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Lehrplan 21: Die Ruhe nach dem Sturm

In den meisten Kantonen der Zentralschweiz ist das erste Jahr unter dem Lehrplan 21 soeben zu Ende gegangen. Die Einführung verlief ausgesprochen ruhig. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass sich die Lehrer selber enorm unter Druck setzen.
Ismail Osman
Die Einführung des Lehrplan 21 verlief ruhiger als im Vorfeld erwartet wurde. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 27. März 2018)

Die Einführung des Lehrplan 21 verlief ruhiger als im Vorfeld erwartet wurde. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 27. März 2018)

Der Wind blies rau. Der erste für die gesamte Deutschschweiz erarbeitete Lehrplan ist von Beginn weg auf enorme Skepsis gestossen – und löste in der Bildungspolitik zuweilen existenzialistische Krisen aus. Nichts Geringeres als das «Ende des Erwerbs von klassischem Schulstoff» wurde in Aussicht gestellt. Und auch der Klassenunterricht schien bereits dem Tod geweiht.

Über zehn eingereichte Volks­initiativen – und beinahe so vielen Abstimmungen – später ist der Lehrplan 21 in den meisten Kantonen in der Schule angekommen. So auch in der Zentralschweiz. Im soeben zu Ende gegangenen Schuljahr wurde er praktisch in allen Zentralschweizer Kantonen eingeführt. Die Ausnahme ist Zug, wo die Einführung für das Schuljahr 2019/20 geplant ist.

Im Kanton Luzern wurde der neue Lehrplan in einem ersten Schritt auf der Primarstufe eingeführt. In den kommenden Jahren wird er gestaffelt auch für die Sekundarstufe gelten. Auch im Kanton Luzern begegnete man dem sogenannt «kompetenzenorientierten» Lehrplan im Vorfeld mit einigem Argwohn. «Das Misstrauen entstammte aber eher den politischen Reihen als der Lehrerschaft», hält Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, fest. «Die von langer Hand geplanten Einführungsveranstaltungen vermochten dort bereits viele der vorhandenen Unsicherheiten zu entschärfen.»

Dies bestätigt auch Anna­marie Bürkli, die scheidende Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands (LLV): «Spätestens mit den Einführungsveranstaltungen wurde den Lehrpersonen klar, dass der Lehrplan für den Kanton Luzern im Prinzip nichts Neues war, sondern lediglich eine natürliche Weiterentwicklung der Art, wie in Luzerns Klassenzimmern bereits unterrichtet wurde.»

Begrüsst hat der LLV die Tatsache, dass der Lehrplan gestaffelt eingeführt wurde, dies verschaffe den Schulen mehr Zeit, um die jetzt auf der Primarstufe gemachten Erfahrungen nutzen zu können. Anders sieht es etwa im Kanton Nidwalden aus, wo der Lehrplan auf allen Stufen auf den 1. August 2017 eingeführt wurde. «In einem kleinen Kanton wie Nidwalden macht dies schon rein aus organisatorischer Sicht Sinn», erklärt Patrick Meier, Vorsteher des Amts für Volksschulen und Sport. Dadurch hätte man die Anzahl der Grundkurse überschaubar halten können. «Durch die gleichzeitige Einführung entstand ein ‹Wir-Gefühl› über die ganze Volksschule», ergänzt Meier.

Beurteilungsinstrumente bereiten Lehrern Kopfweh

Der Start in die neue Schul-Ära verlief also geradezu spektakulär unspektakulär – wie auch Exponenten aus anderen Kantonen auf Anfrage bestätigen. Das vergangene Schuljahr zeigte aber auf, wo noch Handlungs- oder Klärungsbedarf besteht.

Ganz vorne auf der Liste sind die Beurteilungsinstrumente zu nennen. Der Lehrplan 21 lässt beim Thema Beurteilung vieles offen. Wie etwa Noten vergeben werden, bleibt Sache der Kantone. In diesem Bereich sei es denn auch zu Rückmeldungen gekommen. Annamarie Bürkli wünscht sich mehr davon: «Wir sind auf die Rückmeldungen der Lehrpersonen angewiesen, um notwendige Anpassungen in die Wege leiten zu können.»

Auch in anderen Kantonen sind die Beurteilungsinstrumente eine Herausforderung. So etwa in Obwalden. Dort sorgte eine relativ kurzfristige Anpassung der für die Beurteilung benötigte Software zuweilen für Zeitdruck, wie Francesca Moser, Leiterin Amt für Volks- und Mittelschulen, erklärt: «Die Schulen und ihre Lehrpersonen mussten innerhalb eines halben Jahres ihre Beurteilungsgrundlagen ihren Bedürfnissen entsprechend anpassen. Das ist mit Gesprächen, Diskussionen, Kompromissen und mit einem entsprechenden Aufwand verbunden.»

Lehrer hätten genug Zeit für Umstellung

«Das vergangene Jahr hat aber gezeigt, dass die Einführung des Lehrplans 21 vorausschauend und umsichtig durchgeführt wurde», sagt Moser. Eine zentrale Botschaft an die Lehrerschaft sei, dass man für die Umsetzung des neuen Lehrplans Zeit habe. Nicht jeder Aspekt des Unterrichts müsse vom ersten Schultag an dem Lehrplan 21 entsprechen. Diese Botschaft hinauszutragen, sei aber leichter gesagt als getan, weiss Annamarie Bürkli: «Wir haben festgestellt, dass sich die Lehrpersonen – im Wunsch, bereit zu sein – teilweise selber zu stark unter Druck setzen.» Der LLV appelliere denn auch weiterhin an seine Mitglieder, sich die nötige Zeit zu geben.

Dieselbe Erfahrung hat auch Konrad Schuler, Präsident des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Kanton Schwyz (LSZ), gemacht: «Wir haben im Vorfeld dafür gekämpft, dass für die Einführung des Lehrplans fünf Jahre einberechnet werden, was vom Erziehungsrat auch abgesegnet wurde.» Dennoch beobachtet man beim LSZ, dass nicht nur einzelne Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch Schulleitungen teilweise enorm hohe Ansprüche an sich haben. Wie in Luzern wird auch in Schwyz der Lehrplan 21 gestaffelt eingeführt. «Nun, da die Einführung auf der Oberstufe ansteht, sehen wir, dass sich die Lehrpersonen dort fast noch mehr unter Druck setzen – dem versuchen wir entgegenzuwirken», sagt Schuler.

Das erste Schuljahr unter dem Lehrplan 21 ist zu Ende. Seine konkreten Auswirkungen auf den Schulbetrieb beginnt man aber erst im Ansatz zu erkennen. In drei bis vier Jahren stehen in mehreren Kantonen die ersten vertieften Evaluationen an.

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