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LEHRE: «Viele finden Anschlusslösung»

Fast 10 Prozent der Lehrverträge werden im Kanton Luzern aufgelöst. Das liegt oft an der Leistung der Lehrlinge.
Tamara Lipp
Ein Elektroniker-Lehrling bei seiner Arbeit. (Bild: Getty)

Ein Elektroniker-Lehrling bei seiner Arbeit. (Bild: Getty)

Per Ende August starteten rund 4900 junge Leute eine Grundausbildung. Für diese gilt bald Halbzeit des ersten Lehrjahres. Im Kanton Luzern gibt es derzeit rund 13 590 Personen in einem Lehrverhältnis. Doch nicht alle sind mit der Lehrstelle zufrieden. 1316 Lehrlinge lösten im Lehrjahr 2013/14 das Lehrverhältnis aus verschiedenen Gründen auf. Christof Spöring, Leiter der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, sagt: «Im ersten Lehrjahr verzeichnen wir die grösste Zahl an Lehrauflösungen.» Wird das Lehrverhältnis aufgelöst, muss es jedoch nicht zwangsläufig zu einem Lehrabbruch kommen. Denn bei mindestens 58 Prozent aller Auflösungen wird die Lehre in einem anderen Betrieb fortgesetzt.

Viele Landwirtlehrlinge betroffen

«Die grösste Zahl der Auflösungen erfolgt in gegenseitigem Einvernehmen», sagt Spöring. Welcher Berufssektor am meisten betroffen sei, könne nicht eruiert werden. In diesem Jahr musste bei 12 von 59 Landwirtlehrlingen im ersten Lehrjahr der Lehrvertrag aufgelöst und die Umwandlung zum Agrarpraktiker vollzogen werden. Victor Jans, Ausbildungsberater der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, sagt: «Dies war in den letzten zwölf Jahren nie so gravierend.» Im nächsten Jahr könne es jedoch einen ganz anderen Beruf treffen.

Suche nach weiteren Möglichkeiten

Es gibt mehrere Gründe, wieso ein Lehrverhältnis aufgelöst wird. Fast ein Drittel der Lehrlinge genügt den Anforderungen des Lehrbetriebes oder der Berufsfachschule nicht. «Der grössere Teil kann die geforderten schulischen Leistungen nicht erbringen», bestätigt Victor Jans. In diesen Fällen werde geprüft, ob beispielsweise die zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) im selben Betrieb eine Lösung wäre. Gut ein Fünftel bricht die Lehre ab, weil die falsche Berufswahl getroffen wurde.

Rahel Probst von der Genossenschaft Migros Luzern sagt: «Wir verzeichnen grundsätzlich wenig Abbrüche, doch in gewissen Fällen kann ein Lehrabbruch die richtige Entscheidung sein. Ist diese dann gefallen, wirken die Jugendlichen oft befreit.» Bei der Migros Luzern waren in den letzten Jahren unter 3 Prozent der 216 Lehrlinge von einer Auflösung des Lehrvertrages betroffen.

Praktikum als Zwischenlösung

Einen neuen Lehrbetrieb zu finden, ist nicht immer einfach. «Natürlich ist es in Berufen mit einem grossen Lehrstellenangebot einfacher, einen neuen Lehrbetrieb zu finden», sagt Christof Spöring. Schwieriger werde es beispielsweise bei einem Goldschmiedlehrling. Die Berufsfachschule muss bei einem aufgelösten Lehrverhältnis nicht sofort abgebrochen werden. Zwei Monate kann die Schule ohne Lehrvertrag besucht werden. «Bei entsprechender Aktivität der lernenden Person kann auch ein dritter Monat für die Lehrstellensuche gewährt werden», erklärt Spöring.

Kommt es zu einem Abbruch, kann meistens nicht sofort mit einer neuen Lehre begonnen werden. Victor Jans sagt: «Für diese Lernenden suchen wir eine Zwischenlösung, oft kann die betroffene Person über ein Praktikum auf das nächste Lehrjahr eine neue Lehre beginnen.» Und Rahel Probst erklärt: «Kurzfristig entsteht bei einem Abbruch natürlich eine Lücke. Wir besetzen solche Plätze nach Möglichkeit mit neuen Lernenden – oder übergangsweise ermöglicht dies Praktikumsplätze.»

Alarmzeichen beachten

«Bei Problemen sollte sofort das Gespräch mit dem Berufsbildner gesucht werden», betont Christof Spöring. Will ein Lehrling eine neutrale Beratung, kann er sich an die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung wenden. Diese Anlaufstelle steht für Auskünfte und Beratungen zur Verfügung und ist an die Schweigepflicht gebunden. Eine Auflösung muss schriftlich erfolgen. «Alles weitere ist meist individuell zu klären», sagt Spöring. In den meisten Fällen kann die Auflösung gütlich geregelt werden. «Nur in ganz wenigen Fällen beurteilt ein Richter den Sachverhalt», erklärt Spöring.

Für manche Lehrlinge lohnt es sich allerdings, sich durchzubeissen, um das Fähigkeitszeugnis für den weiteren beruflichen Werdegang in den Händen zu halten. «Man muss jedoch immer eine allfällige Beeinträchtigung der physischen und psychischen Gesundheit bedenken. Manchmal ist es besser, einen schmerzhaften Schnitt zu machen», sagt Spöring. Victor Jans fügt hinzu: «Immer wiederkehrenden ­Kopf-, Hals- oder Bauchschmerzen sind Alarmzeichen, auf diese sollte reagiert werden.»

Jugendliche benötigen Zeit

Die Schule bereitet künftige Berufseinsteiger auf die Berufswelt vor. Da gilt es erst, die Berufswahl einzugrenzen und dann Informationsveranstaltungen wie auch Berufsmessen zu besuchen. Im zweiten Semester des 8. Schuljahrs werden Schnuppertage im gewünschten Lehrbetrieb absolviert. «Lehrverträge sollen frühestens nach Beginn des letzten Schuljahres abgeschlossen werden, damit den Jugendlichen die nötige Zeit für eine fundierte Berufswahl gegeben wird», erklärt Spöring. Doch das werde leider von vielen Betrieben nicht mehr eingehalten. «Teilweise werden Verträge schon vor den Sommerferien abgeschlossen», bedauert Spöring.

Tamara Lipp

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