Legionellen: Fälle nehmen weiter zu, doch der Trend verlangsamt 

Noch vor einem Jahr schlugen Bund und Kantone Alarm: Die Legionärskrankheit – ausgelöst durch Legionellen – war auf dem Vormarsch. Ein Jahr später nehmen die Fallzahlen weiter zu, jedoch nicht mehr so rasant wie zuvor.

Martina Odermatt
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Sie sind winzig, sorgten aber vor gut einem Jahr für mächtig Wirbel: Legionellen. Wer die kleinen, stabförmigen Bakterien, die im Wasser leben, einatmet, erkrankt an der Legionärskrankheit. In 5 bis 15 Prozent der Fälle kann dies gar tödlich enden. 

Das sind die Symptome

Eine Infektion mit Legionellen kann laut Experten, neben einem symptomlosen Verlauf, zu zwei verschiedenen Erkrankungen führen: dem Pontiac-Fieber, das eine grippeähnliche Krankheit ist und meist harmlos verläuft, und der Legionärskrankheit. Diese beginnt mit grip­peähnlichen Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfweh und Bauchschmerzen. Daneben leiden rund 50 Prozent der Patienten unter Verwirrtheit oder Schwindel, und weniger als 50 Prozent haben Durchfall und Brechreiz. Diese Symptome können von einem Reizhusten und einer Kurzatmigkeit begleitet sein. Anschliessend kommt es zu einer Lungenentzündung. Bei rund 15 Prozent der Patienten endet die Legionärskrankheit tödlich.

Letztes Jahr schlug der Bund Alarm, denn die Fallzahlen schnellten schweizweit in die Höhe. 567 Personen erkrankten 2018 an der Legionärskrankheit. Der Bund passte daraufhin die Gesetzgebung an. Neu müssen die Betreiber von Dusch- und Badeanlagen dafür sorgen, dass Legionellen-Höchstwerte eingehalten werden.

Entwicklung der Fallzahlen von Legionellen in der Schweiz

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Auch der Kanton war alarmiert. Kantonschemiker Silvio Arpagaus und das Gesundheitsdepartement luden zu einer Informationsveranstaltung über das Thema. Hotelliers, Leiter von Betagtenzentren, Spitälern und öffentlichen Schwimmbädern folgten der Einladung.

Das habe gewirkt, wie Silvio Arpagaus auf Anfrage sagt. Die meisten Betriebe würden das Problem mit den Legionellen kennen und seien sensibilisiert. «Viele Betriebe haben ihre Hausaufgaben gemacht und die erforderlichen Massnahmen getroffen», sagt Arpagaus. Diese sind von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. Sie reichen von Temperaturkontrollen und regelmässigem Spülen in leer gestandenen Hotelzimmern bis hin zu baulichen Anpassungen wie das Nachrüsten des Boilers mit einer Legionellenschaltung. Diese erhitzt das Wasser regelmässig auf mindestens 60 °C was zur Abtötung der Legionellen führt.

Und wie wirkt sich das auf die Fallzahlen aus? Im vergangenen Jahr waren es schweizweit 583 Fälle - 16 mehr als im Vorjahr. Allerdings war die Zunahme in den vergangenen Jahren jeweils weitaus grösser.

Auch im Kanton Luzern stieg die Zahl an: Von 19 Fällen im 2018 auf 20 Fällen im vergangenen Jahr. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. 

Entwicklung der Fallzahlen von Legionellen im Kanton Luzern

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Dennoch gibt sich Silvio Arpagaus optimistisch. «Der Trend der Zunahme verlangsamt sich, das ist gut», sagt er. Es brauche nun ein paar Jahre, bis die Massnahmen greifen und in allen betroffenen Betrieben umgesetzt würden. «Es gab immer wieder Jahre mit Zu- und Abnahmen der Fallzahlen. Die Frage ist nun, ob der Trend der Abnahme nachhaltig ist. Wir werden dies verfolgen.»

«Gibt noch Aufholpotenzial»

Auch wenn Arpagaus im Grossen und Ganzen zufrieden ist, sagt er dennoch: «Es gibt noch Verbesserungspotenzial.» So seien bei den amtlichen Kontrollen regelmässig Mängel zu beanstanden, welche zu korrigieren seien.

Vor einem Jahr rechnete der Kantonschemiker mit einem Mehraufwand von gut 40 Prozent. «Wir haben die Prozesse so gestaltet, dass wir und die Betriebe bei den Kontrollen einen möglichst geringen Mehraufwand haben. So können wir in den meisten Fällen die neuen Kontrollpunkte innerhalb weniger Minuten prüfen.» Dies sei dadurch erreicht worden, dass die Fragen zu Legionellen im Rahmen der bisherigen Inspektionen der Lebensmittelkontrolle überprüft werde. Diese werden je nach Betriebstyp alle 2 oder 4 Jahre durchgeführt. «Es braucht Zeit, bis wir jeden Betrieb einmal kontrolliert haben. »

Um nun auch noch andere Betreiber von öffentlichen Dusch- und Badeanlagen zu erreichen, führen Arpagaus und das Gesundheitsdepartement erneut einen Informationsanlass durch: Am 26. März sollen Sportvereine, Schulen und Fitnessclubs angesprochen werden

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