Lehrertag 2019: Luzerner Pädagogen bauen sich Schule der Zukunft

Schneller, individueller, sozialer: Rund 500 Luzerner Lehrer haben in Sursee über den Unterricht der Zukunft sinniert.

Alexander von Däniken
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Grosser Aufmarsch am Lehrerinnen- und Lehrertag in der Stadthalle Sursee. (Bild: Dominik Wunderli, 20. November 2019)

Grosser Aufmarsch am Lehrerinnen- und Lehrertag in der Stadthalle Sursee. (Bild: Dominik Wunderli, 20. November 2019)

«Schritt für Schritt» lautete das Motto des 16. Lehrerinnen- und Lehrertags. Doch in welche Richtung und wie schnell? Um das herauszufinden, versammelten sich am Mittwoch rund 500 Lehrpersonen in der Stadthalle Sursee. Eingeladen hat der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV). Als Leitlinie diente eine imaginäre Schule, genannt Hammerfest. LLV-Präsident Alex Messerli sagte zu Beginn:

«Nichts ist verbindlich, alles ist möglich.»

Das Motto war passend gewählt: Die Institution Schule ist mehr denn je unter Reformdruck. Digitalisierung, Lehrplan 21, Anforderungen der Eltern und Sparmassnahmen durch die Politik stellen die Lehrerinnen und Lehrer vor Herausforderungen. Gerade was die Sparmassnahmen betrifft, machten die Luzerner Pädagogen an der Front einschlägige Erfahrungen. Als Finanzdirektor hat der parteilose Regierungsrat Marcel Schwerzmann diese Sparmassnahmen – etwa eine zusätzliche Unterrichtslektion oder Zwangsferien an den kantonalen Schulen – besonders geprägt. Nun stellte sich Schwerzmann als Bildungsdirektor der Lehrerschaft.

Bildungsdirektor mit Wohlwollen empfangen

Schwerzmann wurde mit verhaltenem Applaus begrüsst. In seinem Referat beantwortete er zu Beginn die Frage, was mit seinem Wechsel anders werde. «Es ist derzeit keine grosse Reform geplant. Trotzdem wird es immer notwendig sein, sich aktuellen Begebenheiten anzupassen.» Er stelle ein grosses Engagement der Lehrpersonen und Schulleiter fest.

Dieses sei auch weiterhin nötig – die Digitalisierung werde die Schule verändern. Der Bildungsdirektor hielt fest:

«Wir brauchen elektronische Hilfsmittel, aber auch den Unterricht im Schulzimmer und Exkursionen.»

Damit das gelingt, will er die Administration runterfahren. Schwerzmann wehrte sich gegen den Vorwurf, die Bildung werde totgespart. Die Kosten seien jedes Jahr gestiegen; 2020 wende der Kanton eine Milliarde Franken allein für die Bildung auf. Dass die Zürcher Lehrer mehr verdienen, sei Tatsache: Das Lohnniveau sei dort generell grösser, die Lebenshaltungskosten aber auch. «Ich bin aber bereit, die Lohnsituation anzuschauen.» Schon beschlossen sei die Zurücknahme der Zusatzlektion. Der Applaus nach seinem Referat war nun grösser als zu Beginn. Das imaginäre Schulhaus Hammerfest dürfte also in ruhigeren politischen Zeiten gebaut werden.

Die Schattenseiten der Individualisierung

Heidi Gehrig, Schulberaterin aus St. Gallen, sprach in ihrem Kurzreferat über Partizipation und Ethik. Dabei nahm sie Bezug auf die seit 30 Jahren bestehende Kinderrechtskonvention. Gehrig mahnte bei aller Individualisierung, die auch in der Schule Einzug gehalten hat, zur Zurückhaltung: «Sonst tendieren die Kinder dazu, egoistisch und narzisstisch zu werden.» Die Gesellschaft brauche starke Individuen, aber keine Egoisten.

Dennoch wird es künftig noch wichtiger sein, sich selbst neu zu erfinden, wie der Luzerner Zukunftsforscher Georges T. Roos anfügte. Denn das Bevölkerungswachstum und die Digitalisierung fordern die Individuen dazu auf, sich von der Masse abzuheben. Die Digitalisierung werde deshalb auch die Schule stark verändern. «Digitalisierung ist kinderleicht!», so Roos. Aber auch der Klimawandel und das Bevölkerungswachstum werden grosse Themen sein.

«Wir leben in einer Welt, die immer schneller wird.»

Doch wie kommt die Schule damit klar? Laut Urs Utzinger, Dozent für Informatikdidaktik an der PH Luzern, muss den Schülern beigebracht werden, wie Apps funktionieren und wie Quellen überprüft werden können. Die künftige Schule vermittelt also digitales Wissen, hat die nötigen Finanzen und bringt selbstbewusste Schulabgänger hervor, die nicht egoistisch sind.