Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kajakangler: Lautlos den Raubfischen im Vierwaldstättersee nach

In den USA längst ein Trend, kommt das Kajakfischen nun auch in die Schweiz. Philipp Flatau ist einer der wenigen, der mit seinem Spezialkajak im Luzerner Seebecken fischt. Ein Hightechgerät, das er nie gegen ein «normales» Boot tauschen würde.
Philipp Flatau mit seinem speziell modifizierten Kajak. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 18. Mai 2018))

Philipp Flatau mit seinem speziell modifizierten Kajak. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 18. Mai 2018))

Heute ist ein schöner Tag zum Fischen. Es ist Freitagmorgen, sechs Uhr, Philipp Flatau sitzt auf seinem Kajak und gleitet durchs spiegelglatte Wasser des Vierwaldstättersees. Hinter der Rigi geht die Sonne langsam auf und taucht das Luzerner Seebecken in ein orange-gelbes Licht. Bis auf ein paar Ruderer hat es noch kein Bootsverkehr. «Diese Stimmung. Wahnsinn. Noch Fragen, warum ich gerne hier draussen bin?», fragt Flatau und montiert einen Gummifisch an seinen Haken.

Philipp Flatau, 36 Jahre alt, ist ein Kajakangler. Er ist mit einem Kajak unterwegs, das speziell fürs Fischen gebaut wurde. Ein High­techboot, 40 Kilogramm schwer, gut 4 Meter lang und 72 Zentimeter breit. Kostenpunkt: 3500 Franken. Wie bei einem Pedaloboot kann Flatau mit den Füssen in die Pedale treten und sein schnittiges Kajak auf bis zu 10 Stundenkilometer beschleunigen. Links und rechts hat es Halterungen für die Ruten, Flatau hat in der Regel drei Stück dabei – je nach Grösse des Köders eine andere. Damit er auch bei Wind und durch die Kursschiffe verursachten hohen Wellengang draussen sein kann, hat er zusätzlich Stabilisatoren an seinem Kajak angebracht.

Wenn der Hai ans Kajak kommt

In den USA sind solche Angelkajaks längst zum Trend geworden. Insbesondere TV-Sendungen wie «Pacific Warriors» haben zu deren Popularität beigetragen. Zu sehen sind dort Extremangler, die vor der Küste Hawaiis bei rauem Seegang mit ihren Kajaks spektakulär Grossfische wie Marlin oder Thunfische angeln. Nicht selten kommen ihnen dabei Haie gefährlich nahe.

Flataus Zielfische sind selbstredend etwas kleiner. Der Hecht, den er am liebsten fischt, kann mit einer Grösse von bis zu 1,40 Meter immerhin auch ganz schön zu einem Brocken werden. Für sein Spezialkajak sei das aber kein Problem. Durchschnittlich 70 Zentimeter gross seien die Raubfische, die er an einem guten Tag fängt. Der bisher grösste im Vierwaldstättersee, den er seit August letzten Jahres mit dem Kajak befischt, mass 90 Zentimeter.

Ohne Fang gehe er in der warmen Jahreszeit fast nie nach Hause. «Wenn man das Gewässer ein bisschen kennt und weiss, wo sie stehen, ist das kein Problem.» Mit seinem Kajak könne er sich im Gegensatz zu einem Boot lautlos solchen Stellen nähern. «Ich geniesse es, dass kein Motor stört und es ein sehr stilles Fischen ist», sagt Flatau, der sein Hobby bald zum Beruf machen und als Angestellter einer Fischzucht arbeiten wird.

Angefangen mit dem Fischen hat der gebürtige Deutsche, der in Luzern lebt, im Alter von sechs Jahren. Mit seinem Onkel sei er zum örtlichen Baggersee in Nordrein-Westfalen gefahren. «Der Reiz des Fischens macht eben aus, dass man gerade nicht weiss, was passiert», sagt Flatau. Die Spannung, die Überraschung, wenn die Spitze der Rute zuckt, dann das Adrenalin beim Drill. Deshalb sei der zweifache Familienvater in jeder freien Sekunde draussen auf dem See.

Fast genauso wichtig wie seine Fänge ist es ihm, das Erlebte auf Videos festzuhalten und in sozialen Medien zu teilen. Unter dem Pseudonym «fischfreak» hat er eine eigene Facebook-Seite und einen Youtube-Kanal. Seine Angeltrips dokumentiert er mit drei Gopro-Kameras, die er am Kajak befestigt.

Mit Videos zum «Fischfluencer»

«Es ist heutzutage nicht einfach, mit Fischervideos Aufmerksamkeit zu bekommen. Es gibt sehr viele Fischerkanäle», sagt Flatau. Und man müsse schon auch aufpassen, was für Bilder man zeige. Sei ein Fisch beispielsweise blutverschmiert, gäbe es sofort viele Hasskommentare. «Ich finde es schon wichtig, dass man einen Fisch putzt, bevor man ihn zeigt. Das hat auch mit Respekt zu tun.»

Mittlerweile ist Flatau in der Fischercommunity kein Unbekannter mehr. Er ist sozusagen ein «Fischfluencer», der von Herstellern von Fischereimaterialien Köder gratis zur Verfügung gestellt bekommt. «Der Deal ist, dass ich dann ein Video mache.»

Noch ist Philipp Flatau mit seiner Kajakanglerei auf dem Vierwaldstättersee einer der Pioniere. Doch er ist überzeugt, dass auch in der Schweiz die Nachfragen steigen wird. Bootsplätze seien rar. Ein Kajak lasse sich mit dem Auto transportieren und relativ schnell einwassern. «Es werden sicher noch mehr dem Reiz des Kajakangelns verfallen. Es ist einfach sowohl Entspannung als auch Spannung pur.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.