LEHRABSCHLUSS: Panne an der Lehrabschlussprüfung: 90 KV-Lehrlinge müssen Franz-Test wiederholen

Für fünf Abschlussklassen der Kaufmännischen Berufsschule in Willisau und Sursee heisst es «encore une fois»: Sie müssen nochmals zur Französischprüfung für ihren Lehrabschluss antraben. Versehentlich hatte man ihnen zur Vorbereitung die echte Prüfung vorgelegt.

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Um dieses Dokument in den Händen zu halten, braucht es für 90 KV-Absolventen einen zweiten Anlauf. (Bild: Pius Amrein/LZ 6. Juli 2016, Willisau)

Um dieses Dokument in den Händen zu halten, braucht es für 90 KV-Absolventen einen zweiten Anlauf. (Bild: Pius Amrein/LZ 6. Juli 2016, Willisau)

Ismail Osman, Evelyne Fischer

kanton@luzernerzeitung.ch


Ausgerechnet «Franz». Am Berufsbildungszentrum Wirtschaft, Informatik und Technik (BBZW) kam es zu einem gröberen Versehen: Fünf Klassen müssen ihre Abschlussprüfung im Fach Französisch wiederholen, wie die Staatskanzlei mitteilt. Betroffen sind rund 90 Schülerinnen und Schüler der kaufmännischen Lehre an den beiden Standorten Willisau und Sursee. Bei ihnen wurde die diesjährige Prüfung zuvor bereits als Vorbereitungstest verwendet. Gemäss Mitteilung der Staatskanzlei fand der Prüfungstag bereits am 3. Mai statt. Der Fehler wurde allerdings erst nach der abgelegten Prüfung erkannt.

Betroffen sind die Lernenden Kaufmann/Kauffrau EFZ mit E-Profil am Berufsbildungszentrum Wirtschaft, Informatik und Technik (BBZW) an ihren beiden Standorten in Willisau und in Sursee.
Die fünf Klassen – rund 90 Lernende – müssen nun nochmals zur Französischprüfung antreten.

Schulleitung ging Pausenplatz-Gerücht nach

Gemäss Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, wurde bereits kurz nach der Prüfung klar, dass etwas nicht stimmte: «Die Lehrerschaft bekam mit, dass sich Lernende im Nachgang zur Prüfung untereinander austauschten.» Die Erkenntnis, dass man soeben die selbe Prüfung wie beim Testlauf absolvierte, wurde von KV-Schülern jedoch nicht direkt an die Lehrerschaft getragen. Dennoch: Sobald die Schulleitung von den Gerüchten auf dem Pausenplatz erfahren hatte, ging sie der Sache nach – die Resultate der Prüfung wartete man nicht ab. «Es stellte sich heraus, dass zwei der fünf KV-Klassen vom Fehler betroffen waren. Die anderen drei Klassen absolvierten eine korrekte Trainingsprüfung», erklärt Spöring auf Anfrage.

Prüfung wurde im Klassen-Chat verbreitet

Tatsache ist aber, dass anfangs Juni alle fünf betroffenen Klassen nochmals zur Prüfung antreten müssen. Grund dafür ist ein Klassen-Chat, in dem auch Bilder der vermeintlichen Testprüfung, die sich als Original entpuppte, hochgeladen wurden. «Es fand also eine grössere Verbreitung statt, weshalb alle fünf Klassen die Prüfung wiederholen müssen.»

Christof Spöring schliesst derzeit aus, dass am BBZW noch andere solche Versehen vorgefallen sind. Natürlich stellt sich trotzdem die Frage, wie dies mit einer Abschlussprüfung – das vermeintlich bestgehütete Geheimnis einer jeden Bildungsinstitution – geschehen konnte. Eine schulinterne Abklärung soll in den nächsten zwei Wochen diesbezüglich Licht ins Dunkel bringen. «Wir wollen abklären, wie es dazu kommen konnte und ob wir allfällige Lücken im System haben, die wir schliessen müssen.»

Beim Berufsbildungszentrum selbst und dem Departement geht man von einem Versehen aus. Spöring will denn auch nicht von Fahrlässigkeit sprechen: «Es ist aber ein grober Fehler, den wir nicht auf die leichte Schulter nehmen können.» Die Schulleitung und die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung haben sich bereits bei den betroffenen Berufsschülern für die Vorkommnisse entschuldigt.

An den drei Standorten des Berufsbildungszentrum Wirtschaft, Informatik und Technik werden insgesamt rund 3600 Berufsschüler in 30 verschiedenen Berufen ausgebildet.

Bildungsdirektor: «Versehen ist sehr unangenehm»

Zum Vorfall am BBZW äussert sich Bildungsdirektor Reto Wyss wie folgt:«Diesem Fehler liegt menschliches Versagen zugrunde. Das Versehen ist sehr unangenehm und zu bedauern.» Wyss ist von der Dienststelle letzte Woche «umgehend» informiert worden, nachdem man den Lapsus realisiert hatte. «Es sind Vorkehrungen zu treffen, um das Auftreten solcher Fehler zu reduzieren. Komplett ausschliessen kann man das Risiko aber nicht», sagt Wyss, dem kein ähnlicher Fall bekannt ist.

Ob der Fehler Konsequenzen für das Lehrpersonal hat, kann er zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen. «Wir warten nun die Resultate der Untersuchung ab, welche die Dienststelle angeordnet hat. Ziel muss es sein, herauszufinden, wie der Fehler passieren konnte und welche Vorkehrungen nun nötig sind, damit sich Vergleichbares möglichst nicht wiederholt.»