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LANDWIRTSCHAFT: Wo bei Bio noch Löcher klaffen

In zehn Gemeinden sucht man heute vergeblich nach Biohöfen. In Vitznau dagegen haben sich über zwei Drittel der Betriebe dem Biolandbau verschrieben. Wohl auch dank der Asiaten.
Biobauer Josef Bircher bei seinen Kühen auf der Wiese in Malters. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Biobauer Josef Bircher bei seinen Kühen auf der Wiese in Malters. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Landwirtschaft: Weitere Fakten und Zahlen finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

Evelyne Fischer

Es ist ein Fakt: Biohöfe fristen im Kanton Luzern noch immer ein Schattendasein. Die aktuellsten Zahlen fürs Jahr 2015 veröffentlicht Bio Suisse nächste Woche. 2014 zählte die Luzerner Landschaft 328 Knospe-Betriebe – von rund 4500 direktzahlungsberechtigten Höfen. Mit einem Anteil von 7,1 Prozent liegt Luzern deutlich unter dem nationalen Schnitt von 12,4 Prozent. Im Vergleich mit den Zentralschweizer Kantonen nimmt Luzern den letzten Platz ein.

Weisse Flecken in 10 Gemeinden

Dies verwundert nicht: Denn auf der kantonalen Karte des Biolandbaus gibt es noch einige weisse Flecken (siehe Grafik). Wie das kürzlich erschienene Jahrbuch 2016 von Lustat Statistik Luzern zeigt, haben die Gemeinden Altishofen, Büron, Eich, Ettiswil, Mauensee, Nebikon, Rain, Rickenbach, Schlierbach und Wikon eines gemeinsam: Sie zählten 2014 offenbar keinen einzigen Biohof.

«Etwas gestaunt» über diese Ergebnisse hat Josef Bircher aus Malters, Präsident von Bio Luzern. «Einige dieser weissen Flecken haben sich mittlerweile eingefärbt», sagt er und lacht. In Schlierbach, Büron, Rain und Mauensee hätten im letzten Jahr Betriebsumstellungen gestartet. «Die Statistik hinkt der Realität hinterher.» Beim Fall Rickenbach spielt der Postkreis der Auswertung einen Streich. Zwar existieren dort vier Biohöfe, jene gehören politisch aber zu Beromünster.

Der Verein Bio Luzern peilt an, in jeder Gemeinde einen Hof vorweisen zu können. «Wenn ein Bauer umstellt, hat das Signalwirkung. Biolandwirte vor Ort sind unsere besten Werbeträger.» Allerdings passiere dies nicht von heute auf morgen. Am ehesten werde eine Umstellung nach einem Generationenwechsel zum Thema. «Übernehmen junge Landwirte das Ruder, machen sie sich konkret Gedanken über die künftige Strategie.»

Tourismus fördert Biobetriebe

Am anderen Ende der Skala – an der Spitze – reiht sich Vitznau ein. Über zwei Drittel der 22 Höfe in der Seegemeinde haben sich dem biologischen Landbau verschrieben. Dies sei wohl dem örtlichen Verkehrsverein zu verdanken, sagt Josef Bircher. «Aus Imagegründen hielt er die Bauern an, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben.» Hinzu kam: Mit der Baer AG in Küssnacht am Rigi gibt es einen Milchverarbeiter in der Nähe, der Bauern bei der Umstellung auf Bio unterstützte. «Dass man in der Nähe einen Abnehmer wusste, begünstigte eine Umstellung.» Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes, findet noch einen weiteren Erklärungsabsatz. «Vitznau lebt vom Tourismus. Die Direktvermarktung nimmt einen hohen Stellenwert ein und ist für dortige Landwirte interessant.»

