Leere Betten in Luzerner Asylzentren: Zahlen der Asylsuchenden auf dem Tiefststand

Die grosse Flüchtlingswelle ist passé: Ende 2018 beherbergte der Kanton Luzern so wenige Asylsuchende wie schon seit über drei Jahren nicht mehr. In vielen Zentren gibts zahlreiche leere Betten.

Evelyne Fischer
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Das Asylzentrum Grosshof in Kriens. (Bild: Nadia Schärli (24. November 2017))

Das Asylzentrum Grosshof in Kriens. (Bild: Nadia Schärli (24. November 2017))

2015 musste der Kanton Luzern monatlich durchschnittlich 160 neu ankommende Asylsuchende unterbringen. Im letzten Jahr brauchte er für Neuzuweisungen pro Monat im Schnitt weniger als 40 Plätze. Auch mit Blick auf den Gesamtbestand ist die Zahl der Asylsuchenden stark rückläufig: Die provisorische Bilanz der kantonalen Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen weist per Ende 2018 873 Asylsuchende aus – so wenige wie seit Juni 2015 (867) nicht mehr.

Weil sich der Rückgang abzeichnete, beschloss der Kanton letzten Sommer das Ende des Durchgangszentrums Hirschpark in Luzern, des Aufenthaltszentrums in Oberkirch und des Asylzentrums in Ebikon. «Alle Einrichtungen wurden bereits vor Weihnachten geschlossen», sagt Dienststellenleiterin Silvia Bolliger. «Die meisten Bewohnenden konnten in eine Wohnung umziehen, eine Minderheit wurde in ein anderes Asylzentrum transferiert.» Mit der Schliessung dieser Zentren fielen 230 Plätze weg. Aktuell stehen deren 635 zur Verfügung, sie sind zu 79 Prozent ausgelastet. Zum Vergleich: Im Sommer lag die Auslastung noch bei rund 85 Prozent.

Belegung der Luzerner Asylzentren per Ende 2018

Plätze insgesamt Bestand Auslastung in Prozent
Sonnenhof Emmen 180 148 82
Rothenburg 160 143 89
Grosshof Kriens 120 91 76
Geuensee 70 42 60
Buttisholz 70 56 80
Fischbach 35 24 69
Total Plätze 635 504 79

«Asylstrategie lässt sich ab März konsequent umsetzen»

2019 dürfte die Zahl der Asylgesuche weiter abnehmen. Grund dafür ist eine Neustrukturierung auf Bundesebene: Ab 1. März wird im Schweizer Asylwesen das Tempo erhöht, die beschleunigten Verfahren treten in Kraft. Asylsuchende, die in der Schweiz ankommen, stellen ihr Gesuch in einem der sechs regionalen Bundesasylzentren. Hier können sie neu in der Regel 140 Tage bleiben. Gemäss Staatssekretariat für Migration (SEM) sollen künftig rund 75 Prozent aller Gesuche während dieser Zeit entschieden werden. Personen, deren Gesuch weitere Abklärungen benötigt, werden wie bisher auf die Kantone verteilt; das sogenannte erweiterte Verfahren beginnt.

«Wir rechnen damit, dass die Verfahren der uns zugewiesenen Asylsuchenden mit der Neustrukturierung spätestens nach einem Jahr definitiv abgeschlossen sind», sagt Silvia Bolliger. «Damit können wir künftig die Asylstrategie 2016 konsequent umsetzen und Asylsuchende während des gesamten Verfahrens in einem kantonalen Zentrum unterbringen.» Nach Luzern kommen auch jene Personen aus dem beschleunigten Verfahren, die bereits im Bundeszentrum einen Entscheid erhalten haben. Sie werden für rund drei Monate in einem Asylzentrum beherbergt. «Diese Phase ist wichtig, um Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene mit unseren Verhältnissen vertraut zu machen. Sie sollen sich in dieser Zeit erste Deutschkenntnisse aneignen, das Gesundheitswesen sowie unsere Sitten und Gebräuche kennen lernen und die Wohnfähigkeit erlangen.»

«Das Aufenthaltszentrum Geuensee mit 70 Plätzen wird planmässig Ende August geschlossen.»

Silvia Bolliger, Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen

Ausgehend von Modellrechnungen des Bundes dürfte Luzern langfristig zwischen 300 bis 400 Asylplätze benötigen. Die Zahlen sind volatil: Noch im Sommer rechnete der Kanton mit 400 bis 500 Plätzen, gestützt auf die Kalkulationen des SEM. «Wir hoffen, bis Ende 2019 eine definitive Bedarfsberechnung vornehmen zu können», sagt Bolliger. Zusätzliche Zentren werden nun aber nicht geräumt. «Wir haben noch einen grösseren Bestand an Asylsuchenden im ‹altrechtlichen› Verfahren, der sich erst im Verlaufe des 2019 abbauen wird. Diese müssen wir weiterhin unterbringen können. Planmässig wird aber das Aufenthaltszentrum Geuensee mit 70 Plätzen Ende August geschlossen.» Beibehalten wird auch die Reserve von 100 Asylplätzen in Horw: «Bis auf Weiteres wird eine nochmalige Nutzung von maximal zwölf Monaten möglich sein.»

Personalbestand bleibt bei knapp 200 Angestellten

Punkto Personal im Asyl- und Flüchtlingswesen dürfte es gemäss Bolliger 2019 keine grossen Veränderungen geben. Aktuell hat sie 193 Angestellte unter sich. «Da der Bestand an Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen wegen der hohen Schutzquote nochmals ansteigen wird, verlagern sich die Pensen von den Asylzentren zum Sozialdienst.» Die Schutzquote bezeichnet den Anteil Asylgewährungen und vorläufigen Aufnahmen. Luzern zählte per Ende November rund 3500 vorläufig Aufgenommene und Flüchtlinge.

Mit der Schliessung der drei Asylzentren per Ende 2018 haben 19 Mitarbeiter die Stelle verloren. «Eine Person konnte mit einer Festanstellung weiterbeschäftigt werden, fünf Personen erhielten befristete Anstellungen zwischen drei und zwölf Monaten», sagt Bolliger. Fünf ehemalige Kantonsangestellte hätten extern eine neue Arbeitsstelle gefunden.

Vom Asylzentrum zur jugendpsychiatrischen Station

Per 1. Januar hat die Luzerner Psychiatrie (Lups) das Gebäude des Durchgangszentrums Hirschpark in Luzern übernommen. Nach einer Teilsanierung will die Lups hier ab Mitte 2019 ein jugendpsychiatrisches Akutangebot mit 14 Plätzen in Betrieb nehmen. Sie möchte mit der neuen Station einerseits dem Belegungsdruck in der Akutpsychiatrie für Erwachsene begegnen und andererseits ein dringend notwendiges Angebot im Jugendbereich realisieren. Nähere Angaben zu den Kosten seien «erst im Laufe des Jahres möglich», sagt Lups-Sprecher Thomas Lemp auf Anfrage. Wie die Immobilie Hirschpark mittel- und langfristig genutzt wird, zeige sich im Zuge des Strategieprozesses 2025/30. Klar ist: Es wird eine Totalsanierung des Gebäudes nötig sein. (fi)

Leere Betten in Asylunterkünften

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Othmar von Matt

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