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LEBENSMITTEL: Jeder zehnte Betrieb nicht sauber

Bei 157 von 1519 regulär kontrollierten Betrieben hat der Kanton erhebliche Mängel festgestellt. Immer öfter ein Problem: Etikettenschwindel.
Alexander von Däniken
Blick in eine Restaurantküche: Kontrolliert wird, ob die Produkte richtig gekühlt und nicht verdorben sind. (Symbolbild Getty)

Blick in eine Restaurantküche: Kontrolliert wird, ob die Produkte richtig gekühlt und nicht verdorben sind. (Symbolbild Getty)

Alexander von Däniken

Im schlimmen Fall verderben sie den Appetit, im schlimmsten Fall gefährden sie die Gesundheit: Lebensmittel. Darum gelten schweizweit strenge Qualitäts- und Sicherheitsregeln – vom Dessert, das im zu warmen Kühlschrank liegt, bis zum Fleisch, das aus einem anderen Land stammt als deklariert. 1650 Inspektionen hat die kantonale Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz letztes Jahr durchgeführt, davon wurden 1519 Betriebe im Rahmen von regelmässigen Kontrollen inspiziert (Ausgabe vom 15. April).

Ein Blick ins Bulletin der Lebensmittelkontrolle verrät: Von den 1519 kontrollierten Betrieben – vom Nahrungsmittelproduzenten bis zum Pflegeheim – geht bei 157 eine «erhebliche» Gefahr aus. Das entspricht einem Anteil von 10,3 Prozent, was deutlich über dem Durchschnitt der letzten Jahre liegt (siehe Tabelle). Bei 9 Betrieben wurde sogar eine grosse Gefahr ausgemacht. Gemäss Kantonschemiker und Dienststellenleiter Silvio Arpagaus werden in solchen Fällen beispielsweise verdorbene Lebensmittel vorgefunden, Kühltemperaturen nicht eingehalten und weitere grundlegende hygienische Anforderungen nicht erfüllt. «In diesen Fällen werden stets Sofortmassnahmen wie Beschlagnahmung der Ware oder Produktionsverbot eingeleitet. Damit stellen wir sicher, dass vom Betrieb kein Risiko ausgeht.»

Neues System eingeführt

Als Grund, weshalb letztes Jahr anteilsmässig mehr Betriebe schlechte Noten bekommen haben, erklärt Arpagaus: «2015 wurde das neue, erweiterte gesamtschweizerische Inspektionssystem angewendet. In dieses fliessen nun auch Aspekte wie das Täuschungspotenzial der abgegebenen Produkte oder die fachliche Kompetenz der Betriebsverantwortlichen mit ein. Diese neuen Aspekte werden damit stärker gewichtet als bisher.»

Das ist auch ein Grund, weshalb im Detailhandel der Anteil der schwarzen Schafe von rund 1 auf 6,4 Prozent angestiegen ist. Zwei Beispiele des Etikettenschwindels: Beim Grana Padano handelt es sich oft um irgendeinen Hartkäse, beim Prosciutto di Parma um einen beliebigen billigen Schinken. Trotzdem bilden die sogenannten Kollektivverpflegungsbetriebe noch immer die Mehrheit der bemängelten Betriebe. 101 der 157 Betriebe betreffen demnach Kantinen, Restaurants und Take-away-Restaurants.

Küche geschlossen

In einem gravierenden Fall haben die Inspektoren ein Importverbot verhängt (siehe Box), in einem anderen Fall haben sie einem Betrieb ein Benützungsverbot für die Küche auferlegt. «Das Verbot musste infolge der vorgefundenen Situa­tion umgehend ausgesprochen werden. Es erfolgt bis anhin kein Antrag auf Aufhebung – das Verbot ist also noch immer in Kraft», so Arpagaus. Details zum Betrieb gibt er mit Verweis auf die Schweigepflicht nicht bekannt. Bei den Inspektionen nimmt die Lebensmittelkontrolle auch Proben: 6600 verschiedene Lebensmittel, Trinkwasserproben und Gebrauchsgegenstände wurden letztes Jahr untersucht. 590 Proben waren nicht in Ordnung, weil sie nicht den qualitativen und den hygienischen Standards entsprachen. In den allermeisten Fällen habe dies aber keinen Einfluss auf die Sicherheit, sagt Arpagaus.

Trotz der beschriebenen Fälle stellen Arpagaus und sein Team den Luzerner Lebensmittelbetrieben ein gutes Zeugnis aus: «Die Betriebe halten sich grossmehrheitlich an die Vorgaben, bei den Problembetrieben handelt es sich um Einzelfälle.» Deshalb werden gute Betriebe auch seltener inspiziert als Betriebe, die schon früher negativ aufgefallen sind.

Importverbot wegen Pestiziden

Ein Luzerner Importbetrieb darf bis auf weiteres weder Gemüse noch Gewürze einführen. Grund: Die Lebensmittelkontrolleure haben in mehreren aus Asien stammenden Produkten zuhanden des Importeurs Pestizide nachgewiesen. Ein Produkt musste gar wegen hoher Rückstände eines Insektizides als gesundheitsgefährdend beurteilt werden, wie die Luzerner Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz in ihrem aktuellen Jahresbericht schreibt. Der Betrieb hat seine Pflicht nicht wahrgenommen; er hätte prüfen sollen, ob die durch ihn importierte Ware in Ordnung ist.

«Generelles Problem»

Gegen die Firma wurde Strafanzeige eingereicht. Das Importverbot gilt so lange, bis die Anforderungen erfüllt werden. Exotisches Gemüse und Früchte aus Asien weisen vergleichsweise oft erhöhte Pestizidwerte auf. Der Luzerner Kantonschemiker Silvio Arpagaus erklärt: «Die mehrjährigen Daten des Bundes zeigen, dass es sich dabei um ein generelles Problem handelt.»

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