LEINENPFLICHT: Entspannung im Hunde-Streit

Frei herumtollende Hunde auf der Churchill-Wiese sind immer wieder ein Streitthema unter den Benutzern. Damit sich die Wogen glätten, kommt es jetzt erneut zu einer Aussprache.

Sandra Monika Ziegler
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Hundebesitzer auf der Wiese am Churchill-Quai in Luzern. Bild: Corinne Glanzmann (29. September 2016)

Hundebesitzer auf der Wiese am Churchill-Quai in Luzern. Bild: Corinne Glanzmann (29. September 2016)

Darf man, oder darf man nicht? Diese Frage stellt sich manch ein Hundehalter, wenn es um das Anleinen des Vierbeiners auf der sogenannten «Hundewiese» am Churchill-Quai geht. Denn seit Jahrzehnten bewegen sich dort Hunde frei, also ohne Leine. Diese Gewohnheit sei allerdings illegal, finden die Befürworter der Leinenpflicht. Die Wiese am Churchill-Quai – die Grünfläche am Ufer des Vierwaldstättersees zwischen Sunset Bar beim Hotel Seeburg und Yacht-Club – ist für Leute mit und ohne Hunde ein beliebter Treffpunkt.

In der kantonalen Verordnung über das Halten von Hunden wird die Leinenpflicht wie folgt definiert: In öffentlich zugänglichen Lokalen, namentlich in Wirtschaften und Verkaufs­läden, in Naturschutzgebieten, in Parkanlagen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf verkehrsreichen Strassen sind Hunde an der Leine zu führen, soweit nicht nach eidgenössischen, kantonalen oder kommunalen Bestimmungen ein gänzliches Betretverbot besteht.

Aus Sicht der Stadt besteht Leinenpflicht

Ist die «Hundewiese» beim Churchill-Quai eine Parkanlage? Urs Wigger, Mediensprecher Luzerner Polizei, sagt dazu: «Gemäss Veterinärpolizei ist die Wiese am Churchill-Quai eine Parkanlage, und es gilt somit Leinenpflicht.» Doch auf der ­Liste der städtischen Parkanlagen, welche die Luzerner Stadtgärtnerei online aufgeschaltet hat, ist die Wiese nicht erwähnt. Dort sind lediglich Allmend, Bruchmatttobel, Ufschötti und Tribschenhorn (Wiese beim Richard-Wagner-Museum) aufgeführt. Cornel Suter, Leiter Stadtgärtnerei Luzern, hält jedoch fest: «Diese Liste ist nicht abschliessend. Die Wiese am Churchill-Quai ist ein Park und eine Grünanlage, und damit herrscht dort Leinenpflicht.» Laut der Luzerner Polizei wurden auch schon Hundehalter angezeigt. Wie viele es genau waren, kann Polizeisprecher Wigger nicht sagen, weil bei der deliktsbezogenen Statistik jeweils mehrere Delikte in Frage kommen können.

Signalisationstafeln würden Klarheit schaffen

Müsste dort nicht zumindest mit einer Hinweistafel auf die Leinenpflicht aufmerksam gemacht werden? In der Stadt Luzern gibt es an manchen Orten Schilder mit der Aufschrift «Hunde an der Leine führen». Sie befinden sich an speziellen Brennpunkten, so beispielsweise entlang der Quai-Anlagen Seebrücke bis Lido oder im Vögeligärtli, nicht aber beim Churchill-Quai. «Die Signalisation ist ein grosses Thema. Sie ist in Planung und ein Teil der Lösungsfindung», sagt Cornel Suter. Wann eine neue Beschilderung aufgestellt wird, ist jedoch noch nicht terminiert. Suter schätzt, dass es «tendenziell» Frühjahr 2017 wird.

Doch nicht nur die Churchill-Wiese ist ein sogenannter Hotspot der Stadt Luzern, wie Suter weiter erklärt: «Ähnliche Probleme haben wir bei der Allmend, am Tribschenhorn, entlang des Rotsees und bei der Zimmeregg-Badi.» An diesen Orten komme es immer wieder vor, dass sich Passanten und Hundehalter in die Quere kommen und sich daraufhin bei der Stadt melden.

IG zählt immer mehr Mitglieder

Seit diesem Sommer gibt es nun die Interessengemeinschaft (IG) Hundewiese Luzern, gegründet von den drei Luzernern Kurt Imhof, Fabian N. Martin und Michael Stehle. Aktuell hat die IG 826 Mitglieder, wovon 555 selbst Hunde besitzen. Davon wohnen 377 in der Stadt und 358 im Kanton Luzern. Während die Verfechter der Hundefreilaufzone die Öffentlichkeit suchen, bleiben die Befürworter der Leinenpflicht im Hintergrund und wollen namentlich nicht erwähnt werden. Eine Befürworterin sagte gegenüber unserer Zeitung: «Wir kommunizieren direkt mit dem Stadtrat und der Luzerner Polizei.»

Auch die IG hat den Kontakt zur Stadt gesucht. In einem Schreiben an Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) von Anfang Oktober formulierten sie ihr Anliegen: «Durch das Einrichten einer Hundefreilaufzone (umfassend Wiese und Seezugang) mit einer entsprechenden, gut sichtbaren Beschilderung und dem Entfernen der längst erloschenen Verbotstafeln würden eine Klärung und Legalisierung der seit Jahren gelebten Situation und ein weiterhin entspanntes Miteinander ermöglicht.»

Gespräch zwischen Gegnern und Befürwortern

Laut Cornel Suter von der Stadtgärtnerei hat ein erstes Gespräch zwischen IG-Vertretern, einem Landschaftsarchitekten und ihm bereits stattgefunden: «Es fand ein gegenseitiger Austausch statt. Mit diesen Erkenntnissen arbeiten wir weiter.»

Gemäss IG-Mitbegründer Fabian N. Martin ist zusätzlich ein «runder Tisch» geplant. Dieses Gespräch findet zwischen Vertretern der Stadt und dem Quartierverein, dem Quartierpolizisten sowie den Befürwortern und Gegnern statt. Suter bestätigt dies. Eingeladen dazu sind Anwohner, der Quartierverein, die Polizei, der Veterinärdienst, Vertreter der IG-Hundewiese und des angrenzenden Yacht-Clubs sowie weitere Partner aus der Hundehaltung. Suter zeigt sich vor dem Termin zuversichtlich: «Es sind viele Anmeldungen eingegangen. Wir sind guter Dinge, dass das Gespräch die Wogen glättet und wir eine einvernehmliche Lösung finden werden.»

Sandra Monika Ziegler