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Luzerns langer Weg zur Energiewende

Die CKW bezieht über die Hälfte ihres Stroms aus Atomkraft. Damit wird in 20 Jahren Schluss sein. Doch die Energiewende stellt ein jahrzehntelang bewährtes System auf den Kopf. Deshalb baut die CKW nicht nur neue Solarzellen, sondern investiert neuerdings in grosse Speicherbatterien.
Robert Knobel
Der Anteil an Solarstrom wächst - wenn auch noch auf sehr tiefem Niveau. Eine Luftaufnahme der Überbauung Mattenhof in Kriens. (Bild Pius Amrein, 25. April 2019)

Der Anteil an Solarstrom wächst - wenn auch noch auf sehr tiefem Niveau. Eine Luftaufnahme der Überbauung Mattenhof in Kriens. (Bild Pius Amrein, 25. April 2019)

Die Zahlen sind eindrücklich: 36 Prozent der Schweizer Stromproduktion stammen heute aus Atomkraft – doch bis in gut 20 Jahren soll dieser Anteil auf Null sinken. Das sieht die Energiestrategie 2050 des Bundes vor. Gleichzeitig geht die Klimajugend auf die Strasse und fordert eine drastische Reduktion des CO2-Ausstosses. Kein Zweifel: Die Energiewende scheint nicht mehr aufzuhalten. «Wir sind aber noch ganz am Anfang einer Wende», relativiert Martin Schwab, CEO der Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW). Der Weg dorthin sei noch sehr lang. «Viele glauben, man müsse bloss einen Energieträger durch einen anderen ersetzen», sagt Schwab. Tatsächlich zeigen etwa Berechnungen von Swisssolar, dass alle Dächer der Schweiz ein Energiepotenzial haben, das der Leistung der fünf Atomkraftwerke entspricht. Bloss: Der grösste Teil davon würde im Sommer anfallen, wenn ohnehin schon mehr Strom vorhanden ist als die Schweiz verbraucht.

Die grosse Herausforderung ist daher nicht allein, genügend Produktionskapazitäten für alternative Energien zu schaffen, sondern vor allem auch die Stabilität des Stromsystems aufrecht zu erhalten. Denn die Energiewende stellt ein seit Jahrzehnten bestens eingespieltes System von Wasser- und Atomkraft auf den Kopf, bei dem im Winter Strom importiert, und im Sommer exportiert wird.

Wenn die Sonne scheint, wird die Batterie aufgeladen

«Wegen der Zunahme der unregelmässig einspeisenden Solar- und Windenergie werden wir in Zukunft deutlich grössere und kurzfristigere Schwankungen haben», sagt Martin Schwab. Um diese auszugleichen, setzen die Energieversorger zunehmend auf Speichersysteme. So hat die CKW zusammen mit dem Mutterkonzern Axpo vor wenigen Wochen in Rapperswil eine Batterie installiert. Diese besteht aus zwei Containern mit einem Gesamtgewicht von 67 Tonnen. Die Batterien speichern überschüssige Energie und stellen diese bei Bedarf wieder zur Verfügung. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität beim Ausbau erneuerbarer Energien. Die Batterie liefert etwa eine Stunde lang eine Leistung von 2 Megawatt. Dann ist sie leer. «Um die künftigen Schwankungen auszugleichen, braucht es einen massiven Ausbau der Speicherkapazitäten», sagt Martin Schwab.

Zwei solche Container dienen künftig als Super-Batterie - unter anderem für überschüssigen Solarstrom. (Bild pd)

Zwei solche Container dienen künftig als Super-Batterie - unter anderem für überschüssigen Solarstrom. (Bild pd)

Gefragt sind dabei nicht nur Gross-Batterien, die von den Stromkonzernen betrieben werden. Martin Schwab erwartet, dass Batteriesysteme auch bei Privathaushalten eine zunehmend wichtige Rolle spielen werden: Wer eine Solaranlage auf dem Dach mit einer Speicherbatterie im Keller kombiniert, erlangt energiemässig eine beachtliche Unabhängigkeit. Wird also der Netzbetreiber irgendwann überflüssig? Auf keinen Fall, sagt Martin Schwab. Denn insbesondere im Winter nützt die beste Batterie wenig, wenn wochenlang keine Sonne scheint. Dennoch sei es durchaus im Interesse der CKW, wenn Besitzer von Solaranlagen möglichst viel von ihrem produzierten Strom selber verbrauchen und so ein Stück weit autonomer werden. Das verringere den Druck auf das Gesamtsystem und trage zur Stabilität bei.

