LEHRABSCHLUSS: Die neuen Prüfungstermine werden kritisiert

Statt erst im August müssen Lehrlinge ab 2009 bis zu mehrere Wochen früher zur Lehrabschlussprüfung antraben. Dagegen werden jetzt Stimmen laut.

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«Wieder zusammenbauen? Aber das lernen wir doch erst in den letzten drei Monaten.» (Karikatur Jals)

«Wieder zusammenbauen? Aber das lernen wir doch erst in den letzten drei Monaten.» (Karikatur Jals)

Guido Durrer regt sich auf: «Das Bildungsdepartement hat es sich wieder einmal sehr einfach gemacht.» Grund für den Missmut des FDP-Kantonsrates und Präsidenten des Verbandes Luzerner Maler: Der Kanton Luzern verlegt einige Lehrabschlussprüfungen ab nächstem Jahr um bis zu mehrere Wochen vor.

Betroffen sind Lehrlinge der gewerblich-industriellen Berufe. Damit werden die betroffenen Lehrlinge künftig gleichzeitig mit dem KV und dem Detailhandel im Mai/Juni abschliessen und auch ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Heute ziehen sich ihre Lehrabschlussprüfungen in den Juli, zum Teil sogar bis in den August (Coiffeure) hinein. Dementsprechend spät findet dann auch die kantonale Lehrabschlussfeier statt, nämlich Mitte September.

Die Regierung solle «nochmals gründlich über die Bücher»
Für Durrer ist die Neuerung «unverantwortlich». «Die Vorverlegung der Lehrabschlussprüfung kommt faktisch einer Verkürzung der Lehrzeit gleich.» Denn der Lehrstoff müsse in einer viel kürzeren Zeit vermittelt werden. Zudem befürchtet Durrer, dass die Lehrlinge nach der Abschlussprüfung die Zeit in der Berufsschule nur noch absitzen würden. Durrer verlangt nun in einem Postulat von der Regierung, dass sie nochmals gründlich über die Bücher geht.

Der Verband der Luzerner Berufsschullehrerinnen und -lehrer ist ebenfalls für ein Überdenken. Denn laut Präsident Hermann Fries führt die Vorverlegung «zwangsläufig zu Sondereinsätzen bei den Berufsfachschulen». Der Verband habe schon mehrmals bei den zuständigen Instanzen interveniert, sei aber immer abgeblitzt.

«Jeder Lehrling erreicht im letzten Semester die Prüfungsreife»
Werner Bründler kann mit den Vorwürfen nichts anfangen. Als Prüfungsleiter der Qualifikationsverfahren im Kanton Luzern ist er mitverantwortlich für die Neuerung. «Unser Hauptziel ist es, dass alle Lehrlinge im Kanton Luzern ihre Abschlusszeugnisse vor den Sommerferien bekommen. Und das geht nur, wenn einige Berufsverbände ihre Lehrabschlussprüfungen etwas früher als bisher durchführen.»

Das Argument, dass man die Lehrzeit verkürze, taugt laut Bründler nichts. «Die Lehrvertragsdauer bleibt unangetastet. Bei einer drei- oder vierjährigen Lehre erreicht jeder Lehrling im letzten Semester die Prüfungsreife. Da spielt es keine Rolle, ob er die praktische Prüfung zum Beispiel im Mai statt Ende Juni macht.»

Stefan Roschi und Benno Mattli

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Luzerner Zeitung.