Leicht getrübtes Paradies

Hugo Bischof über die Seite von Luzern, die man oft übersieht.

Hugo Bischof
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Was! Auch hier gibt’s so viele chinesische und indische Touristen! Das war der erste Eindruck meines Schwagers aus Ecuador, der uns letzte Woche zusammen mit seiner Frau in Luzern besucht hat. Die beiden hatten zuvor in Italien einige der gängigen Touristenziele besichtigt. Der Trevi-Brunnen in Rom sei wegen des Grossandrangs durch Reisegruppen aus Asien permanent fast unerreichbar geblieben, erzählten sie. Dass es in Luzern nun ähnlich zu- und hergeht, war für sie schon eine Überraschung.

Die zweite leise Enttäuschung folgte gleich. Nicht alles, was mit Swiss Quality bezeichnet ist, und fast nichts, was man in hiesigen Kleiderboutiquen kaufen kann, ist in der Schweiz produziert. «Made in China» heisst’s auch hier. Auch deswegen muss man also nicht unbedingt in die Schweiz reisen.

Dann aber gab’s doch noch die Ahas und freudige Überraschungen. Wie sauber es doch hier überall ist. Und wie alles funktioniert – von der Pünktlichkeit der VBL-Busse bis zur Hilfsbereitschaft der Polizei. Und dass sie im Bus kaum je ihr Ticket vorweisen müssen, ist für sie gänzlich ungewohnt. Vor allem aber sind sie hier in Luzern begeistert von den bestens erhaltenen prachtvollen Gebäuden in der Altstadt.

Die Schweiz und insbesondere Luzern ist halt doch ein Paradies – nur leicht getrübt. Das zu hören, macht uns stolz – und auch etwas nachdenklich. Denn wir können uns über freilaufende Hunde und Velos am Quai ärgern, über Graffiti im öffentlichen Raum, über Strassenmusiker. Freuen wir uns doch lieber über das, was wir hier haben: Ruhe, Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit, Pünktlichkeit. Vielleicht braucht es ab und zu einen Besuch von auswärts, um uns dies vor Augen zu führen.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch