 Franken pro Kilo, ein Dualhuhn wurde für 19.90 verkauft.

Deutlich teurer als normale Bio-Eier

Einen grösseren Preisunterschied gibt es bei den Eiern. Ein Sechserpack mit Bio-Eiern kostet 4.95 Franken, jenes mit Bio-Eiern von Dualhühnern bisher 5.95 Franken Tendenz steigend. Der Grund: Ein Huhn der Duallinie ist deutlich weniger produktiv als eine spezialisierte Legehenne. «Bisher legten meine Hühner rund 25 Prozent weniger Eier als die normalen Hühner, die ich davor hatte», berichtet der Rooter Landwirt David Bründler. Eine abschliessende Beurteilung der Legeleistung könne er aber erst nach Ablauf eines Jahres, also im Mai, machen. Aktuell beschreibt er das Projekt mit den Dualhühnern als «zweischneidiges Schwert. Die Ethik und das Tierwohl stehen einer negativen Ökobilanz gegenüber. Die Dualhühner legen weniger Eier, fressen aber die gleiche Menge Futter.»

Hinzu kommt, dass die Eier des Dualhuhns in den ersten Monaten kleiner waren als jene der normalen Legehennen. «Wir sortieren die Eier nach Gewicht und bezeichnen sie wie Kleidergrössen. Lange hatten wir viele Eier im XS- und S-Format. Diese Eier sind schwieriger zu vermarkten», erklärt Sonja Müller von der Ei AG aus Sursee, welche Bründler die Eier abnimmt, sie kontrolliert und an Coop liefert.

Weitere 2000 Hennen nach Root

Die Machbarkeit dieses Spagats hänge letztlich vom Erfolg der Eier ab, sagt Coop-Projektleiter Mörikofer. «Die Poulets der Dualhühner können die reduzierte Leistung der Legehennen nicht kompensieren», betont er. Bei den Eiern müssten sich daher grössere Produktionsmengen einstellen, um den Preisanstieg in Grenzen zu halten. Mit dem Zwischenstand des Projekts sei man zwar zufrieden, auch die Eier würden sich sehr gut verkaufen. Letztlich werde aber der Kunde entscheiden, ob er bereit sei, den signifikanten Mehrpreis für die Eier von Dualhühnern aus ethischen Gründen dauerhaft zu bezahlen.

David Bründler aus Root wird sich jedenfalls mindestens ein weiteres Jahr am Dualhuhn-Projekt beteiligen. Coop wird ihm über die Burgmer Geflügelzucht AG aus Weinfelden im Mai eine zweite Serie mit 2000 Legehennen zuteilen und weiterhin sämtliche Mehrkosten übernehmen. Bründler freuts: «Mir gefällt die Arbeit, die Hühner sind pflegeleicht.»

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