LAUSANNE/LUZERN: Ex-Direktor von Anliker muss definitiv für vier Jahre hinter Gitter

Das Bundesgericht hat die Verurteilung des ehemaligen Direktors der Luzerner Baufirma Anliker AG zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren bestätigt. Der Verurteilte zweigte mit fingierten Rechnungen 7 Millionen Franken für sich und seine Familie ab.

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Das Bundesgericht entschied im Rahmen eines Unterhaltsstreits: Kein Anspruch auf Übernahme der Wohnkosten. (Bild: Christian Brun/Keystone)

Das Bundesgericht entschied im Rahmen eines Unterhaltsstreits: Kein Anspruch auf Übernahme der Wohnkosten. (Bild: Christian Brun/Keystone)

Um seiner Familie einen luxuriösen Lebensstil mit teuren Autos, Schmuck, Ferienliegenschaften, Booten und exklusiven Ferien zu finanzieren, hatte ein Kadermann der Anliker AG mit Sitz in Emmen insgesamt 7 Millionen Franken illegal abgeknöpft. Die Masche war einfach: Der fünffache Familienvater gründete zusammen mit seiner Frau eine Gesellschaft für Unterlagsböden und Hartbetonbelag. Ab dem Jahr 2005 stellte diese Firma der Anliker AG Rechnungen für angeblich erbrachte Bauleistungen. In Tat und Wahrheit fanden gar keine Arbeiten statt. Sieben Jahre ging das gut. Im Januar 2012 fiel der Schwindel auf. In dieser Zeit hatte der Kadermann seinem Arbeitgeber 35 fiktive Rechnungen über 7 Millionen Franken in Rechnung gestellt, welche das Emmenbrücker Bauunternehmen ohne Prüfung bezahlt hatte.

Das Luzerner Kantonsgericht verurteilte den Ex-Direktorin Bestätigung eines Urteils des Kriminalgerichts wegen gewerbsmässigen Betruges und mehrfacher Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Zudem wurde der Verurteilte verpflichtet, der Anliker AG den ergaunerten Betrag zurückzubezahlen. Eine gegen das Urteil eingereichte Beschwerde des Ex-Direktors hat das Bundesgericht jetzt vollumfänglich abgewiesen. Dabei hatte sein Anwalt das ganze Register gezogen, um für seinen Mandanten eine mildere Strafe zu erlangen. Genützt hat es nichts.

Rechnungen im sechsstelligen Bereich

So behauptete der Verurteilte, sein Vorgehen sei nicht raffiniert oder listig gewesen, da er mangels Kontrolle durch die Anliker AG die Betrügereien auf sehr einfachem Wege habe begehen können. Innerbetriebliche Organisationsmängel müsse er nicht mittragen. Zwar räumt das Bundesgericht ein, es sei bemerkenswert, dass der Anliker AG die fälschlicherweise überwiesenen Beträge nicht aufgefallen seien, zumal diese jeweils im sechsstelligen Bereich gelegen hätten. Für die Richter ist allerdings auch klar, dass der Ex-Direktor alles daran gesetzt hatte, um seinen Arbeitgeber von einer effektiven Kontrolle abzuhalten. Er habe die betriebsinternen Abläufe und Zuständigkeit bestens gekannt und dank seiner leitenden Stellung darauf hinwirken können, dass die fiktiven Rechnungen ohne Rückfragen beglichen wurden.

Kein Verständnis zeigte das Bundesgericht auch für das Argument des Kadermannes, er habe einen relativ niedrigen Lohn erhalten, der bei fünf Kindern, die Privatschulen besucht hätten, nicht ausgereicht hätte. Dem Verwaltungsratspräsidenten der Baufirma hätte deshalb auffallen müssen, dass etwas nicht stimmt. Bei einem Lohn zwischen 377'000 und 732'000 Franken pro Jahr erachteten die Richter dieses Argument jedoch als nicht stichhaltig. Ähnliches gilt für die Behauptung, er habe weder aus finanziellen Motiven noch in Bereicherungsabsicht gehandelt; es sei ihm nur darum gegangen, seinen Kindern eine gute akademische Ausbildung zu ermöglichen. Seine «Mankozeiten» bei der Familie habe er mit Geschenken zu kompensieren versucht. Er habe sich «in einer Art finanzieller respektive emotionaler Notlage» und «aufgrund des familiären Drucks am Rande der verminderten Schuldfähigkeit befunden».

In erheblichem Masse bereichert

All diese Argumente fanden beim Bundesgericht kein Gehör. Vor allem auch die Behauptung, die Folgen seiner Tat seien nicht gravierend gewesen, da die Deliktsumme von 7 Millionen Franken angesichts der äusserst guten Geschäftslage der Anliker AG erheblich relativiert werde, rief bei den Bundesrichtern – bildlich gesprochen – nur Kopfschütteln hervor. 7 Millionen Franken sind eine sehr hohe Deliktsumme, an der sich der Ex-Direktor in erheblichem Masse bereichert hat, heisst es im Urteil aus Lausanne.

Keinen Grund zur Strafmilderung sah das Bundesgericht im Argument des heute 62-Jährigen, sein Alter, die bevorstehende Pensionierung und die nach wie vor bestehenden Unterstützungspflichten gegenüber zwei Kindern müssten zu seinen Gunsten berücksichtigt werden. «Dass die Straftaten kurz vor der Pensionierung entdeckt wurden, ist zwar für den Beschwerdeführer ungünstig. Letztlich hat er sich dies allerdings selber zuzuschreiben.» Damit steht fest, dass der Ex-Direktor die vierjährige Freiheitsstrafe absitzen muss, soweit er diese nicht bereits in der Untersuchungshaft erstanden hat.

Urs-Peter Inderbitzin

region@luzernerzeitung.ch

 

Hier gelangen Sie zum vollständigen Urteil.