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LANDWIRTSCHAFT: Mehr Unfälle auf Bauernhöfen

Trotz langjährigem Abwärtstrend zeichnet sich für dieses Jahr eine Unfallhäufung in der Landwirtschaft ab. Besonders gefährdet sind ältere Bauern.
Der Junge fiel am Montagnachmittag aus noch ungeklärten Gründen vom Traktor. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Der Junge fiel am Montagnachmittag aus noch ungeklärten Gründen vom Traktor. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Alexander von Däniken

Am Montagnachmittag gerät ein Bauernsohn in Ebersecken zwischen Traktor und eine Walze und wird von dieser überrollt. Der 11-jährige Bub wird schwer verletzt von der Rega in ein Spital gebracht. Unfallursache war, wie so oft im Umgang mit Maschinen, eine Störung, die nicht sofort behoben werden konnte, zur Improvisation verleitete und letztlich zum Unfall führte. Allein in diesem Jahr ist es damit im Kanton Luzern zum siebten Unfall in der Landwirtschaft oder mit Beteiligung eines landwirtschaftlichen Fahrzeugs gekommen, wie ein Blick in die Medienmitteilungen der Luzerner Polizei zeigt. Im ganzen letzten Jahr waren es fünf Meldungen. Statistische Zahlen für den Kanton Luzern sind indes nicht erhältlich. Eine Auswahl der Unfälle von diesem Jahr:

  • 10. Juni: Ein 31-jähriger Landwirt kommt in Hergiswil bei Willisau mit seinem Traktor in steiles Gelände. Der Traktor kommt ins Rutschen und überschlägt sich. Der Landwirt wird verletzt.
  • 12. Mai: Mit seinem Traktor und einem Kreiselheuer ist ein Bauer in Steinhuserberg in Wolhusen am Heuwenden. Im steilen Gelände kommt das Gefährt ins Rutschen und prallt in eine Scheune. Der Landwirt verletzt sich dabei schwer und muss ins Spital gebracht werden. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 30 000 Franken.
  • 21. April: Ohne aufzusteigen, will ein Landwirt in Sempach etwas an seinem Traktor manipulieren. Dabei gerät dieser ins Rollen. Der Bauer wird vom Hinterrad überrollt und zieht sich mittelschwere Verletzungen zu.

Dieses Jahr «Ausreisser nach oben»

Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich zudem am 20. Juli in Nidwalden. Ein Bauer und sein Angestellter sind beim Heuen im steilen Gelände an der Südseite des Stanserhorns abgestürzt und ums Leben gekommen.

Häufen sich die Unfälle in der Landwirtschaft? Hans Stadelmann, Agrar- und Sicherheitsingenieur bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL), erklärt: «Es dürfte dieses Jahr wieder einen Ausreisser nach oben geben.» Solche Häufungen kämen immer mal wieder vor. Stadelmann erinnert ans Jahr 2012, als acht tödliche Kinderunfälle in der Landwirtschaft registriert wurden; üblich seien zwei bis drei pro Jahr.

Über mehrere Jahre betrachtet, gehen die Unfallzahlen indes leicht zurück, wie Stadelmann weiter ausführt. «Leider findet der Rückgang nicht schneller statt.» Tatsächlich hat die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (Sake) kürzlich mitgeteilt, dass im Jahr 2013 rund 12 Prozent aller in der Schweiz registrierten Arbeitsunfälle in der Landwirtschaft passiert waren. Gemäss BUL sind in den letzten zehn Jahren 462 Unfälle in der Landwirtschaft tödlich ausgegangen. Im laufenden Jahr verzeichnet die Beratungsstelle bereits über 20 Unfälle.

Die Ursache vieler Unfälle ist laut Stadelmann Stress: «In den letzten Jahren bekamen vor allem die Landwirte den Zeitdruck und den wirtschaftlichen Druck zu spüren.» Das führe zu einer höheren Risikobereitschaft.

Besonders gefährdet sind laut Stadelmann die Senioren. Und das nicht nur wegen der mit dem Alter sinkenden körperlichen Leistungsfähigkeit: «Mittelgrosse und grosse Betriebe mit Angestellten müssen über ein Sicherheitskonzept verfügen, kleine Familienbetriebe nicht.» Trotzdem stellt Stadelmann dieses Jahr auch bei grösseren Betrieben eine Unfallhäufung fest.

Angurten im Traktor nicht Standard

Die meisten Unfälle stehen laut dem Sicherheitsexperten im Zusammenhang mit Traktoren und Maschinen. «Oft wagen sich Landwirte mit den Traktoren auch in Gelände, das wegen der Neigung für das eingesetzte Fahrzeug nicht geeignet ist.» Erschwerend komme hinzu, dass auch heute noch längst nicht jeder Traktor mit Sicherheitsgurten ausgestattet ist: «Die Gurtentragepflicht gilt nur im Strassenverkehr, wichtig wäre sie aber auch im Gelände.» Immerhin: Unfälle mit Kindern wie im aktuellsten Fall werden immer seltener. Grund: Es gibt weniger Bauernkinder, die auf dem Hof kräftig mithelfen müssen.

Der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband stellt keine Häufung der Unfälle fest, wie der stellvertretende Geschäftsführer Josef Scherer erklärt. Allerdings erfahre man meist auch nur aus den Medien von den Unfällen. Fest stehe, dass gerade im Sommer eher Unfälle bei Feldarbeiten mit Traktoren und Maschinen passieren, im Winter mehr Unfälle bei Waldarbeiten.

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