Legionellen im Kanton Luzern: Nun müssen Betriebe die Massnahmen  umsetzen

Der Kanton Luzern registrierte letztes Jahr offiziell 19 Erkrankungen an Legionellen. Weil die Zahlen ansteigen, müssen Hotels, Heime oder Badis nun Massnahmen ergreifen.

Martina Odermatt
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Legionellen kommen häufig in Duschen oder Whirlpools vor. Symbolbild: Getty

Legionellen kommen häufig in Duschen oder Whirlpools vor. Symbolbild: Getty

Es sind kleine Bakterien mit grossen Auswirkungen für jene, die von ihnen betroffen sind: Wer Legionellen einatmet, erkrankt an der Legionärskrankheit. Besonders wohl fühlen sich die stabförmigen Bakterien im Wasser bei Temperaturen von 25 bis 45 Grad, sie kommen also etwa in Duschen oder Whirlpools vor.

Seit 2016 ist Anzahl der erkrankten Personen schweizweit um 35 Prozent gestiegen, in der Regel verlaufen 5 bis 15 Prozent der Fälle tödlich (wir berichteten). Im Jahr 2018 verzeichnete die Schweiz 547 Fälle, im Kanton Luzern waren es 19 Fälle. Die Dunkelziffer dürfte laut dem Kantonschemiker Silvio Arpagaus jedoch weitaus höher sein. Wie der Verlauf der Krankheit für die betroffenen Personen ausging, ist nicht bekannt.

Diese Entwicklung rief jüngst den Bund auf den Plan: Er hat Massnahmen erarbeitet, um die Ausbreitung der Legionellen in den Griff zu bekommen. Die Umsetzung der Massnahmen ist Sache der Kantone. Auch deshalb luden Kantonschemiker Silvio Arpagaus und das Gesundheitsdepartement gestern zu einer Infoveranstaltung für Hoteliers, Betreiber öffentlicher Badeanstalten und Leiter von Alters- und Pflegeheime im Kantonsratssaal. «Es ist gut, dass Sie hier sind», begrüsste Regierungsrat Guido Graf (CVP) die Anwesenden. «Ich will keine Panik verbreiten. Aber die Fallzahlen sind alarmierend.»

Ansteckung von Mensch zu Mensch unwahrscheinlich

Man will den Betreibern Hand bieten, sie bei der Umsetzung von Massnahmen unterstützen und sie aufklären. Der Kanton bot deshalb verschiedenste Experten auf, welche den Anwesenden die Problematik erklärten. Susanne Losio, Abteilungsleiterin Biologie beim Kanton Luzern informierte die Anwesenden, was Legionellen genau sind und unter welchen Umständen sie sich besonders stark vermehren. Betroffen sind vor allem Männer, Raucher und ältere Menschen. Wichtig: «Über das Trinken von Wasser gibt es keine Ansteckung, ebenso ist eine Ansteckung von Mensch zu Mensch unwahrscheinlich.» Eine Impfung gibt es bis dato nicht. Wer sich ansteckt, erkrankt entweder an leichten Grippesymptomen, die nach ein paar Tagen wieder verschwinden, oder Symptomen einer Lungenentzündung. Letztere kann tödlich verlaufen.

Wie es auf Bundesebene im Mai 2017 zu einem neuen Gesetz kam, erläuterte Mark Stauber, Leiter Fachbereich Lebensmittelhygiene beim Bund. Dusch- und Badewasser wurden zu diesem Zeitpunkt als Gebrauchsgegenstände definiert. Das bedeutet, das all jene, die Dusch- und Badewasser in den Verkehr bringen, zur Selbstkontrolle verpflichtet sind. «Es wurden neu Höchstwerte für Legionellen im Wasser festgelegt», sagte Stauber. Die Einhaltung dieser Richtlinie sei Aufgabe der Betreiber der Anlagen. Privathaushalte sind von den Vorgaben ausgenommen.

Legionellenschaltungen schaffen Abhilfe

Konkrete Tipps für die Praxis gab zum Schluss Elio Minardi, Abteilungsleiter Chemie. So gelte es, eine regelmässige Legionellenschaltung durchzuführen. Bei dieser wird die Wassertemperatur auf 60 Grad erhitzt. Das tötet die Bakterien ab. Ausserdem sollte das Nutzungsverhalten analysiert werden. Gibt es Räume, die länger leer stehen, Leitungen, in denen das Wasser stagniert? Die Inputs kamen an. Zwei technische Leiter eines Betagtenzentrums in der Luzerner Agglomeration wollen gleich heute Wasserproben nehmen und die Temperatur kontrollieren. «Legionellen waren für uns kein Fremdwort, zudem verfügen wir über eine moderne Anlage. Jedoch war uns nicht bewusst, wie schlimm die Konsequenzen sein können und wie komplex die Thematik ist», sagt einer der beiden. Er will aber weder den Namen des Betagtenzentrums, noch seinen eigenen in den Medien lesen.

Kantonschemiker Arpagaus schätzt den Mehraufwand des Kantons für die Kontrollen auf etwa 40 Stellenprozente ein. Bisherige Betriebe werden nach wie vor im Zuge der Lebensmittelkontrollen überprüft. Aber mit der neuen Gesetzgebung seien weitere Betriebe hinzugekommen, wie etwa Campingplätze.

Hinweis: Der Kanton hat zwei Merkblätter für Betriebe erarbeitet. Sie sind unter www. lebensmittelkontrolle.lu.ch/legionellen abrufbar.

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