Lehrstart 2020: Diese Gastronomielehrlinge blicken trotz Coronakrise zuversichtlich in die Zukunft

Mehr als 4500 Luzerner Jugendliche starten in diesen Tagen ihre Lehre. Gerade für junge Köche und Restaurationsfachleute ist es eine spezielle Situation.

Roseline Troxler
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Für Ivan Djordjevic und Joel Marbach bedeutet es einen neuen Lebensabschnitt. Die beiden 16-Jährigen haben in diesen Tagen mit der Lehre gestartet. Im frisch renovierten Hotel Hirschen in Oberkirch macht Ivan Djordjevic eine Ausbildung zum Restaurantfachmann, während Joel Marbach sich zum Koch ausbilden lässt. Er habe schon früh viel Spass am Kochen gehabt, meint er, während Djordjevic die Berufswahl vor allem auf mehrere Schnupperpraktika zurückführt. Trotz Lehrstart in einer Branche, die schwierige Zeiten durchmacht, sagt Marbach:

«Ich freue mich sehr, Neues zu lernen, und ein gutes Klima im Team ist mir wichtig.»

Für Djordjevic bedeutet die Lehre, erwachsen zu werden und eine «stärkere Unabhängigkeit von den Eltern» zu erhalten.

Samuel Steiner (links) und Saskia Obrist zeigen Ivan Djordjevic (Zweiter von links) und Joel Marbach (rechts), welche in diesen Tagen im Hotel Hirschen in Oberkirch die Lehre beginnen, worauf es im Service ankommt.

Samuel Steiner (links) und Saskia Obrist zeigen Ivan Djordjevic (Zweiter von links) und Joel Marbach (rechts), welche in diesen Tagen im Hotel Hirschen in Oberkirch die Lehre beginnen, worauf es im Service ankommt.

Bild: Nadia Schärli (3. August 2020)

Definitive Zahlen zu den Lehrstarts folgen im September

Über 4500 junge Männer und Frauen beginnen in diesen Tagen im Kanton Luzern ihre Lehre. Die genauen Zahlen folgen im September, da aktuell immer noch Verträge unterzeichnet werden. Die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung ist für die Prüfung der Lehrverträge zuständig. Sie erwartet ungefähr gleich viele Lehrverträge wie letztes Jahr. Damals waren es 4799. Wie die Kommunikationsverantwortliche Sandra Kilchmann sagt, würde sich wie die Gesamtzahl der Verträge auch jene pro Branche gegenüber den Vorjahren kaum unterscheiden. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe, das die Auswirkungen der Coronapandemie besonders spürt, sei dies erfreulich, so Sandra Kilchmann weiter.

Wer bis jetzt noch keinen Lehrvertrag unterzeichnet hat, sollte daher Inserate im Gastgewerbe genauer scannen. Obwohl die Branche wegen der Coronapandemie noch immer mit Ausfällen kämpft, gibt es «noch sehr viele offen Lehrstellen», wie Thomas Tellenbach bestätigt. Er ist Betriebsleiter von G'ART, dem gastgewerblichen Ausbildungszentrum im Kanton Luzern. Dort werden Jugendliche auf drei Berufen ausgebildet. Auf Anfrage führt Tellenbach aus: «Die Gastrobranche hat seit Jahren mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Daher ist es uns ein grosses Anliegen, aufgrund der Krise die Zahl der Lehrstellen nicht zurückzufahren.»

Die beliebtesten Berufe beim Lehrstart 2019

Es gibt klare Unterschiede bei den Topberufen zwischen Frauen und Männer. Bei den Frauen schwingt der Beruf Fachfrau Gesundheit obenaus, allerdings nur mit knappem Vorsprung auf die Kauffrau EFZ E-Profil. An dritter Stelle steht Detailhandelsfachfrau EFZ.

