Innovative Landwirtschaft: Michelsamt will eine Marke werden

Bauern aus dem Michelsamt wollen mit einem neuen Label ihre Produkte bewerben. Dafür werden in den nächsten Jahren 9,4 Millionen investiert.

Evelyne Fischer
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Werner Roth ist Geschäftsführer der Käserei Neudorf – eine von drei Käsereien, die unter der Marke «Michelsamt» produziert. (Bild: Nadia Schärli, 13. Oktober 2015)

Werner Roth ist Geschäftsführer der Käserei Neudorf – eine von drei Käsereien, die unter der Marke «Michelsamt» produziert. (Bild: Nadia Schärli, 13. Oktober 2015)

Sie heissen Naturgold, Blosenberg, Landessänder oder Herlisberger – stammen aus der Region Michelsamt, werden aber ab November in den Kantonen Luzern und Aargau zu sichten sein: vier Käsesorten, die neu unter der Marke «Michelsamt» in Coop-Regalen liegen.

Michelsamt, von Anfang an: Unter diesem Slogan werden regionale Produkte vermarktet. Die Idee hinter dem Logo in Herzform: Vom Rohstoff über den Produzenten bis hin zum Konsumenten soll sich ein Kreislauf ergeben. «Im Dschungel von möglichen Labels wartet heute niemand auf eine zusätzliche Marke», sagt Projektleiterin Christina Bachmann-Roth. «Es braucht einen Mehrwert, um mit regionalen Produkten Erfolg zu verbuchen.» Für dieses «Plus» wollen 14 Michelsämter Pionierbauern sorgen: Was in ihren Gütern steckt, wird maximal 10 Kilometer vom Flecken Beromünster entfernt produziert.

Bund und Kanton investieren

Kurze Transportwege, gentech- und silofreie Landwirtschaft, tierfreundliche Produktion: Die Idee der Marke «Michelsamt» tauchte 2010 auf. Bauern und Käsereien wollten zusammen mit dem Ortsmarketing Beromünster ein Label kreieren. 2013 übernahm die gebürtige Neudorferin Christina Bachmann-Roth (32) das Ruder. Die Betriebswirtin gleiste ein Projekt zur regionalen Entwicklung auf, stellte einen Businessplan zusammen, gründete die Vermarktungsplattform Gaudis AG, klopfte bei Bund und Kanton für Gelder an. Seit April steht fest: Die öffentliche Hand wird 3,4 Millionen Franken investieren. «Das Projekt Regionale Entwicklung fürs Michelsamt ist gut aufgestellt», lässt sich Christoph Böbner, Leiter der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, in der gestrigen Medienmitteilung zitieren. Allerdings seien die Beiträge begrenzt. «In vier bis sechs Jahren muss das Projekt auf eigenen Füssen stehen.»

Drei Käsereien machen mit

Der eigentliche «Herzschrittmacher» des Projekts ist die Wertschöpfungsgemeinschaft Michelsamt, die im letzten November gegründet wurde. Zu diesem Verein gehören die 14 Bauern, Detaillisten, lokale Müller, die Gaudis AG, die drei Käsereien Fläcke-Chäsi, Neudorf und Winon sowie die Beromünster Intercheese AG, die die Michelsämter Käse portioniert und verpackt. Sie wollen in den nächsten sechs Jahren 6 Millionen Franken investieren – unter anderem in einen neuen Käsekeller und einen Verkaufsladen. «Obwohl im letzten Herbst noch unklar war, ob sich Bund und Kanton beteiligen würden, waren sich die Unternehmer einig: Die Marke Michelsamt soll lanciert werden», sagt Bachmann-Roth. «Das war ein wichtiges Signal.»

Mehrwert dank Mehraufwand

Michelsamt, von Anfang an: Dieser Mehrwert bedeutet Mehraufwand. Käser müssen die «pure» Michelsämter Milch in separaten Produktionslinien verarbeiten und den Landwirten die zusätzliche Wertschöpfung weitergeben: 2 bis 5 Rappen mehr soll die Marke den Bauern pro Liter Milch bringen. Jene wiederum verpflichten sich unter anderem dem Raus-Programm – dem «regelmässigen Auslauf im Freien». Heisst: Vom 1. Mai bis zum 31. Oktober weiden ihre Tiere an mindestens 26 Tagen pro Monat. Weiter ist importiertes (Kraft-)futter tabu. Bisher leistungsorientierte Bauern mussten die Tierfütterung daher stark umstellen. Das Futter ist ohnehin ein Knackpunkt: «Es wird sich zeigen, ob sich die nötige Menge in der Region produzieren lässt», sagt Bauer Pius Estermann aus Gunzwil, Präsident der Wertschöpfungsgemeinschaft. «Mit einem Sommer wie dem diesjährigen ist dies problemlos möglich, bei nasskaltem Wetter wirds schwierig.» Dennoch ist er vom Projekt überzeugt: «Nur auf diesem Weg lässt sich die produzierende Landwirtschaft stärken.»

Schrittweise gelangen nun weitere Michelsämter Güter in die Verkaufsregale: Anfang 2016 sind es Guetzli und Apéro-Gebäck, ab 2017 soll auch Fleisch abgesetzt werden. Christina Bachmann-Roth sucht derweil nach neuen Verkaufskanälen. «Wir wollen nicht von einem einzigen Grossverteiler abhängig sein.»