«Lehnen Personenkult ab» – die Krienser SP lanciert eine Kontroverse um einen möglichen «Alex-Wili-Platz»

Bürgerliche wollen den Krienser Gemeindehausplatz nach einem liberalen Urgestein benennen. Bei den Linken kommt das nicht gut an.

Stefan Dähler
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Dieser Platz zwischen altem Gemeindehaus und Lindenpark soll umbenannt werden.

Dieser Platz zwischen altem Gemeindehaus und Lindenpark soll umbenannt werden.

Bild: Nadia Schärli (Kriens, 5. Oktober 2020)

Der neugestaltete Platz neben dem alten Krienser Gemeindehaus und dem kürzlich eröffneten Alters- und Gesundheitszentrum Lindenpark soll künftig Alex-Wili-Platz heissen. Dies zu Ehren des liberalen Urgesteins Alexander Wili (90). Das fordern FDP, CVP und SVP in einem Postulat aufgrund der zahlreichen Verdienste Wilis für die Stadt Kriens (wir berichteten).

Alexander Wili, hier portraitiert in seiner Wohnung.

Alexander Wili, hier portraitiert in seiner Wohnung.

Bild: Nadia Schärli (Kriens, 27. Februar 2020)

Um die mögliche Umbenennung des zentral gelegenen Platzes ist nun eine Kontroverse entbrannt. Die SP schreibt in einer Mitteilung, es entspreche nicht der gängigen Praxis, Plätze nach noch lebenden Personen zu benennen. Man lehne «solchen Personenkult» ab.

SP bringt Wilis Tätigkeit bei der Militärjustiz ins Spiel

Die SP erwähnt in der Mitteilung auch Wilis Rolle bei der Militärjustiz, die im Rückblick «sehr kritisch zu beurteilen» sei. Er habe gegen Dienstverweigerer harte Strafen gefordert und ausgesprochen – oft weit härtere, als nach damaligem Recht nötig. Daher wecke Wili nicht bei allen gute Erinnerungen, auch wenn er «zweifelsohne» viel geleistet habe für Kriens. «Klar, das war eine andere Zeit», sagt SP-Präsident Raphael Spörri. Seit 1996 können Menschen, die aus Gewissensgründen den Militärdienst verweigern, Zivildienst leisten. Doch auch wenn Wili keine Gesetze verletzt hat, sei es legitim, seine Rolle kritisch zu betrachten. Spörri sagt weiter:

«Es geht uns aber nicht in erster Linie um seine Person, sondern um die Grundsatzfrage, ob es noch Sinn macht, Plätze nach Personen zu benennen, denn diese werden stets subjektiv beurteilt.»

Diese Diskussion müsse öffentlich geführt werden, so Spörri. Kontroversen um Denkmäler weltweit zeigten, dass es nicht mehr opportun sei, diese nach Personen zu benennen.

Auch die Grünen stehen dem Postulat ablehnend gegenüber. Nicht unbedingt nur wegen Wilis Rolle in der Militärjustiz. «Jeder hat einen Tolggen im Reinheft, verdient hätte er es trotzdem», sagt Co-Präsident Bruno Bienz. «Wir sind aber der Meinung, dass lebende Personen nicht auf diese Weise geehrt werden sollten, denn es gäbe auch viele andere Leute, die das verdient hätten.» Die Stadt müsse die Umbenennung daher vertieft prüfen und eine Auslegeordnung machen. «Hier sollte man nicht vorpreschen, sondern seriös eine Auswahl treffen.»

FDP: Verdienste stehen im Vordergrund

Zur Kritik der Linken sagt Erwin Schwarz (FDP), Erstunterzeichner des Postulats: «Wir haben es in der Fraktion auch diskutiert, ob eine noch lebende Person gewürdigt werden soll. Nach positiven Rückmeldungen seitens CVP und SVP haben wir uns für den Vorstoss entschieden.» Auch eine Rolle spielte, dass der Regierungsrat Wili dieses Jahr den Anerkennungspreis verliehen hatte. «Wenn der Kanton ihn ehrt, sollte das auch in Kriens möglich sein.» Ausserdem habe es sich gerade so ergeben, dass der Platz beim Lindenpark nun fertiggestellt worden ist. Zu Wilis Rolle in der Militärjustiz sagt Schwarz: «Es ist im Nachhinein einfach, über den damaligen Zeitgeist zu urteilen. Ich bin überzeugt, dass Alex Wili nach der massgebenden Gesetzgebung und nicht nach der Gesinnung geurteilt hat.» Für Schwarz steht im Zentrum, was Wili alles für Kriens geleistet hat. So habe er nicht nur zahlreiche Genossenschaften oder gemeinnützige Organisationen gegründet. Schwarz fügt an:

«Als grösste Leistung für Kriens ist Alex Wili zu verdanken, dass das Schlössli und der Hügel nicht überbaut worden sind.»

Wili selbst sagt zur Mitteilung der SP: «Ich war bis 1987 Präsident des Divisionsgerichts 8.» Urteile wurden vom Gerichtsgremium gefällt, bestehend aus zwei Offizieren und je einem Unteroffizier sowie einem Soldaten und ihm als Präsidenten. «Der Antrag zu einem Urteil kam nie von mir. Ich hatte die Aufgabe, das Urteil bekannt zu geben. Ob es meiner Überzeugung entsprach, konnten Beobachter nicht wissen.» Die Praxis an diesem Gericht sei «eine harte Bestrafung» gewesen, «aber natürlich im gesetzlichen Rahmen». Besonders bei Milderung aus religiösen Gründen sei man kritisch gewesen, was bei gewissen Gruppierungen nicht gut angekommen sei. «Dass das nun nach über 30 Jahren nochmals aufs Tapet kommt, stört mich sehr», sagt Wili. Die Benennung des Platzes nach ihm sei nicht seine Idee gewesen, aber er würde sie annehmen.

Früher ein Parkplatz

Das betroffene Areal war früher ein Parkplatz und wurde im Rahmen des Lindenpark-Neubaus umgestaltet. Letzteren hat die Genossenschaft Wohnen im Alter Kriens (Gwak) realisiert, deren Gründung von Alexander Wili initiiert worden ist. Auf der Website der Gwak wird der Platz als Lindenplatz bezeichnet. Offiziell heisst er aber Gemeindehausplatz, denn bei der nahe gelegenen Bushaltestelle existiert bereits ein Lindenplatz.

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