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LANDWIRTSCHAFT: Schlechte Zeiten für Zuckerrüben

Der verregnete Frühsommer fordert seinen Tribut: Die Zuckerrüben-Ernte fällt schlecht aus, der Zuckergehalt lässt zu wünschen übrig. Den Bauern macht aber noch etwas anderes zu schaffen.
Evelyne Fischer
Landwirt Franz Gassmann erntet ein Zuckerrübenfeld. Bild: Nadia Schärli (Dagmersellen, 15. Oktober 2016)

Landwirt Franz Gassmann erntet ein Zuckerrübenfeld. Bild: Nadia Schärli (Dagmersellen, 15. Oktober 2016)

In Aarberg und Frauenfeld ist die Kampagne in Gange: Gemeint ist damit keine bäuerliche Werbeaktion, sondern die Verarbeitung von Zuckerrüben in der Zuckerfabrik. «Pflanzer müssen beim Erlös durchschnittlich mit Einbussen von 20 Prozent rechnen», sagt Andreas Bertschi von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau auf Anfrage. «Da dieses Jahr die Unterschiede von Feld zu Feld enorm sind, darf der eine von einem Vollertrag ausgehen, während sich der andere mit einer Drittelernte zufrieden geben muss. Von den letzten vier Jahren fallen damit nun deren drei unterdurchschnittlich aus.» Schuld daran sind zum einen die Niederschläge im Mai und Juni. «Durch die Nässe verdichten sich die Böden. Wenn die Luft fehlt, entwickelt sich die Wurzel nicht wie gewünscht.»

Krankheiten und Regen setzen Rüben zu

Zu schaffen machen den Pflanzen auch Krankheiten – etwa Blattflecken.Dieser Pilz sorgt für welkende Blätter. Diese hemmen die Umwandlung von Kohlendioxid und Wasser in Kohlenhydrate, sprich Zucker. Verbreitet ist ferner Gürtelschorf: Oberirdisch scheinen die Pflanzen gesund, unter der Erde ist die Rübe schorfig und bricht bei der Ernte häufig ab.

«Das schlechte Rübenjahr dürfte einige Pflanzer nachdenklich stimmen», sagt Bertschi. Denn auch politisch kommen die rund 5400 Pflanzer (siehe Kasten) unter Druck: Per Ende September 2017 hebt die EU die Kontingente für Zuckerrüben auf. «Die Schweiz dürfte von Importzucker überschwemmt werden.»

Eine Entwicklung, die Franz Gassmann (49) Sorgen macht. Der Dagmerseller hat auf sieben Hektaren Rüben angebaut. Das wird er auch 2017 tun. «Dann sehe ich, wie sich die aufgehobenen Produktionseinschränkung der EU auswirken.» Ein minimaler Grenzschutz wäre wichtig für die Pflanzer. «Viel wichtiger als höhere staatliche Flächenbeiträge.» 2016 erhalten Pflanzer pro Hektare 1800 Franken Beiträge – 200 Franken mehr als im Vorjahr.

Seit Samstag ist Gassmann mit seinem Vollernter auf den Feldern von rund 50 Bauern unterwegs. Er organisiert den Umschlag im Wiggertal, schaut, dass die Rüben pünktlich in die Bahnwagen Richtung Frauenfeld verladen werden. Die ersten Erntetage stimmen Gassmann nicht glücklich: «Ich schätze, es gibt rund einen Viertel weniger Ertrag als in einem normalen Jahr.» Unter anderem machte der Blattflecken-Pilz zu schaffen. «Ich musste heuer doppelt so viel in die Bekämpfung investieren.» 2017 setzt Gassmann auf pilzresistentere Sorten. «Auch wenn der Ertrag so geringer ausfällt.»

Auf vielen Feldern wuchert auch das Unkraut. Massnahmen brauchte es etwa gegen Erdmandelgras. Der Neophyt sei vor Jahrzehnten eingeschleppt und über Erntemaschinen weiterverbreitet worden, sagt Gassmann. «Einzelpflanzen kann man noch mit einer Stichschaufel ausheben. Bei grösserem Befall muss der Bagger auffahren, die Erde entsorgt werden. Das bringt Unkosten von bis zu 8000 Franken mit sich.» Die Felder müssen daherkontrolliert, Maschinen gereinigt werden.

Bis über die Ernte 2016 Bilanz gezogen werden kann, dauert es noch eine Weile: Erst vor Weihnachten ist diese abgeschlossen. Letztes Jahr ergaben 1,4 Millionen Tonnen Rüben etwas über 230 000 Tonnen Zucker.

Evelyne Fischer

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