Leinen los auf dem Vierwaldstättersee: Bald dürfen auch Schiffe fahren

Nicht nur Bergbahnen, sondern auch Schifffahrtsgesellschaften dürfen ab dem 6. Juni ihren Betrieb wieder aufnehmen. Die Angestellten der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees sind schon «ganz heiss darauf».

Livia Fischer
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Michel Scheurer sieht bei den Vorbereitungsarbeiten am Mittwoch zu.

Michel Scheurer sieht bei den Vorbereitungsarbeiten am Mittwoch zu.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 27. Mai 2020)

Als Michel Scheurer den Telefonhörer abnimmt, sitzt er vor seinem Computer und starrt gespannt auf den Bildschirm. Bald beginnt die Pressekonferenz. Der Chefkapitän der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) hält die Daumen gedrückt; hofft, dass seine Schiffe bald wieder loslegen dürfen.

Die nötigen Plakate und Bodenmarkierungen sind schon angebracht. Nach dem Pfingstwochenende stehen noch Probefahrten und Reinigungsarbeiten an. Das gesamte Schiffspersonal ist Scheurer unterstellt – insgesamt sind das 130 Personen. «Wir alle sind schon ganz heiss darauf, endlich wieder schifffahren zu können», sagt Scheurer. In seiner Stimme schwingt etwas Sehnsucht mit. Untätig blieb er während des Shutdowns zwar nicht, machte Probefahrten und half bei der Ausarbeitung des Schutzkonzeptes mit. Trotzdem findet er:

«Langsam habe ich es gesehen.»

Kurz nach 15 Uhr dann die Erlösung: Der Schiffsbetrieb darf am 6. Juni wieder öffnen. Auch bei Stefan Schulthess, Vorsitzender der SGV Gruppenleitung, ist die Freude gross. Wie der angepasste Fahrplan in etwa aussehen soll, ist schon seit Längerem geplant.

Trotz finanzieller Einbussen keine Kündigungen erwartet

Am 6. Juni startet die SGV mit einem reduzierten Angebot, am 4. Juli wird es wieder hochgefahren. «Wir haben versucht, die Nachfrage und die Kauflust der Schweizer abzuschätzen», sagt Schulthess. Indizien seien die bisherigen Entwicklungen im Gastrobereich, die Einschätzungen der Tourismusbranche sowie das Reiseverhalten im öffentlichen Verkehr gewesen. Sein Fazit:

«Natürlich spielt bei uns zusätzlich auch das Wetter eine grosse Rolle. Aber dass wir ab dem 6. Juni von Kunden überrannt werden, wird wohl kaum der Fall sein.»
Stefan Schulthess.

Stefan Schulthess.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 5. März 2016)

Die SVG hoffe zwar auf eine bessere Sommerhälfte und vor allem auf viele Schweizer, die hierzulande Ferien machen. Ausländische Touristen würden aber trotzdem fehlen, auch darum rechnet Schulthess mit einem «finanziell «sehr schlechten» Jahr. Angst vor einer Kündigung müssten seine Angestellten aber nicht haben – «der Kurzarbeit sei Dank».

Wer ab dem 6. Juni mit dem Schiff den Vierwaldstättersee überquert, darf mit viel Platz rechnen. Unabhängig davon, wie hoch die Nachfrage ist. Denn: «Damit die Passagiere die Distanz einhalten können, verlangt unser Schutzkonzept eine Reduktion der Kapazität.» Konkret bedeutet das, dass nur die Hälfte der Personenzahl zugelassen ist. Oder in Schulthess’ Worten ausgedrückt: «Unsere Gäste haben jetzt doppelt so viel Platz zum gleichen Preis.»

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