Effizienter Stromverbrauch dank künstlicher Intelligenz

Doch Batteriespeicher allein genügen nicht, um die Stabilität des Stromsystems dereinst ohne AKW sicherzustellen. «Wir werden uns künftig viel stärker überlegen müssen, wann genau und wofür wir Strom konsumieren wollen», sagt Schwab. Die Hoffnungen ruhen dabei auf künstlicher Intelligenz. So könnten die Haushaltgeräte so programmiert werden, dass sich die Waschmaschine genau dann einschaltet, wenn die Solarzellen auf dem Dach viel Strom produzieren. Wenn dann plötzlich ein paar Wolken aufziehen, könnte der Kühlschrank für einige Minuten auf Standby schalten und bei genügend Sonne den Betrieb wieder aufnehmen. Vorausgesetzt, das System ist ausgereift, hätte dies kaum Komfort-Einbussen zur Folge. Zusätzliche Dringlichkeit könnten solche intelligenten Stromsysteme angesichts des Elektroauto-Booms erhalten. Martin Schwab betont zwar, dass die CKW auch einen deutlichen Anstieg der Elektromobilität meistern könnte. Trotzdem würde das Stromnetz irgendwann an seine Grenzen kommen, wenn etwa Tausende Luzerner nach Feierabend gleichzeitig ihr Auto aufladen.

Was kommt nach dem Atom-Zeitalter?

Der Atomausstiegs-Fahrplan des Bundes sieht vor, dass die Kraftwerke solange betrieben werden dürfen, wie sie sicher sind. Für das KKW Gösgen ist mit einer Stilllegung Ende der 30er-Jahre zu rechnen, dasjenige in Leibstadt ein paar Jahre später. Von beiden Atomkraftwerken bezieht die CKW rund die Hälfte ihres Stromes (siehe Tabelle). Man hat also noch ein paar Jahre Zeit, um für das Nach-Atomzeitalter vorzusorgen. Die Frage, wie der wegfallende Strom ersetzt wird, könne die CKW letztlich aber nicht allein beantworten, betont Martin Schwab.

«Das muss die Politik entscheiden. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie hoch unser Selbstversorgungsgrad in der Schweiz im Winter sein soll.»

Denn in der kalten Jahreszeit war die Schweiz bisher besonders stark auf den Atomstrom angewiesen, weil die Wasserkraft nur wenig liefert. Fällt der Atomstrom weg, kann er entweder mit zusätzlichen Importen ersetzt werden – oder mit Gaskraftwerken, die jedoch zusätzlich CO2 ausstossen. Der Ausbau der Solarenergie kann auch im Winter einen Beitrag leisten; ein vollständiger Ersatz der Kernenergie durch Solarenergie ist aber gemäss Schwab nicht möglich.

Der Wind hätte ein grosses Potenzial. Hätte...

Im Gegensatz dazu wäre die Windkraft bestens geeignet, auch im Winter zuverlässig Strom zu liefern. Doch der CKW-Chef bezweifelt, dass die vom Bund avisierten 800 Windräder jemals auf Schweizer Boden stehen werden. Zu gross ist der Widerstand in den betroffenen Gemeinden. «Es gibt in der Schweiz zurzeit 37 Windräder. Und seit 2017 ist kein einziges mehr hinzu gekommen», bringt Schwab die Situation auf den Punkt. Wie harzig der Ausbau der Windenergie verläuft, muss die CKW selber auf dem Lindenberg im Seetal erfahren, wo ein Projekt mit vier Windturbinen auf Widerstand von Teilen der Bevölkerung stösst.

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