Die männlichen Schulabgänger entscheiden sich am häufigsten für den Beruf Kaufmann EFZ E-Profil – und zwar mit Abstand. Halb so viele männliche Jugendliche entscheiden sich für den Beruf Logistiker, gefolgt von Elektroinstallateur. (rt)

Dies sieht auch Markus Wicki, Inhaber des «Hirschen» in Oberkirch, so. Er bildet derzeit fünf Lehrlinge aus. Im Gespräch sagt er: «Wir brauchen Fachkräfte. Corona ändert nichts an dieser Tatsache. Aber allenfalls verstärkt sich der Mangel wegen der Pandemie noch zusätzlich.» Für Wicki ist klar, dass sich eine Investition in Jugendliche lohnt: «Mehrere einstige Lehrlinge sind wieder in meinen Betrieb zurückgekommen.» Und der «Hirschen»-Gastronom führt aus:

«Jungen Menschen einen Berufsstart zu ermöglichen, ist ein gutes Gefühl.»

Zahl der Lehrverhältnisse hat gegenüber 2010 abgenommen

Laut Tellenbach hat es vor einem Jahrzehnt noch deutlich mehr Lehrverhältnisse gegeben als in den letzten Jahren. Schwierig zu besetzen seien insbesondere die Stellen der Köche oder der Restaurantfachleute, während die Zahl der Lehrlinge bei den Hotel-Kommunikationsfachleuten deutlich zugenommen hat. Diesen Beruf gibt es in dieser Form erst seit drei Jahren.

Trotz insgesamt stabiler Lehrstellensituation in der Gastronomie und Hotellerie gegenüber dem Vorjahr hatte die Pandemie für einige Lehrlinge Folgen. Vereinzelt konnten sie die Lehre nicht im ursprünglichen Lehrbetrieb antreten. Für diese Jugendlichen ist laut Thomas Tellenbach aber eine gute Lösung in einem anderen Betrieb gefunden worden. Betroffen war vor allem der Bereich Hotellerie, da einige auf internationale Gäste ausgerichtete Hotels derzeit geschlossen sind. Er betont: «Sobald die ursprünglichen Lehrbetriebe wieder öffnen, nehmen diese ihre Lernenden zurück.»

Branche erwartet, dass einige Betriebe schliessen

Die Gastro- und Hotelbranche erwartet eine Strukturbereinigung. Tellenbach meint dazu: «Es wird leider kurzfristig zu einigen Schliessungen kommen.» Entscheidend sei nun vor allem, ob es nochmals einen Lockdown gäbe. So oder so, der Betriebsleiter von G'ART ist überzeugt:

«Die Branche steht zusammen und wir helfen einander bei der Nachwuchsförderung.»

Denn: «Alle haben ein Interesse, einen Fachkräftemangel zu verhindern.» Der Zusammenhalt verhindere, dass Jugendliche die Lehre abbrechen müssen, weil ihr Lehrbetrieb die Türen schliesst. Wicki sagt dazu: «Wir hätten die Möglichkeit, weitere Lernende aufzunehmen. In der Vergangenheit haben wir auch schon Lernende übernommen.»

Joel Marbach hat am Montag seine Lehre als Koch im Restaurant Hotel Hirschen in Oberkirch begonnen.

Joel Marbach hat am Montag seine Lehre als Koch im Restaurant Hotel Hirschen in Oberkirch begonnen.

Bild: Nadia Schärli (3. August 2020)

Tätig wurde auch der Berufsbildungsverband der Gastronomen, die OdA. Laut Tellenbach wollte der Verband mit einem drei- bis sechsmonatigen Basislehrgang Köche ausbilden, die nicht im Lehrbetrieb arbeiten konnten. Doch er sagt: «Das Interesse war zu gering. Das ist für mich ein positives Zeichen aus der Branche.»

Zuversicht, dass Situation sich wieder ändert

Trotz Krise und unsicherer Zukunft: Für Thomas Tellenbach, der als Koch einst in Küchen auf vier verschiedenen Kontinenten gearbeitet hat, ist klar: «Covid wird irgendwann ausgeimpft sein. Wir sind zuversichtlich, dass sich das Blatt in zwei bis drei Jahren wendet. Es werden wieder neue Lokale in Betrieb gehen. Dann stehen den Absolventen einer Lehre in Gastro und Hotellerie die Türen offen.» Dabei verweist er auch auf eine längerfristige Perspektive: «Die Arbeit von Köchen oder Restaurationsfachleuten werden nie einer Automation zum Opfer fallen.»