Stadt und Agglo sind bioaffin

Der florierende Verkauf ab Hof dürfte auch der Grund sein, weshalb sich in der Stadt und im Agglomerationsgürtel überdurchschnittlich viele Biobetriebe finden. «Kunden aus urbanen Gebieten schätzen Güter aus der Region und kaufen gerne Bioprodukte ein», sagt Bircher. Mit Direktvermarktung könne auch ein kleiner Betrieb genügend Wertschöpfung generieren, um die Existenz zu sichern. «Die Grösse, die es braucht, um im konventionellen Markt zu bestehen, ist im Kanton Luzern schwierig zu erreichen.» Überdies gelte: Mit den Einschränkungen bei den Ammoniakemissionen bewege sich der konventionelle Bauer in einem engen Korsett. «Wer Biolandbau betreibt, kann mit kleinerer Struktur einen neuen Betriebszweig aufbauen.» Ein Biobauer könne einen Normstall für 2000 Legehennen bauen und finde sofort einen Eierabnehmer. «Ähnliche Marktchancen existieren im Biobereich im Ackerbau und in den Spezialkulturen.»

«Kunde ist bereit, mehr zu zahlen»

Dass es im Biobereich eher noch Entwicklungspotenzial gibt, betont auch Jakob Lütolf: «Im Biobereich ist der Kunde noch bereit, für den effektiven Wert des Produkts zu zahlen. Das ist im konventionellen Bereich nicht mehr der Fall.» Allerdings gelte auch hier: Nachfrage regelt das Angebot. «Nur Bio zu betreiben um des Bios willen, bringt nichts.» Lütolf führt in Wauwil derzeit einen Hof in Betriebsgemeinschaft in der Grösse von 39 Hektaren – mit Aufzuchtrindern, Milchkühen, Futterbau und Ackerbau. Gut möglich, dass sein Hof dereinst der zweite Biobetrieb der Gemeinde wird. «Wir prüfen derzeit, ob wir auf Bio umstellen», sagt Lütolf. Das Thema werde in einer Diplomarbeit mit Eckdaten seiner Betriebsgemeinschaft vertieft. «Wir machen eine Auslegeordnung mit einer langfristigen Strategie. Denn den Biomilchpreis erhält man frühstens zwei Jahre nach Umstellung, zudem gibt es zeitweise eine Warteliste. Dies muss einkalkuliert werden.»

Wachstum in kleinen Schritten

Der Anteil Biobetriebe hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, allerdings auf tiefen Niveau. 2013 waren es 6,8 Prozent oder 328 Betriebe. 2004 zählte der Kanton Luzern 307 zertifizierte Biobetriebe, dies entspricht rund 6 Prozent aller Höfe. Obwohl der Verein Bio Luzern die Umstellung fördert, Flurgänge organisiert und entsprechende Beratungen finanziell unterstützt, beginnt die Knospe nur spärlich zu blühen. Zum einen ist im Luzernischen der Anteil an Ackerbau relativ hoch. Unkrauttilgung und Schädlingsbekämpfung sind bei Knospe-Richtlinien mit grossem Aufwand verbunden. Zum anderen pflegt der Luzerner Bauer gemeinhin eine tierintensive Landwirtschaft. «Gerade im nördlichen Kantonsteil setzen viele Bauern auf Schweinezucht», sagt Bircher. Doch das Halten von Bioschweinen sei «eine Königsdisziplin und dementsprechend wenig verbreitet». Die Gründe dafür? Biofutter kostet rund einen Viertel mehr. Viele synthetische Komponenten des konventionellen Kraftfutters sind im Biolandbau verboten, was die Säugezeit verlängert. Und alle Tiere brauchen Auslauf. Kurzum: Der Arbeitsaufwand ist wesentlich höher.

Bei der Umstellung auf Bio kann ein Betrieb oft weniger Tiere halten als zuvor, womit die Auslastung der Ställe geringer ausfällt. Jakob Lütolf sagt: «Im Luzernischen existieren viele eher kleinstrukturierte Betriebe.» Statt einen «landwirtschaftlichen Gemischtwarenladen» zu führen, spezialisiere sich der Luzerner Bauer. «Investitionen und Know-how konzentrieren sich aus wirtschaftlichen Gründen mehr und mehr auf einen Betriebszweig. Denn was letztlich zählt, ist die Leistung. Doch leider reicht diese im Hochlohnland Schweiz immer seltener aus, um genügend Wertschöpfung zu generieren.»

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