Lehrabschluss: Schulische Prüfungen sind gestrichen

So manche Lehre dürfte wegen des Coronavirus ohne praktische Abschlussprüfung enden. Gefordert sind nun die Luzerner Ausbildner.

Evelyne Fischer
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Diese Frage dürfte alle 4800 jungen Frauen und Männer umtreiben, die derzeit im Kanton Luzern im Endspurt ihrer Ausbildung stecken: Wie wird heuer der Lehrabschluss vonstatten gehen? Gewisse Antworten hat Bundesrat Guy Parmelin am Donnerstag geliefert. Unter seiner Leitung haben Bund, Kantone und Sozialpartner entschieden: In den Berufskenntnissen und in der Allgemeinbildung sind schulische Abschlussprüfungen gestrichen. Ins Zeugnis wandern Erfahrungsnoten sowie die Bewertung der Vertiefungsarbeit in der Allgemeinbildung.

Bei der praktischen Prüfung sieht die Lage wie folgt aus: Wo es möglich ist, findet sie statt. Ansonsten hat der Lehrbetrieb die praktischen Leistungen zu beurteilen. Für jeden der 250 betroffenen Berufe gilt es nun zu klären, welche Variante zum Tragen kommt. Bis am 17. April haben die jeweiligen Organisationen der Arbeitswelt die entsprechenden Eingaben zu machen. Das letzte Wort hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation.

Abschlussprüfungen im Pflegebereich auf der Kippe

Im Kanton Luzern begrüsst man diese Handhabung: «Wir haben uns für praktische Abschlussprüfungen stark gemacht», sagt Christof Spöring, Dienststellenleiter der Berufs- und Weiterbildung. «Wir wollen als Zeugnisse keine Blankochecks mit dem Stempel ‹Corona-Jahrgang›, die unter Umständen die Leistung der Lernenden abgewertet hätten.» Denn:

«Unsere Lernenden wollen sich beweisen. Ihr Berufsstolz ist spürbar.»

Wo praktische Abschlussprüfungen dennoch wegfallen dürften, will Spöring noch nicht mutmassen. «Bei den Fachpersonen Gesundheit wird es aufgrund der jetzigen Doppelbelastung mit dem Coronavirus sicher schwierig, ein Examen durchzuführen», sagt er. Herausfordernd – gerade mit Blick auf die Abstandsregel – werde die Situation auch bei Restaurationsfachleuten. Hier teste man im Normalfall fünf bis sechs Lernende gemeinsam in einem überbetrieblichen Zentrum. Weniger Probleme dürfte es bei den technischen Berufen geben. «Sofern externe Experten Zutritt zum Lehrbetrieb erhalten.»

Die Frist für die Noteneingabe wurde bis zum 17. Juli verlängert, so dass alle Diplome bis Ende Juli vorliegen. Manch ein Lehrling hätte wohl auf die schulische Abschlussprüfung hin noch einen Zacken zugelegt. Spöring glaubt nicht, dass das Abschlusszeugnis stark verfälscht wird, sofern praktische Prüfungen durchgeführt werden. «Die bisherigen Noten zeigen die Leistungen der Lernenden sehr gut auf.»  

Aufwendige Neuplanungen der Verfahren

Auch bei Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands, kommt die jetzige Lösung gut an. «So wird verhindert, dass der Wert des Berufsattests oder des Fähigkeitszeugnisses verwässert wird.» Sinn der Prüfung sei es, die Arbeitsmarktfähigkeit zu kontrollieren. «Dies erfordert heuer aufwendige Neuplanungen der Verfahren.» Betreffend der abgesagten schulischen Examen ist Zemp gleicher Meinung wie Spöring: «Die Erfahrungsnoten bilden eine solide Basis.» Ein Wermutstropfen: «Die Chance, das Resultat mit einer Top-Prüfung noch herauszuputzen, bietet sich dieses Jahr nicht.»

Maturitätsprüfungen sollen stattfinden

Bund und Kantone wollen, dass Absolventen der gymnasialen Maturität, der Fach- oder Berufsmaturität sowie der Passerellen ihre Abschlusszeugnisse pünktlich erhalten und sich fristgemäss an Unis und Hochschulen einschreiben können. Über die Modalitäten der Maturitätsprüfungen soll bis spätestens Anfang Mai entschieden werden.

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