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LEHRABSCHLUSS: Mit grünem Daumen zum Erfolg

Jérôme Ziltener hat die Lehre erfolgreich gemeistert – trotz Kleinwüchsigkeit. Eine Sonderbehandlung kam für ihn nicht in Frage.
Alexandra Hirsiger
Jérôme Ziltener beim Schneiden der Sträucher in der Klostergärtnerei Baldegg. (Bild Manuela Jans)

Jérôme Ziltener beim Schneiden der Sträucher in der Klostergärtnerei Baldegg. (Bild Manuela Jans)

Alexandra Hirsiger

Dicentra spectabilis, das Tränende Herz. Das ist die Lieblingsblume von Jérôme Ziltener. Von rund 160 Pflanzenarten, die der frischgebackene Gärtner nun nach Lehrabschluss kennt, sei diese schon immer seine Favoritin gewesen. «Sie blüht bereits im Mai, sie ist also eine Frühblüherin», sagt der 19-Jährige fachkundig. Das sei eigentlich der einfachere Teil in der Schule gewesen, meint Ziltener, der sich trotz Kleinwuchs schon früh fürs Gärtnern interessiert hat: «Am Anfang war es zwar schon anspruchsvoll, bis man alle Pflanzen kennt.» Man müsse schliesslich nebst den lateinischen Namen auch noch Herkunft, Gattung, Sorte, Standort, Schneidart und Verwendung wissen. «Aber es war bedeutend leichter, diese auswendig zu lernen, als beispielsweise die optimale Zusammensetzung von Beton auszurechnen», erläutert Ziltener etwas verlegen.

Aber davon liess sich der junge Mann, der diesen Sommer nach zweijähriger Lehre sein Diplom als Gärtner erhalten hat, nicht abschrecken. Es sei nämlich genau diese Vielseitigkeit, die seinen Beruf so spannend mache: «Jeden Tag sieht und lernt man Neues.»

Auf Nachteilsausgleich verzichtet

Der Beinwiler hat schon immer Freude gehabt am Gärtnern. Viel mehr als am Kochen. Das hat er realisiert, als er einen Schnuppertag in der Küche absolvierte. So habe er sich schlussendlich für den Gärtnerberuf entschieden und sich um eine Lehrstelle in der Stiftung Brändi in der Klostergärtnerei Baldegg bemüht.

Lehrlingsausbildnerin Petra Gloor, die seit vier Jahren die Lernenden der Klostergärtnerei ausbildet, war zugegebenermassen überrascht ob seiner Idee. «Mir hat es vor allem etwas Sorge bereitet, dass Jérôme aufgrund seiner Körpergrösse zum Beispiel Mühe haben könnte, schwere Bodenplatten hochzuheben oder mit den schwerfälligen Landmaschinen umzugehen», erinnert sich Gloor. Von Kleinwüchsigkeit spricht man, wenn ein ausgewachsener Mensch weniger als 150 Zentimeter gross ist.

Doch all diese Sorgen haben sich als unbegründet erwiesen. Ziltener sei stets mit grosser Freude, ernster Konsequenz und starkem Willen durch die zweijährige Lehrzeit gegangen, sagt Gloor. Der Wille war sogar so stark, dass Ziltener den extra für die Lehrabschlussprüfung gewährten Nachteilsausgleich, der es erlaubt hätte, in bestimmten Situationen Hilfe eines Dritten anzufordern, links hat liegen lassen. «Die Platten sind eigentlich gar nicht so schwer», sagt Ziltener und muss schmunzeln. Und als ob das nicht schon genug wäre, hat er zeitgleich mit dem Lehrabschlussverfahren auch noch die theoretische Autofahrprüfung absolviert und bestanden.

Für seine besondere Leistung ist der 19-Jährige nun mit dem Paul-Hürlimann-Preis geehrt worden. Dieser wird vom Gewerbeverband Luzern jährlich vergeben und ist mit 1000 Franken dotiert. Er honoriert Leistungen, die unter erschwerten Bedingungen erreicht worden sind. Ziltener sei ganz schön überrascht gewesen, als er von dieser Verleihung erfuhr: «Ich habe es erst gar nicht glauben können, dass ich diesen Preis gewonnen habe», gibt er lachend zu.

Chinesische Gärten reizen ihn

Mit einem Teil des gewonnenen Betrags will sich Ziltener die praktische Autoprüfung finanzieren. Die andere Hälfte legt er zur Seite. «Die will ich eventuell für eine Weiterbildung einsetzen.» Er könne sich vorstellen, sich mit dieser im gestalterischen Bereich seines Gärtnerberufs zu spezialisieren, wie beispielsweise chinesische Gärten zu konzipieren. Doch bis dahin dauert es noch eine Weile: «Zuerst geht es in die Ferien ins Wallis, und in drei Wochen werde ich dann am neuen Arbeitsplatz beginnen. Mit der Weiterbildung werde ich noch warten», sagt der nun zertifizierte Gärtner entschieden.

Auch sie wurden ausgezeichnet

ahi. Der Verband der Zentralschweizerischen Elektroinstallationsfirmen hat heuer zum zweiten Mal einen Lehrabsolventen geehrt, der unter besonderen Umständen seine Lehre zum Abschluss gebracht hat. Fabian Blum aus Pfaffnau wurde für seine ausserordentliche Leistung gewürdigt und mit einem Tablet und einem 500- Franken-Gutschein honoriert. Seit einem Unfall während seiner Lehrzeit sitzt der junge Elektroinstallateur im Rollstuhl.

Das KV Luzern hat zum dritten Mal den Samuel-Ackermann-Preis verliehen. Die mit 1000 Franken dotierte Ehrung würdigt ebenfalls Lehrabgänger, die ihren Abschluss trotz Schwierigkeiten bravourös gemeistert haben. Dieses Jahr durfte die Ennetbürgerin Julia Föhn diese Auszeichnung entgegennehmen. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen, hat ihre Lehre zur Büroassistentin aber nichtsdestotrotz erfolgreich abgeschlossen.

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