LANDWIRTSCHAFT: Trotz Schneefall droht eine Mäuseplage

Die Trockenheit der letzten Zeit war für Mäuse optimal. Gibt es auch in den nächsten Wochen wenig Niederschlag, könnten sich die Nager schlagartig vermehren.

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Wühlmäuse finden derzeit ein grosses Futterangebot vor. (Bild: Getty)

Wühlmäuse finden derzeit ein grosses Futterangebot vor. (Bild: Getty)

Der vergangene Dezember war der trockenste überhaupt. Bloss 0,8 Millimeter Regen fielen auf die hiesigen Felder – das ist seit Beginn der Aufzeichnung im Jahre 1984 der Rekordwert (Ausgabe vom 31. Dezember 2016). Wegen ausbleibender Niederschläge sind vielerorts die Böden nicht gefroren, auch mit dem Schneefall der letzten Tage nicht. Denn die dünne weisse Decke isoliert die Erde nur.

Für die Wühlmaus sind das derzeit optimale Lebensbedingungen. Denn der bis zu 20 Zentimeter grosse Nager lebt beinahe ausschliesslich in seinen Bauten. Weil die Böden nun nicht gefroren sind, müssen sie sich nicht allzu tief in die Erde graben. Zudem ist das Futterangebot nach wie vor gross. Wurzeln, Knollen und Gräser, von denen sich die Wühlmaus ernährt, sind wegen der milden Temperaturen und der Trockenheit noch stets reich an Nährstoffen. «Wir beobachten, dass aufgrund der langen Vegetationsperiode das Nahrungsangebot für die Nager sehr gut ist», sagt Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bauernverbandes.

Droht deswegen eine Mäuse­plage? «Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen», sagt Beat Felder, der beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain für Spezialkulturen zuständig ist. «Gibt es bis zum Frühling weiterhin wenig Niederschlag und keinen Kälteeinbruch, wodurch die Böden auch in tieferen Schichten gefrieren würden, dann könnten sich die Mäuse schnell vermehren, und es könnte eine Mäuseplage geben.» Ausschlaggebend sei dafür auch der natürliche Populationszyklus, der fünf bis sieben Jahre dauert. In diesem Intervall treten die Mäuse während eines bis zu drei Jahren verstärkt auf.

Ob es zu einer Plage kommt, wird sich also erst im Februar und März zeigen. Dann vermehren sich die Tiere jeweils zum ersten Mal. Die Weibchen bringen zwischen zwei und fünf Junge auf die Welt, wenige Monate später erfolgt bereits der nächste Wurf. Und auch die Jungtiere sind rasch aktiv: Noch im selben Jahr werden sie geschlechtsreif, weshalb sich die Tiere ausserordentlich schnell vermehren können – trotz der kurzen Lebensdauer von rund zwei Jahren.

Eine Mäuseplage wäre insbesondere für junge Hochstammbäume, die ebenso im Frühling gepflanzt werden, eine Gefahr. Die Wühlmaus ist laut Beat Felder ohnehin schon der grösste Feind der Hochstämmer. Den Bauern rät er deshalb, das Feld vor dem Setzen der Bäume von den Mäusen zu befreien. Dafür gibt es verschiedene Methoden, etwa das gründliche Beackern des Bodens, sodass die Mäuse aus ihren Bauten herausgelockt und ihre Gänge zerstört werden. Ebenso kann die Mauspopulation durch die Ansiedelung ihrer natürlichen Feinde dezimiert werden. Für Greifvögel können etwa Sitzstangen angebracht werden.

Um die Mäuse massenhaft zu bekämpfen, werden weiter sogenannte Top-Cat-Fallen oder Vergasungsgeräte eingesetzt. Da die Eingänge zu den Bauten momentan aber schneebedeckt sind, bleibt den Bauern nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch