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LEHRBEGINN: Männer ziehts in die Pflege

Im Alters­zentrum in Sursee haben 13 Jugendliche eine Lehre in der Pflege begonnen. Darunter sind drei junge Männer – ihre Berufswahl hat ganz unterschiedliche Gründe.
Roseline Troxler
Pascal Portmann (links), angehender Fachmann Gesundheit, und Mattia Rüssi, der die Lehre zum Fachmann Betreuung absolviert, betrachten ihre Arbeitskleidung, bevor sie diese zum ersten Mal anziehen. (Bild Nadia Schärli)

Pascal Portmann (links), angehender Fachmann Gesundheit, und Mattia Rüssi, der die Lehre zum Fachmann Betreuung absolviert, betrachten ihre Arbeitskleidung, bevor sie diese zum ersten Mal anziehen. (Bild Nadia Schärli)

Roseline Troxler

Im Alterszentrum St. Martin in Sursee steht Heimleiter Urs Arnold gestern Morgen gut gelaunt vor einer Schar Jugendlicher. Sie mustern ihn aufmerksam, während Arnold sie zum Lehrbeginn begrüsst. 13 sind es dieses Jahr – so viele wie noch nie in den letzten 15 Jahren. Seither bietet das Alterszentrum, das rund 190 Personen in Pflegeabteilungen und im betreuten Wohnen beherbergt, Lehrstellen an. «Nachwuchssorgen kennen wir zum Glück nicht. So viele Junge auszubilden, ist für uns eine grosse Freude, aber auch eine Herausforderung», betont Urs Arnold, der Chef von 180 Mitarbeitern ist.

«Sie geben viel zurück»

Was bei der Gruppe von neuen Lehrlingen auffällt: Es sind auch mehrere Männer auszumachen. Dies, obwohl im Langzeitbereich nur sehr wenig Männer arbeiten. Arnold erzählt: «Letztes Jahr hat bei uns erstmals ein junger Mann seine Lehre in der Pflege begonnen. Dieses Jahr sind es bereits deren drei.» Er sei stolz, ein Zeichen zu setzen, dass der Beruf auch für Männer attraktiv sei. Zwei der Lehrlinge sind angehende Fachmänner Gesundheit (siehe Box), ein Lehrling, Mattia Rüssi (16) aus Mauensee, will Fachmann Betreuung werden. Er sagt in der Znünipause: «Ich bin überwältigt – vor allem von der Grösse des Alterszentrums und den vielen neuen Gesichtern.» Schon gestern sei er nervös gewesen. Für den jungen Berufsmann ist der Lehrstart auch eine Rückkehr. «Meine Grossmutter hat hier gearbeitet. Als Kind habe ich sie oft besucht.»

Die Berufswahl führt er denn auch auf seine Grosseltern zurück, zu denen er «einen engen Bezug» habe. Nach der Schule absolvierte Rüssi ein einjähriges Sozialjahr und arbeitete in einer Kindertagesstätte. «Ich habe festgestellt, dass ich noch lieber mit alten Menschen arbeite», sagt er. «Sie sind dankbar und geben viel zurück.» Dass er einen Beruf erlernt, der noch zu grossen Teilen in Frauenhand ist, störe ihn nicht. Er freut sich aber, dass er auch männliche Kollegen hat.

Anfängliche Skepsis bei Bewohnern

Daniel Steiner (22) aus Nottwil hat gestern seine Lehre als Fachmann Gesundheit begonnen. Er kennt sich im Alterszentrum bereits bestens aus. Der Grund: Er hat zuvor eine Lehre als Assistent Gesundheit und Soziales absolviert und arbeitet seit zwei Jahren im St. Martin. Nun wechselt er die Rolle. Eine Arbeit in der Pflege war nicht sein erster Berufswunsch. «Mit einem Restaurant in der Familie war mein Ziel die Gastronomie», sagt er. Sein Lehrer habe aber geraten, sich nicht zu sehr zu fixieren. Nach einem Einblick in die Pflege war ihm klar: «Ein Pflegeberuf passt zu mir. Ich arbeite gerne mit Menschen und bin sehr kommunikativ.» Steiner schätzt die Beziehung zu den Bewohnern. «Ich begleite viele fast bis zum letzten Atemzug.» Auch er sieht kein Problem in den vielen weiblichen Kolleginnen. «Inzwischen haben sich die Bewohner auch an mich gewöhnt.» Denn zu Beginn hätten sich nicht alle von ihm pflegen lassen.

«Männer bringen neuen Wind»

Doris Fellmann ist im St. Martin für die Aus- und Weiterbildung der Pflege- und Betreuungsberufe zuständig. Sie freue sich über den männlichen Zuwachs. «Männer bringen neuen Wind in ein Team. Da sie eher rational und sachlich denken, sind sie eine gute Ergänzung.»

In den nächsten zwei Wochen nun lernen die neuen Lehrlinge vor allem den Tagesablauf kennen. «Allmählich führen wir sie näher an die Bewohner heran», sagt Doris Fellmann. Die meisten Bewohner würden den Jugendlichen offen begegnen. «Der Kontakt mit den Jungen tut ihnen gut.»

Bei der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung sind für das aktuelle Jahr bisher rund 4500 Lehrverträge verarbeitet worden. Diese Zahl kann sich noch ändern. 457 Jugendliche starten ihre Lehre als Fachleute Betreuung oder Gesundheit. Der Männeranteil liegt im Kanton Luzern bei Letzterem bei 10,6 Prozent. Bei den Fachleuten Betreuung ist der Anteil mit 8,6 Prozent noch niedriger.

Berufe im Altersheim

Bildungrt. In der Langzeitpflege in Alters- und Pflegeheimen gibt es hauptsächlich folgende drei Berufe.

  • Fachleute Gesundheit: Sie pflegen und betreuen Menschen und führen medizinaltechnische Verrichtungen aus. Die Lehre dauert drei Jahre.
  • Fachleute Betreuung: Sie begleiten Menschen im Alltag. Sie unterstützen Betagte bei der Körperpflege, beim Ankleiden oder beim Essen. Es handelt sich um eine dreijährige Lehre.
  • Assistenten Gesundheit und Soziales: Sie übernehmen in einem Pflegeteam einfachere Betreuungs- und Pflegeaufgaben, helfen bei der Körperpflege oder beim Essen. Die Ausbildung dauert zwei Jahre.

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